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Nach jahrelangem Besucherschwund: Computermesse CEBIT wird eingestellt

Bild: messe.de / Deutsche Messe

Den Hightech-Standort Deutschland ereilt heute ein großer Rückschlag. Wie die Deutsche Messe AG mitteilte, wird die einst weltgrößte Computer- und IT-Messe CEBIT in Hannover eingestellt. Schon die bereits für den kommenden Sommer angekündigte „CEBIT 2019“ wird nicht mehr stattfinden. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte entsprechende Berichte. Zurzeit würden die Mitarbeiter in einer Mitarbeiterversammlung über den Schritt unterrichtet. Zuletzt hatten die Organisatoren versucht, die CEBIT als „Europas führendes Digital-Event“ neu zu positionieren. Doch auch dieser Versuch brachte nichts: kamen 2017 noch 200.000 Besucher auf das Messegelände, waren es 2018 nur noch 120.000. Zu ihren besten Zeiten rund um die Jahrtausendwende besuchten mehr als 800.000 Menschen die CEBIT.

CEBIT 2019 drohten massive Verluste

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Die CEBIT feierte als eigenständige Messe am 12. März 1986 mit 2.142 Austellern und 200.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Premiere. In den folgenden Jahren wuchs die Messe stetig. Im Jahr 2000 kamen auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie mehr als 7.800 Aussteller und 750.000 Besucher auf das Messegelände in Hannover. Seit dem Platzen der Internet-Blase 2001 kämpfte die Messe aber mit schrumpfendem Aussteller- und Besucherinteresse. 2010 kamen dabei erstmals weniger Besucher als im Premierenjahr.
Mit einer Neuausrichtung hatten die Veranstalter in diesem Jahr versucht, dem jahrelangen Besucherschwund entgegenzuwirken. Fand die Messe bis 2017 stets im Frühjahr statt, wurde sie 2018 in den Sommer verlegt und erhielt einen Festival-Charakter mit Attraktionen und Konzerten. Dieses Konzept wurde auch von großen Messe-Kunden wie Hewlett-Packard, Salesforce oder Vodafone unterstützt. Nach den erneut „deutlichen Fachbesucherrückgang“ wollten nun aber nach Angaben der „Hannoverschen Allgemeine Zeitung“ große Aussteller in Zukunft weniger investieren, was der Messe wohl am Ende das Genick brach. Das Ende der CEBIT hat auch personelle Konsequenzen. So wird Deutsche Messe-Vorstand und CEBIT-Chef Oliver Frese zum Jahresende aus dem Unternehmen ausscheiden.

In einer Mitteilung schrieb der Vorstand der Deutschen Messe AG, für die nun abgesagte CEBIT-Auflage 2019 sei mit massiven Verlusten zu rechnen gewesen. So habe man bisher nur 6.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche vermieten können. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres war die Fläche schon mehr als dreimal so groß. Eine Verbesserung dieser Situation sei auch auf langfristige Sicht nicht zu erwarten gewesen. Zur thematischen Ausrichtung sagte Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG: „Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren immer wieder über die thematische Überschneidung von Hannover Messe und CEBIT diskutiert. Wir werden daher die Themen überführen, die inhaltlich zur klaren Ausrichtung der Hannover Messe passen. Für die übrigen Themenfelder der CEBIT sollen inhaltlich spitze Fachveranstaltungen entwickelt werden, die sich gezielt an Entscheider ausgewählter Branchen richten.“

„Schlag ins Kontor für den Messestandort Hannover“

In einer ersten Reaktion drückte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann seinen Respekt und sein Bedauern über das Ende der CEBIT aus. Auch der Branchenverband Bitkom bedauerte die Einstellung der CEBIT als eigenständige Messe, zu der 1995 noch Microsoft-Gründer Bill Gates persönlich erschienen war, um das damals neu auf den Markt gekommene Betriebssystem „Windows 95“ vorzustellen. Gar als „Schlag ins Kontor für den Messestandort Hannover und damit den gesamten Wirtschaftsstandort Niedersachsen“ bezeichnet Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von Niedersachsenmetall, den heutigen Entschluss. „Die CEBIT war für drei Jahrzehnte ein echtes Aushängeschild und hat maßgeblich zum Renommee der gesamten deutschen Informations- und Kommunikations-Wirtschaft beigetragen.“