home Politik, Reise Nach Abstürzen: Bundesverkehrsminister Scheuer sperrt deutschen Luftraum für Boeing 737 Max 8-Flugzeuge

Nach Abstürzen: Bundesverkehrsminister Scheuer sperrt deutschen Luftraum für Boeing 737 Max 8-Flugzeuge

Bild: boeing.com / Boeing / Craig Larsen photo

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien wird der deutsche Luftraum für Flugzeuge dieses Typs gesperrt. Dies gab Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gegenüber dem Fernsehsender „n-tv“ bekannt: „Sicherheit geht absolut vor. Bis alle Zweifel ausgeräumt sind, habe ich veranlasst, dass der deutsche Luftraum für die Boeing 737 Max 8 ab sofort gesperrt wird.“ Zuvor hatten bereits weitere Staaten den Maschinen des US-Herstellers Starts und Landungen untersagt, darunter Australien, Großbritannien und China.

Boeing will MCAS-Software aktualisieren

INFO-BOX:
Boeing 737 Max 8
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Die Boeing 737 Max 8 ist eine Weiterentwicklung des seit Mitte der 1960er-Jahre gebauten Mittelstreckenjets 737. Dieser ist nicht nur das meistproduzierte Flugzeug der Welt, sondern gilt auch als extrem zuverlässig. Bei den Max-Versionen baute Boeing sparsamere, aber auch zugleich größere Triebwerke ein. Diese ragen weiter als bei anderen Versionen nach vorn und erschweren den Piloten in bestimmten Fluglagen die Kontrolle über die Maschine. Daher wurde erstmals die neue Steuerungssoftware MCAS verbaut, die nun stärker in das Geschehen eingreift als die Software bei älteren Maschinen.
Auch der weltgrößte Reisekonzern TUI zog daraufhin nach und stoppte alle Flüge mit dem umstrittenen Flugzeugtyp. Der Schritt umfasse alle Fluggesellschaften des Konzerns, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Zur TUI-Flotte gehören aktuell 15 Maschinen dieses Typs, die in den Benelux-Staaten sowie in Großbritannien im Einsatz sind. Bei der deutschen Tochter TUIfly ist die Einführung für Mitte April dieses Jahres geplant. Die europäische Luftaufsicht EASA hat für den heutigen Abend eine Bewertung der Situation in Aussicht gestellt. Gleichzeitig widersprach die Behörde jedoch Gerüchten, dass man den kompletten europäischen Luftraum für Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max 8 sperren könnte.

Beim Absturz der Ethiopian Airlines-Maschine sowie eines Flugzeugs der indonesischen Lion Air im Oktober vergangenen Jahres waren innerhalb von nur rund vier Monaten mehr als 350 Menschen ums Leben gekommen. Die chinesische Luftfahrtbehörde CAAC teilte man, dass man bei beiden Unglücken „gewisse Ähnlichkeiten“ ausgemacht habe. Beide Maschinen des Typs Boeing 737 Max 8 waren bei guten Wetterverhältnissen kurz nach dem Start abgestürzt. Ein möglicherweise ähnlicher Fehler in der Elektronik kann bislang nicht ausgeschlossen werden.

In der Kritik steht dabei vor allem das sogenannte „Maneuvering Characteristics Augmentation System“ (MCAS), das bei einem drohenden Strömungsabriss automatisch die Fluglage korrigieren soll. Boeing kündigte an, die Software des Systems zu aktualisieren und das Training der Crews sowie die entsprechenden Handbücher anzupassen. Nach dem bisherigen Kenntnisstand habe man ansonsten aber keine Veranlassung, neue Anweisungen an die Betreiber der bisher ausgelieferten Maschinen dieses Flugzeugtyps herauszugeben, teilte das Unternehmen mit.

Unfallforscher sieht Parallelen bei den Abstürzen

Ein Flugverbot halten auch die US-Behörden für überzogen. Die amerikanische Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA bescheinigte der Boeing 737 Max 8 trotz der Abstürze die Flugtauglichkeit. Für Änderungen wie beispielsweise die Aktualisierung der MCAS-Software setzte man dem Unternehmen aber eine Frist bis Ende April. Dem ehemaligen Chef der US-Transportbehörde NTSB, Jim Hall, geht dieser Schritt nicht weit genug: „Ich denke, Boeing sollte die Flugzeuge freiwillig am Boden lassen und zeigen, dass Sicherheit an erster Stelle steht – auch mit Blick auf die Zukunft dieses Flugzeugs.“

Die These „Safety first“ unterstützt auch Jan-Arwed Richter vom Hamburger Flugsicherheitsbüro Jacdec. In erster Linie gehe es nun darum, schnellstens genaue Erkenntnisse darüber zu bekommen, ob es an der Technik gelegen habe, so der Unfallforscher gegenüber „Focus Online“. Der Pilot der abgestürzten Ethiopian Airlines-Boeing meldete in einem seiner letzten Funksprüche Probleme mit der Fluggeschwindigkeit – dies dränge vom Muster her Parallelen zum Lion Air-Flug auf, sagte der Experte.

Update 12.03.2019, 22:00 Uhr:

Wie die EASA soeben bekanntgab, wird der komplette europäische Luftraum für Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max 8 und Max 9 bis auf weiteres gesperrt.