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Grünes Licht: Bundesrat erlaubt freien Verkauf von HIV-Selbsttests

Bild: pixabay.com / typographyimages

Wer herausfinden will, ob er sich mit dem HI-Virus angesteckt hat, muss zukünftig nicht mehr einen Arzt oder eine Beratungsstelle aufsuchen. Der Bundesrat hat am heutigen Freitag beschlossen, dass solche Tests in Kürze frei verkäuflich in Apotheken, Drogerien sowie im Internet erhältlich sind. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte das Projekt auf den Weg gebracht.

Frühere Behandlungen und weniger Infektionen durch Selbsttest

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Eine unbehandelte Infektion mit dem „Humane Immundefizienz-Virus“ (HIV) führt nach einer meist mehrjährigen Latenzphase in der Regel zu AIDS. Die Verbreitung von HIV hat sich seit Anfang der 1980er-Jahre zu einer Pandemie entwickelt, die bisher rund 39 Millionen Menschenleben gefordert hat. Ende 2014 waren weltweit etwa 37 Millionen Menschen mit HIV infiziert.
Mittlerweile gebe es leistungsstarke und auch für Laien gut handhabbare Selbsttests, so der Bundesrat in seiner Begründung. In anderen Ländern sind derartige Tests bereits seit Längerem frei im Handel verfügbar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt ein solches Verfahren bereits seit 2016. Die Selbsttests richten sich an Menschen, die den Gang zum Arzt scheuen und sich bisher überhaupt nicht oder nur unregelmäßig testen ließen. Befürworter der neuen Regelung gehen davon aus, dass die Freigabe die Wahrscheinlichkeit erhöht, mehr HIV-Infektionen schon zu einem früheren Zeitpunkt erkennen und behandeln zu können, womit nachfolgend auch eine Weitergabe der Infektion effektiver verhindert werden kann.

Mit der Freigabe der Selbsttests leiste man einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen HIV und AIDS, sagte Gesundheitsminister Spahn. „Denn je früher Betroffene von einer HIV-Infektion wissen, desto früher kann ihre Behandlung beginnen.“ Auch die Deutsche AIDS-Hilfe begrüßte die Entscheidung des Bundesrats. Die freie Verfügbarkeit senke die Hemmschwelle und ermögliche so mehr Menschen eine frühere Diagnose und Behandlung, teilte die Organisation mit. Der Selbsttest werde etliche AIDS-Erkrankungen und HIV-Infektionen verhindern, zudem sei HIV bei einer erfolgreichen Therapie auch nicht mehr übertragbar. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts leben in Deutschland rund 84.000 mit HIV infizierte Menschen, von denen gut 13.000 nichts von ihrer Erkrankung wissen.

HIV-Infektion heute kein Todesurteil mehr

Anwender der Selbsttests müssen allerdings beachten, dass diese erst zwölf nach einer möglichen Übertragung eine HIV-Infektion ausschließen können. Die Tests seien zudem sehr empfindlich und könnten auch ein positives Resultat anzeigen, wenn gar keine Infektion vorliegt. Sollte der Test ein positives Ergebnis bringen, empfiehlt die Deutsche AIDS-Hilfe, das Ergebnis durch einen weiteren Labortest überprüfen zu lassen. Das HI-Virus lässt sich nach einer Infektion nicht mehr aus dem Körper entfernen, durch Medikamente kann aber der Ausbruch einer AIDS-Erkrankung wirksam unterdrückt werden. Dadurch werden HIV-Kranke bei rechtzeitiger Behandlung heute im Schnitt fast genauso alt wie Nichtinfizierte.