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Bundesbank: Bis heute mehr als 12,5 Milliarden D-Mark nicht umgetauscht

Bild: pixabay.com / wilhei

Auch rund 17 Jahre nach der Einführung des Euro-Bargeldes scheint der Abschied von Mark und Pfennig vielen Deutschen schwer zu fallen. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank waren Ende November noch Scheine und Münzen im Gesamtwert von 12,55 Milliarden nicht umgetauscht. Davon entfielen 5,88 Milliarden auf Banknoten und 6,67 Milliarden auf Münzen. In Stückzahlen entspricht dies ungefähr 166 Millionen Banknoten und 23 Milliarden Münzen. Der größte Teil der Bestände wurde allerdings bereits bei der Einführung des Euro Anfang 2002 eingetauscht.

D-Mark für viele Deutsche ein „Symbol der Freiheit“

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Die D-Mark wurde im Juni 1948 zunächst in den drei westlichen Besatzungszonen und drei Tage später auch in den Westsektoren Berlins durch die Währungsreform als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt. Mit Inkrafttreten der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion löste sie am 1. Juli 1990 die Mark der DDR ab. Sie blieb bis zur Errichtung der Europäischen Wirtschafs- und Währungsunion gesetzliches Zahlungsmittel und wurde am 1. Januar 1999 als Buchgeld und am 1. Januar 2002 als Bargeld durch den Euro ersetzt.
Anders als in vielen Euro-Ländern können alte D-Mark-Schätze hierzulande unbegrenzt bei der Bundesbank umgetauscht werden. Deren Angaben zufolge sind dies pro Jahr rund 70 bis 100 Millionen D-Mark. Dabei ersetzt die Bank auch kaputte D-Mark-Scheine, wenn mehr als 50 Prozent der Banknote vorhanden sind, sagte Vorstand Johannes Beermann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. So wurden auf dem Dachboden eines Hauses in Südbaden Geldscheinschnipsel im Gesamtwert von rund 50.000 D-Mark in einer Kiste entdeckt. Mäuse hatten die Banknoten zernagt und damit ihre Nester gebaut. Auch diese Scheine konnten gerettet werden. Aber auch der Zufall kann seine Hand im Spiel haben: So vergrub ein Hund die Geldbörse seines Besitzers im Garten und vergaß seine Beute. Erst Jahre später buddelte ein neuer Hund den Schatz zur Freude seines Besitzers wieder aus.

Dass immer noch so hohe D-Mark-Bestände im Umlauf sind, begründet Bundesbank-Vorstand Beermann mit der hohen geschichtlichen Bedeutung der Währung für die Bundesbürger in Ost und West. „Die D-Mark ist das Symbol für den Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.“ Und für die Menschen in Ostdeutschland sei sie ab dem Wendeherbst 1989 „ein Symbol der Freiheit“ gewesen. Noch vor der politischen Vereinigung hatte die D-Mark ab dem 1. Juli 1990 die DDR-Mark ersetzt – mit einem Umtausch-Kurs von 1:1. Ein großer Teil der noch vorhandenen D-Mark-Reserven dürfte Schätzungen zufolge im Ausland lagern, da sie gerade im Ausland eine Wertaufbewahrungsfunktion besitze. Und selbst gefälschte Scheine tauchen heutzutage noch auf. Beermann berichtet von einem Paket aus England, das 20.000 D-Mark enthielt und dessen Absender auf Umtausch hoffte. Die Experten der Bundesbank identifizierten jedoch nur einen einzigen Fünf-Mark-Schein als echt. Somit dürfte die erzielte Summe noch nicht einmal für das Porto gereicht haben.

Bis zu 70.000 D-Mark monatlich in C&A-Filialen

Obwohl die alten Scheine und Münzen seit geraumer Zeit kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr sind, sind sie doch noch nicht vollständig aus dem Alltag verschwunden. Seit Anfang November legt die Modekette C&A beispielsweise wieder eine alte Aktion auf, bei der Kunden ihre Einkäufe auch in D-Mark bezahlen können. Einem Sprecher zufolge gehen so bundesweit monatlich zwischen 15.000 und 70.000 D-Mark in den Filialen ein. Und auch im baden-württembergischen Gaiberg können Nostalgiker nach einer Idee des örtlichen Gewerbevereins mit der alten Währung einkaufen oder essen gehen – allerdings nur im Mai bei den seit 15 Jahren alljährlich stattfindenden „D-Mark-Wochen“.