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Chinesischer Investor Fosun will deutsches Modeunternehmen Tom Tailor übernehmen

Bild: tom-tailor-group.com / Tom Tailor/Sabine Skiba

Die in Schieflage geratene Bekleidungskette Tom Tailor soll komplett chinesisch werden. Der Großaktionär Fosun will das Hamburger Unternehmen zu einer Bewertung von rund 96 Millionen Euro komplett übernehmen. Dies teilte Tom Tailor am heutigen Dienstag mit. Die Aktionäre sollen dabei mindestens 2,26 Euro je Wertpapier erhalten. Die Fosun-Offerte liegt damit etwa fünf Prozent über dem Xetra-Schlusskurs des Vorabends, bei dem die Aktien von Tom Tailor mit einem Minus von 1,8 Prozent bei 2,16 Euro aus dem Handel gegangen waren.

Aktie verliert mehr als 80 Prozent innerhalb eines Jahres

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Tom Tailor wurde 1962 in Hamburg gegründet. Zunächst fokussierte man sich auf den Import von Frotteetüchern und Cordhosen, später wurde das Sortiment um Hemden und Unterwäsche erweitert. Die erste Sportswear-Kollektion unter dem Namen Tom Tailor kam 1979 auf den Markt. Weltweit ist die Marke Tom Tailor in 35 Ländern und an rund 10.000 Verkaufsorten vertreten.
Bereits kurz vor der Ankündigung eines Übernahmeangebots hatte Tom Tailor bekanntgegeben, dass Fosun seinen Anteil über die Ausgabe neuer Aktien von bisher rund 29 auf nun 35 Prozent erhöht hatte. Dafür mussten die Chinesen, die seit 2014 an Tom Tailor beteiligt sind, rund neun Millionen Euro auf den Tisch legen. Sollten nun im Rahmen der Übernahmeofferte alle Aktionäre ihre Anteile anbieten, müsste Fosun nochmals rund 60 Millionen Euro aufbringen. Bei den Anlegern kam das Übernahmeangebot gut an, die Papiere schnellten um zwölf Prozent auf 2,41 Euro in die Höhe. Zum Vergleich: Vor einem Jahr war eine Aktie des Unternehmens noch rund zwölf Euro wert.

Tom Tailor steht wie viele seiner Wettbewerber seit Jahren unter Druck und schreibt regelmäßig hohe Verluste. Ein wichtiger Grund für die Misere ist die Übernahme der schwächelnden Modekette Bonita, aber auch der zunehmende Konkurrenzkampf mit dem Onlinehandel. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Modeunternehmen und Filialisten wie Esprit, Escada, Strenesse oder Zero in die Krise geschlittert. Der einst ebenfalls expansionsfreudige Damenmodekonzern Gerry Weber musste vor kurzem sogar Insolvenz anmelden. Die nun durch die Kapitalerhöhung zunächst geflossenen neun Millionen Euro kann Tom Tailor daher gut gebrauchen. Diese will das Unternehmen zur Stärkung des Eigenkapitals und für die Restrukturierungsmaßnahmen bei Bonita verwenden.

Marke Bonita soll möglicherweise verkauft werden

Bonita wurde 2012 von Tom Tailor übernommen und ist auf Mode für Frauen ab 50 spezialisiert. Das Unternehmen verliert fortlaufend Umsatz und überdeckt so Sanierungserfolge bei Tom Tailor, die der seit 2016 amtierende Vorstandvorsitzende Heiko Schäfer durchgeführt hat. So wurde das Filialnetz von Tom Tailor kräftig zusammengestrichen und die Online-Aktivitäten verstärkt, wo das Unternehmen bis dato deutlich im Hintertreffen lag. Für Bonita sieht es indes düster aus. Das Management hat angekündigt, alle Optionen für die Marke zu prüfen. Branchenexperten gehen davon aus, dass dies nichts anderes bedeutet, als dass Bonita abgestoßen werden soll. Ein Plan, der sicher auch Investor Fosun, einem Industrie- und Handelskonglomerat in Privatbesitz mit Zentrale in Hongkong, gefallen dürfte.