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Karl-Valentin-Orden: Sänger Andreas Gabalier schlägt gegen Kritiker zurück

Bild: wikimedia.org / Manfred Werner - Tsui / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Verleihung des diesjährigen Karl-Valentin-Ordens an den österreichischen Sänger Andreas Gabalier am kommenden Samstag in München hat für reichlich Wirbel gesorgt. Während sich seine aktuelle CD bereits 34 Wochen in den deutschen Charts hält und seine Fans bereit sind, rund 150 Euro für ein Konzert ihres Idols in der Berliner Waldbühne auszugeben, werfen ihm Kritiker Rechtspopulismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit vor. Nun hat sich Gabalier erstmals zu den Vorwürfen geäußert.

„Narrhalla“: Gabalier ist „Volkssänger 2.0“

INFO-BOX:
Karl-Valentin-Orden
Preisträger seit 1990
mehr dazu
1990: Aenne Burda
1991: Peter Weck
1992: Jürgen Möllemann
1993: Harald Juhnke
1994: Kurt Wilhelm
1995: Otto Schenk
1996: Edmund Stoiber
1997: Mario Adorf
1998: Senta Berger
1999: Christian Ude
2000: Roman Herzog
2001: Thomas Gottschalk
2002: Christiane Hörbiger
2003: Alfred Biolek
2004: Fritz Wepper
2005: Helmut Dietl
2006: Peter Jonas
2007: Iris Berben
2008: Günther Beckstein
2009: Hape Kerkeling
2010: Maria Furtwängler
2011: Michael Herbig
2012: V. + W. Klitschko
2013: Til Schweiger
2014: Horst Seehofer
2015: Heino
2016: M. Nemec + U. Wachtveitl
2017: Dieter Reiter
2018: Phillip Lahm
„Wenn sich ein paar Einzelne aufregen, die mich persönlich überhaupt nicht kennen, dann juckt mich das nicht“, sagte Gabalier gegenüber der „Bild“-Zeitung. Man habe ihm überdies gesagt, dass es bei allen Ordens-Vorgängern Wirbel gegeben habe, da manche Kritiker meinten, gewisse Preisträger verdienten diesen Orden nicht, so der selbsternannte „Volks-Rock’n‘Roller“ weiter. Auf die erhobenen Vorwürfe ging der Sänger nicht im Detail ein, mutmaßte jedoch, dass er einigen „zu bodenständig“ sei und forderte mehr gegenseitigen Respekt, der in „unserer Gesellschaft immer mehr den Bach runter“ geht. Von Neidern werde ich sich seine Erfolgsgeschichte nicht kaputt machen lassen und stattdessen den Preis „in Lederhose und Smoking-Jackett mit Stolz entgegennehmen“.

Der Karl-Valentin-Orden, benannt nach dem berühmten Komiker Karl Valentin, wird von der Münchner Faschingsgesellschaft „Narrhalla“ jährlich seit 1973 verliehen. Die Wahl Gabaliers hatte die Gesellschaft mit den Worten verteidigt, dass Valentin sich zeitlebens als Volkssänger betrachtet habe und Gabalier ein „Volkssänger 2.0“ sei. Texte von Künstlern seien vielseitig auslegbar, man könne jedoch „negative und oberflächliche Interpretationen weder nachvollziehen noch bestätigen“. Ganz anders sieht dies beispielsweise die Direktorin des „Karl-Valentin-Musäums“ in München, Sabine Rinberger: „Die Narrhalla missbraucht einen großen Künstler“, so Rinberger gegenüber „Spiegel Online“. Sie distanziere sich von der gesellschaftspolitischen Haltung Gabaliers, die eindeutig homophob, rechtspopulistisch und frauenfeindlich sei. Hier sei ihre Toleranz am Ende, sagte Rinberger.

Auf das Cover einer Gabalier-CD aus dem Jahr 2011, auf dem der Sänger in einer Pose zu sehen ist, die Kritiker als Hakenkreuz deuten, spielt Rechtsanwalt Gunter Fette an, der den Nachlass des Komikers im Auftrag der Familie verwaltet. Es sei „nicht hinzunehmen, dass Gabalier mit seinem offenkundigen Spiel mit faschistischen Symbolen wie dem nachgestellten Hakenkreuz auf dem CD-Cover, seiner Frauenfeindlichkeit und seiner Homophobie mit dem Namen Karl Valentins in Verbindung gebracht wird. Als bekannt wurde, dass Gabalier den Orden bekommt, ist uns allen der Kragen geplatzt“, so der Anwalt.

Gabalier 2015 bei Amadeus-Preisverleihung ausgebuht

Schon in der Vergangenheit hatte der 34-Jährigen Österreicher mit umstrittenen Auftritten und Aussagen für Aufsehen gesorgt. So sang er 2014 die alte Version der österreichischen Nationalhymne, in der nur von „großen Söhnen“ des Landes, aber nicht von dessen Töchtern die Rede ist. Ein Jahr später sagte Gabalier beim „Amadeus Award“, dass man es nicht leicht auf dieser Welt habe, wenn man „als Manderl noch auf ein Weiberl steht“. Eine Aussage, für die er vom anwesenden Publikum ausgebuht wurde. Ungeachtet aller Vorwürfe will die „Narrhalla“ an der Verleihung des Ordens an Gabalier festhalten. Die Veranstaltung werde wie geplant stattfinden, teilte die Faschingsgesellschaft am Mittwoch mit.