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Investorensuche gescheitert: Insolvente Fluggesellschaft Germania wird abgewickelt

Bild: flygermania.com / Germania/Karsten Kießling

Die Rettung der insolventen Fluggesellschaft Germania ist endgültig gescheitert. Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg heute mitteilte, seien alle seriösen Bieter abgesprungen. Damit ist eine Stilllegung nicht mehr abzuwenden. Alle rund 1.700 Mitarbeiter erhalten nun in den nächsten Tagen die Kündigung und werden zudem zusätzlich Anfang April freigestellt.

Flugverbot für Boeing 737 Max hat Situation verschärft

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Die Germania Fluggesellschaft mbH ging 1986 aus der Kölner Fluggesellschaft SAT (Special Air Transport) hervor. 1992 wurde der technische und operative Firmensitz nach Berlin verlegt. Nach eigenen Angaben beförderte die Airline zuletzt jährlich mehr als vier Millionen Passagiere zu mehr als 60 Zielen in Europa, Nordafrika sowie dem Mittleren und Nahen Osten.
Germania hatte Anfang Februar Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb eingestellt. Der Knackpunkt bei allen interessierten Investoren sei der enge Zeitrahmen gewesen, innerhalb dessen man eine Lösung hätte finden müssen. Das Insolvenzgeld wird nur bis zum 31. März gezahlt, so Insolvenzverwalter Wienberg. Germania selbst fehlen aber für eine Fortführung des Geschäftsbetriebs aus eigener Kraft die Mittel. „Weniger als zwei Monate sind für die Investoren sehr wenig, um eine Übernahme zu planen, durchzurechnen und darüber zu entscheiden“, so Wienberg. Hinzu komme für jeden Investor das zusätzliche Problem, in diesem Zeitraum die für eine Übernahme und Wiederaufnahme des Flugbetriebes notwendige Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Die bevorstehende Sommersaison und die Tatsache, dass in der Branche dringend Flugzeugkapazitäten benötigt würden, hätten die Investorensuche zusätzlich erschwert. So sei es aufgrund der Insolvenz für Germania beinahe unmöglich gewesen, von den Leasinggebern weiterhin Flugzeuge zur Verfügung gestellt zu bekommen. Zuletzt hatte die Fluggesellschaft, die hauptsächlich Reiseziele im Mittelmeerraum anflog, rund 30 Maschinen geleast. Eigene Flugzeuge besaß das Unternehmen nicht. Und auch die Boeing-Krise hat ihren Anteil an der Situation: „Das Flugverbot für die 737 Max hat die Situation zuletzt nochmal deutlich verschärft, weil dadurch Flugzeuge noch knapper wurden“, sagte Wienberg. Nach zwei Abstürzen mit rund 350 Toten dürfen weltweit keine Maschinen dieses Typs mehr fliegen.

Mitarbeiter sollen schnell neue Jobs finden

Für die Mitarbeiter hatte es bis zuletzt noch einen Hoffnungsschimmer gegeben, da es nach Angaben des Insolvenzverwalters sowohl für große Teile der Germania, als auch für den Bereich Wartung und Technik mehrere Interessenten gab. Diese Hoffnungen haben sich nun zerschlagen. Wienberg sieht jedoch gute Chancen, dass viele Mitarbeiter direkt eine neue Anstellung finden: „Der Arbeitsmarkt saugt derzeit noch viel auf.“ Zudem würden Piloten und Techniker händeringend gesucht. Mit dem Scheitern der Investorensuche geht bei Germania auch die Phase des vorläufigen Insolvenzverfahrens zu Ende. Über den Eröffnungstermin des eigentlichen Insolvenzverfahrens muss jetzt ein Gericht auf Grundlage eines Gutachtens des Insolvenzverwalters entscheiden.