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Ende eines Urgesteins: Volkswagen stellt Passat-Produktion 2022 ein

Bild: volkswagen-newsroom.com / Volkswagen

Im niedersächsischen VW-Werk Emden wird in Rund drei Jahren eine Ära zu Ende gehen: Nach fast 50 Jahren wird dort 2022 der letzte VW Passat vom Band rollen. Wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet, soll stattdessen in Emden ein Standort für Elektroautos errichtet werden. Volkswagen selbst wollte sich zu den Plänen bislang nicht äußern. Der Betriebsrat verwies auf einen Termin am 16. November – dann will sich der VW-Aufsichtsrat damit befassen, welche Werke in Zukunft welche Autos bauen sollen.

Schon in diesem Jahr 22.000 weniger Passat als geplant

Aktuell wird im Emdener Werk neben dem Coupé Arteon der Passat als Limousine sowie als Kombi gebaut. Wegen des SUV-Booms nimmt die Nachfrage nach dem Modell aber seit Jahren ab: War vor zehn Jahren noch jeder fünfte verkaufte Volkswagen ein Passat, ist es heute nur noch jeder zehnte. Derzeit ist die achte Passat-Generation auf dem Markt, einen Nachfolger wird es nicht mehr geben. Nach ursprünglichen Plänen sollten in diesem Jahr in Emden 251.000 Passat gefertigt werden, durch Kurzarbeit und Schließtage werden es bis Ende Dezember aber nur 229.000 Modelle sein. Wegen fehlender Diesel-Motoren stehen in dem Werk ab morgen für weitere sieben Tage die Bänder still.

Der „Ur“-Passat B1 von 1973 © volkswagen-newsroom.com / Volkswagen

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Die Urversion des Passat wurde vom 1972 präsentierten Audi 80 abgeleitet und im Frühjahr 1973 als Fließheckmodell vorgestellt. Ein Jahr später folgte eine "Variant" genannte Kombiversion.
Sollte das Werk in Emden zukünftig zu einer Produktionsstätte für Elektrofahrzeuge umgebaut werden, würde der mit rund 11.000 Beschäftigten größte industrielle Arbeitgeber in Ostfriesland einerseits eine führende Rolle bei der Elektrifizierung der VW-Fahrzeugflotte einnehmen, andererseits könnten dadurch aber auch viele Mitarbeiter ihren Job verlieren, da für die Produktion von Batterieautos grundsätzlich weniger Personal benötigt wird. Neben Emden könnte auch das VW-Nutzfahrzeuge-Werk in Hannover ein weiterer Standort für die Produktion von E-Autos werden. Dies hängt jedoch noch von Gesprächen von VW mit dem amerikanischen Konkurrenten Ford über eine Kooperation beim Bau leichter Nutzfahrzeuge ab, die bis Weihnachten entschieden sein sollen.

Nutzfahrzeuge: „ID.BUZZ“ statt Transporter

Im vergangenen Jahr wurden in Hannover 175.000 Fahrzeuge der T-Baureihe produziert, davon rund zwei Drittel als Transporter, der Rest in den Varianten Multivan und California. Die beiden letztgenannten Varianten könnten in Hannover verbleiben, für den Transporter sucht VW hingegen nach Alternativen – in Frage kommen könnte hier das Ford-Werk in der Nähe von Istanbul.

Volkswagen „ID.BUZZ“ © volkswagen-newsroom.com / Volkswagen

Der Betriebsrat will der Verlagerung der Transporter-Produktion allerdings nur zustimmen, wenn es einen „adäquaten Ersatz“ sowie keine Kosteneinsparungen auf dem Rücken der Belegschaft gibt. Die Arbeitsplätze in Hannover müssten zudem bis mindestens 2028 garantiert werden, sagte die Betriebsratsvorsitzende Bertina Murkovic. Als Kandidat für die Transporter-Nachfolge gilt der „ID.BUZZ“, eine Art E-Bulli. Für die Elektrifizierung seiner Fahrzeugflotte will VW bis 2022 rund 34 Milliarden Euro investieren.