home Panorama, Sport „Operation Aderlass“: Ermittler nehmen 5 Langläufer bei WM in Seefeld wegen Dopingverdachts fest

„Operation Aderlass“: Ermittler nehmen 5 Langläufer bei WM in Seefeld wegen Dopingverdachts fest

Bild: gepa-pictures.com / Gepa Pictures / Seefeld 2019

Das österreichische Bundeskriminalamt hat bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld im Rahmen einer Doping-Razzia unter dem Namen „Operation Aderlass“ insgesamt neun Personen festgenommen. Darunter befinden sich fünf Sportler. Wie das Bundeskriminalamt (BKA) in einer Mitteilung verlauten ließ, handelt es sich bei den verhafteten Athleten um zwei Österreicher, einen Kasachen und zwei Esten.

„Weltweit agierendes Doping-Netzwerk zerschlagen“

INFO-BOX:
Blutdoping
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Blutdoping ist eine Methode zur künstlichen Erhöhung der Hämoglobin-konzentration im Blut eines Sportlers durch die Transfusion von Blutkonserven. Diese erhalten eine erhöhte Konzentration von roten Blutkörperchen und verbessern so die Sauerstoffaufnahme sowie die Sauerstoff-transportfähigkeit des Blutes, was dem Sportler eine Steigerung seiner Ausdauerleistung ermöglicht. Blutdoping steht seit 1988 auf der Verbotsliste des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und der World Anti-Doping Agency (WADA).
Bei der Aktion habe man sogar einen Sportler auf frischer Tat ertappt, sagte Dieter Csefan vom BKA auf einer Pressekonferenz in Innsbruck. Demnach wurde der Sportler mit einer Bluttransfusion im Arm angetroffen und sofort festgenommen. Um welchen der inhaftierten Sportler es sich dabei handelte, wollte Csefan nicht mitteilen. Es sei jedoch gelungen, ein „weltweit agierendes Doping-Netzwerk zu zerschlagen“. Wie der TV-Sender Eurosport berichtete, handelt es sich bei den österreichischen Spitzensportlern um die Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke. Nach Angaben des Deutschen Skiverbandes ist das deutsche Team nicht von der Razzia betroffen. Wie ein DSV-Sprecher gegenüber der Deutschen Presseagentur mitteilte, gibt es weder Untersuchungen gegen deutsche Sportler, noch gegen Mannschaftsärzte oder das Umfeld des Teams.

Neben den Athleten wurde nach Angaben des österreichischen Bundeskriminalamts auch ein deutscher Sportmediziner aus Erfurt sowie ein mutmaßlicher Komplize festgenommen. Die Gruppierung um den Sportmediziner, der früher im Radsport bei den Teams Gerolsteiner und Milram aktiv gewesen sein soll, wird verdächtigt, sei Jahren Blutdoping bei Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistungen bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern. Nach Angaben des BKA liefen die Ermittlungen bereits seit mehreren Monaten, der Vorwurf lautet auf Versdacht des gewerbsmäßigen Sportbetruges sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken. Die Razzia war rund zwei Stunden vor dem Start der WM-Entscheidung im 15 Kilometer Skilanglauf der Herren bekannt geworden. Wie die Staatsanwaltschaft München bestätigte, lösten die Angaben des österreichischen Skilangläufers Johannes Dürr in der Mitte Januar ausgestrahlten ARD-Dokumentation „Die Gier nach Gold – Der Weg in die Dopingfalle“ die Ermittlungen aus.

Doping-Experte Seppelt: Wohl nicht nur Ausländer betroffen

Dürr hatte darin umfassend über seinen jahrelangen Betrug ausgepackt und berichtet, dass er beim EPO-Missbrauch auch Hilfe von Verbandsvertretern bekommen habe. 2014 wurde er in bei den Olympischen Spielen in Sotschi positiv auf EPO getestet und für zwei Jahre gesperrt.

ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt, der auch einer der Autoren der Dokumentation ist, sagte gegenüber dem TV-Sender Sky: „Der heutige Tag zeigt sehr deutlich, dass wir von einem strukturellem Doping-Problem im Wintersport ausgehen müssen. Es gibt Sportler, die aus dem Ausland kommen und sich in Deutschland dopen lassen. Aber die Frage liegt auf der Hand: Warum sollen deutsche Ärzte nur Ausländer dopen? Das ist doch befremdlich.“