home Auto, Wirtschaft Schwere Vorwürfe: Renault-Vorstandsvorsitzender Carlos Ghosn in Japan verhaftet

Schwere Vorwürfe: Renault-Vorstandsvorsitzender Carlos Ghosn in Japan verhaftet

Bild: renault.com / Renault / Luc Perenom

Der Chef des französischen Automobilkonzerns Renault, Carlos Ghosn, ist in Japan verhaftet worden. Dies berichten mehrere japanische Medien übereinstimmend. Ghosn wird vorgeworfen, gegen japanische Finanzmarktregeln verstoßen zu haben. Zuvor hatte Nissan bekannt gegeben, dass der Top-Manager jahrelang gegenüber den Behörden sein Einkommen deutlich zu niedrig angegeben haben soll. Zudem habe er Firmenvermögen veruntreut.

Nissan will Ghosn feuern

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Die Nissan Automobil AG wurde im Jahr 1933 in Yokohama gegründet. Das Unternehmen, in dem Datsun und Prince aufgegangen sind, ist heute der drittgrößte japanische Fahrzeughersteller nach Toyota und Honda. Nissan beschäftigt weltweit rund 153.000 Mitarbeiter. Seit 1999 hält Renault im Rahmen einer Partnerschaft 43,5 Prozent der Nissan-Aktien, seit 2010 befinden sich zudem 3,1 Prozent im Besitz von Daimler.
Die Vorwürfe stützen sich dabei offenbar auf umfangreiche Ermittlungen: So seinen Nissan-Mitarbeiter monatelang vertraulichen Hinweisen nachgegangen, nach denen Ghosn gegenüber der Tokioter Börse über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg rund fünf Milliarden Yen (rund 40 Millionen Euro) verschwiegen hat. Nach der Bekanntgabe der Verhaftung fiel die Renault-Aktie um etwa 12 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang 2015. Nissan sprach von einem ernsten Fehlverhalten des in Brasilien geborenen Managers und will ihn nun vor die Tür setzen – Vorstandschef Hiroto Saikawa werde dies dem Aufsichtsrat schnellstmöglich vorschlagen, teilte Nissan heute in Tokio mit. Gleichzeitig entschuldigte sich der Konzern bei den Aktionären für das Fehlverhalten. Ghosn ist gleichzeitig Vorstandschef bei Renault und Verwaltungsratsvorsitzender bei Nissan. Außerdem führt er die gemeinsame Allianz der beiden Autobauer.

Neben Ghosn soll ein weiterer Manager in die Unregelmäßigkeiten verstrickt sein. Die Ergebnisse der Nissan-internen Untersuchungen hätten neben den fehlerhaften Einkommensangaben auch Hinweise auf Veruntreuung von Firmeneigentum erbracht. Die japanischen Strafverfolgungsbehörden seien von Nissan unterrichtet worden, das Unternehmen kooperiere in vollem Umfang. Die japanische Zeitung „Asahi“ hatte zuvor berichtet, auch Ghosn wolle mit den Behörden zusammenarbeiten und sei bereits befragt worden. Wie Nissan mitteilte, machte ein Whistleblower das Unternehmen auf die mutmaßlichen Verstöße Ghosns aufmerksam. Ghosn war 1999 als Vorstandsvorsitzender von Renault zu Nissan gekommen, um den verschuldeten Autohersteller aus der Krise zu führen. 2005 übernahm der Brasilianer den Chefsessel von Renault, blieb bei Nissan aber Verwaltungsratschef.

Schon vor zwei Jahren Auseinandersetzung mit Emmanuel Macron

Schon 2016 war die Höhe von Ghosns Gehalt zum Politikum geworden, als der damalige Wirtschaftsminister und heutige französische Präsident Emmanuel Macron Renault bei diesem Thema unter Druck gesetzt hatte, woraufhin Ghosn Zugeständnisse machen musste. Noch heute besitzt der französische Staat einen Anteil von 15 Prozent an Renault. Die Allianz aus Renault und Nissan arbeitet auch mit dem deutschen Daimler-Konzern in einer Allianz zusammen. So betreibt man beispielsweise im mexikanischen Aguascalientes ein gemeinsames Werk, in dem Kompaktwagen der Marke Mercedes-Benz sowie Fahrzeuge der Nissan-Marke Infiniti vom Band laufen.