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Amazon stellt Verkauf seiner Dash-Buttons weltweit ein

Bild: amazon-presse.de / Amazon

Der Versandriese Amazon stellt den Verkauf seiner „Dash“-Buttons mit sofortiger Wirkung weltweit ein. Dies gab das Unternehmen heute bekannt. Statt der Hardware-Knöpfe zum schnellen Nachbestellen von Alltagsartikeln will sich der Online-Händler zukünftig auf verwandte digitale Dienste konzentrieren. Dazu gehören unter anderem virtuelle Dash-Buttons, die sich Kunden auf der Amazon-Homepage oder in der Amazon App einrichten können. Kunden, die bereits einen Dash-Button zu Hause haben, können diesen allerdings auch weiterhin nutzen, sagte Amazon-Manager Tim Freystedt.

Gericht: Dash-Buttons verstoßen gegen Gesetze zum Onlinehandel

INFO-BOX:
Button-Lösung
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Die sogenannte „Button-Lösung“ wurde vom deutschen Gesetzgeber 2012 eingeführt und soll die Transparenz im Onlinehandel erhöhen. Das Gesetz regelt, welche Informationen ein Anbieter für den Verbraucher unmittelbar vor Abgabe einer kostenpflichtigen Bestellung in welcher Form bereithalten muss. Der Verbraucher soll dadurch sicher erkennen können, wann ein Klick Geld kostet. Mit der Reform des Verbraucherschutzrechts 2014 findet sich die Button-Lösung nunmehr in § 312j BGB geregelt.
Die Dash-Buttons waren in sieben Ländern erhältlich: Neben Deutschland wurden sie auch in den USA, Japan, Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich vertrieben. In den USA hatte Amazon die Dash-Buttons schon 2015 eingeführt, Deutschland folgte 2016. Für Deutschland hat die heutige Entscheidung eine besondere Brisanz: Im Januar hatte Amazon vor dem Oberlandesgericht (OLG) München in zweiter Instanz einen Rechtsstreit mit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen um die Bestellknöpfe verloren. Die Richter entschieden damals, dass das Unternehmen gegen Gesetze zum Onlinehandel verstoße, weil beim Einkauf klaren Informationen zu Inhalt, Preis und dem Auslösen einer zahlungspflichtigen Bestellung fehlten.

Nach Auskunft von Amazon-Manager Freystedt soll das Münchner Urteil aber keine Rolle bei der heutigen Entscheidung gespielt haben. Vielmehr sei es so, dass die Kunden inzwischen vermehrt Alternativangebote zum Nachordern nutzen. Dazu verfügt über Amazon beispielsweise über den „Dash Replenishment Service“, dem bei vernetzte Hausgeräte automatisch benötigte Verbrauchsmittel nachbestellen. Zudem lassen sich Artikel auch über Amazons „Echo“-Geräte mittels der Sprach-Assistentin Alexa nachbestellen. Den juristischen Streit um die Dash-Buttons will Amazon trotz des weltweiten Verkaufsstopps aber weiter ausfechten. „Wir werden nach wie vor gegen die Entscheidung des OLG Rechtsmittel einlegen, weil wir sie für innovationsfeindlich und falsch halten“, sagte Freystedt. Das positive Feedback der Kunden bestärke das Unternehmen darin. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ihrerseits hatte seinerzeit jedoch auch auf Beschwerden von Verbrauchern als Auslöser für ihre Klage verwiesen.

Zuletzt Dash-Buttons für mehr als 70 Artikel erhältlich

Die Bestellknöpfe waren zuletzt für mehr als 70 Artikel des täglichen Gebrauchs erhältlich, darunter für Waschmittel, Windeln, Kaffee oder Kosmetik. Bei der Bestellung eines Dash-Buttons zahlte der Kunde 4,99 Euro, die mit der ersten Bestellung über den Kopf wieder gutgeschrieben wurden. Der Dash-Button sei von Anfang nur als Einstiegsgerät für das vernetzte Zuhause geplant gewesen, sagte Amazon-Manager Daniel Rausch dem Technologie-Blog „CNET“. Man sei nie davon ausgegangen, dass die Verbraucher irgendwann „500 Knöpfe“ zu Hause haben würden. Vielmehr habe man sich eine Zukunft vorgestellt, in der sich ein Haushalt um sich selbst kümmern kann – inklusive der Nachbestellung von Alltagsartikeln, um die sich Kunden bevorzugt keine Gedanken machen.