home Gesundheit Influenza: Gesetzlich Versicherte haben 2018 verbindlichen Anspruch auf Vierfach-Grippeschutzimpfung

Influenza: Gesetzlich Versicherte haben 2018 verbindlichen Anspruch auf Vierfach-Grippeschutzimpfung

Bild: pixabay.com / dfuhlert

In der kommenden Grippesaison haben gesetzlich Versicherte erstmals einen verbindlichen Anspruch auf eine Vierfach-Grippeimpfung. Dies hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bereits im April dieses Jahres auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschlossen. Bislang hatte es keine verbindliche Regelung für die gesetzlichen Krankenkassen gegeben, ob ein Drei- oder Vierfach-Impfstoff zu verwenden ist, was im Winter 2017/18 für viel Verwirrung gesorgt hatte.

2017 mehr als 300.000 Influenza-Fälle

INFO-BOX:
Vierfach-Grippeimpfschutz 2018
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Die WHO empfiehlt für die Grippesaison 2018/19 folgende Zusammen-setzung des Vierfach-Grippeimpfstoffs:

Virustyp A:
- Michigan/45/2015 (H1N1) pdm 09-ähnlicher Stamm
- Singapore/INFIMH-16-0019/2016 (H3N2)-ähnlicher Stamm

Virustyp B:
- Colorado/06/2017-ähnlicher Stamm (Victoria-Linie)
- Phuket/3073/2013-ähnlicher Stamm (Yamagata-Linie)
In diesem Jahr sollen Versicherte, die zu den Risikogruppen zählen (Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranke, Schwangere und Mitarbeiter im Gesundheitswesen) einen Vierfach-Impfstoff erhalten, der je zwei Stämme der Virustypen A und B enthält (siehe auch Info-Box). Der G-BA stützt sich dabei auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sowie des Robert Koch-Instituts (RKI). Gerade der vergangene Winter war von einer schweren Grippewelle gekennzeichnet. Der Zufall wollte es, dass ausgerechnet ein Influenza B-Stamm aus der Yamagata-Linie (benannt nach dem Ort, an dem das Virus isoliert wurde) den Großteil der Infektionen verursachte, der in dem letztjährigen empfohlenen Dreifach-Impfstoff nicht enthalten war. Die Hoffnung, der enthaltene B-Stamm aus der Victoria-Linie werde aufgrund ähnlicher Merkmale eine Kreuz-Immunität gegen Yamagata erreichen, erfüllte sich ebenfalls nicht. Schlussendlich lag der Anteil der gegen die Yamagata-Viren geschützten Menschen dann bei gerade einmal einem Prozent.

Wie wichtig eine Impfung mit dem neuen Vierfach-Wirkstoff ist, betonte auch RKI-Präsident Lothar Wieler: „Mit keiner anderen Impfung lassen sich hierzulande mehr Leben retten.“ Im vergangenen Winter gab es mehr als 300.000 nachgewiesene Influenza-Fälle. Dies ist die höchste Zahl seit dem Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes 2001. Die Ärzte verzeichneten mehr als neun Millionen Untersuchungen von Patienten wegen grippeartiger Symptome. Ein Allheilmittel gegen eine Influenza-Epidemie ist allerdings auch eine Vierfach-Schutzimpfung nicht. So betonte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher, dass sich Viren während sie zirkulieren genetisch verändern können. Welche der Influenza-Untergruppen letztlich die Saison dominiere, lasse sich daher nicht vorhersagen. Somit sei es zwar „kein idealer Impfstoff“, doch man habe „derzeit keinen besseren“. Da er jedoch schon lange auf dem Markt sei, wisse man, dass er gut verträglich ist. Die Botschaft könne daher trotz allem nur lauten: „Impfen, impfen, impfen.“

Suboptimale Impfung besser als keine Impfung

Auch wenn die WHO mit ihrer Vorhersage der in dieser Saison am häufigsten auftretenden Influenzaviren falsch liegen und damit der Impfstoff nicht ideal zusammengesetzt sein sollte, beeinflusst selbst eine suboptimale Impfung den Verlauf einer Grippewelle positiv. Während viele Menschen bei einer Grippe hartnäckig an Symptomen wie Husten, Fieber oder Atembeschwerden leiden, gaben Teilnehmer an einer Studie aus dem Jahr 2014, die trotz Grippeschutzimpfung eine echte Influenza bekommen hatten an, weniger mit diesen Beschwerden gekämpft zu haben. Die Autoren schlossen daraus, dass sich Viren möglicherweise unter dem Eindruck der Impfung nicht ganz so heftig vermehren. Gleichzeitig warnten sie aber auch zur Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse. Denkbar sei ebenso, dass Menschen, die sich für eine Impfung entschieden hatten, Grippesymptome anschließend anders wahrnehmen, wenn sie die Krankheit trotzdem trifft.