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Online-Votum: Chipsletten von Lorenz sind „Mogelpackung des Jahres“ 2018

Bild: vzhh.de / Verbraucherzentrale Hamburg

Nie war das Votum so eindeutig wie dieses Mal: Die Chipsletten von Lorenz sind die „Mogelpackung des Jahres 2018“. Fast 60 Prozent der bei einer Online-Wahl der Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) abgegebenen Stimmen entfielen auf dieses Produkt. „Ein Denkzettel, den Hersteller Lorenz völlig zu Recht bekommen hat. Der versteckte Preisanstieg bei den Chipsletten ist besonders krass, dreist umgesetzt und nicht der erste dieser Art“, stellte Verbraucherschützer Armin Valet fest.

Chipsletten: Weniger Inhalt, dafür mehr Müll

Der Hersteller hatte den Inhalt der Verpackung im vergangenen Jahr von 170 auf nur noch 100 Gramm gesenkt, den Preis jedoch beibehalten. Dies entspricht somit einer versteckten Preiserhöhung von 70 Prozent. Außerdem sei die neue Pappdose der Chipsletten kaum kleiner als die alte, enthalte nun aber einen sogenannten Servier-Tray sowie eine zusätzliche Frischefolie. Damit erhielten die Verbraucher nun „weniger Chips, aber bezogen auf den Inhalt mehr Müll für ihr Geld“, so Valet. Auch seien die Chipsletten bei Lorenz kein Einzelfall. So habe der Hersteller in den vergangenen Jahren auch bei seinen Produkten Crunchips, Saltletts Brezeln, Naturals Chips und Erdnusslocken durch geringere Füllmengen versteckt die Preise erhöht.

Die Mogelpackungen des Jahres 2018 © vzhh.de / Verbraucherzentrale Hamburg

INFO-BOX:
Mogelpackung
des Jahres
mehr dazu
2014: Pampers Windeln von Procter & Gamble
2015: Bebe Zartcreme von Johnson & Johnson
2016: Evian Wasser von Danone Waters
2017: Vitalis Früchtemüsli von Dr. Oetker
Fast 40.000 Teilnehmer hatten sich an der inzwischen fünften Ausgabe der Wahl zur „Mogelpackung des Jahres“ beteiligt. Auf dem zweiten Platz landete mit 17,6 Prozent die „Truthahnsalami Light 1A“ von Dulano aus dem Hause Lidl. Diese enthält nicht weniger Fett als die „normale“ Truthahnsalami des Herstellers, die Verpackung suggeriert dies jedoch. Außerdem ist der „Light“-Aufschnitt um 33 Prozent teurer. Platz 3 belegte der „Mini Babybel“ von Bel mit 10,1 Prozent der Stimmen, bei dem sich im neuen Netz nur noch fünf statt früher sechs Mini-Käse befinden, was einer Preiserhöhung von bis zu 20 Prozent entspricht. Auf Platz 4 kamen mit 8,7 Prozent die Smarties von Nestlé, deren „Riesenrolle“ bereits zum zweiten Mal mit 20 Gramm weniger Schokolinsen befüllt wurde. Bei gleichem Preis haben sich die Smarties dadurch innerhalb von vier Jahren um 30 Prozent verteuert. Auf noch 4,8 Prozent der abgegebenen Stimmen brachte es das „Obstwiese Rheinisches Apfelkraut“ von Grafschafter. Der frühere „Apfelschmaus“ wird jetzt in einem kleineren Glas verkauft, was einer Preissteigerung von 41 Prozent entspricht.

Mehr als 2.000 Beschwerden pro Jahr über Mogelpackungen

Die Hersteller verweisen nach Angaben der Verbraucherschützer zufolge auf eine nötige Vereinheitlichung der Produkte, höhere Produktionskosten und Wünsche der Verbraucher nach kleineren Verpackungsgrößen. Angaben zu geringeren Füllmengen auf den Etiketten gebe es jedoch nicht. Die Hersteller versuchten im Gegenteil „ihre Tricksereien clever zu kaschieren“. Fast 2.000 Beschwerden über Mogelpackungen gingen 2018 bei der Verbraucherzentrale Hamburg ein. Rein rechtlich können die Verbraucherschützer gegen diese Tricks aber kaum etwas unternehmen. Während die Hersteller die Füllmenge reduzieren, legen die Händler nach dem Kartellrecht die Preise fest. „Am Ende waschen beide ihre Hände in Unschuld und der Verbraucher zahlt die Zeche“.