home Wirtschaft Stellenabbau in Deutschland: Nestlé schließt Caro-Werk und Lebensmittellabor zum Jahresende

Stellenabbau in Deutschland: Nestlé schließt Caro-Werk und Lebensmittellabor zum Jahresende

Bild: wikipedia.org / Ludwigs Unbürger / Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé baut Hunderte Stellen in Deutschland ab. Wie das Unternehmen heute in Frankfurt am Main bekanntgab, fallen hierzulande nach langen Verhandlungen mit Gewerkschaften und Betriebsräten 380 Arbeitsplätze weg. Besonders betroffen sind das „Caro“-Werk im baden-württembergischen Ludwigsburg sowie ein Lebensmittellabor im bayerischen Weiding, die beide zum Jahresende geschlossen werden.

Caro-Kaffee kommt künftig aus Portugal

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Caro-Kaffee
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Die Marke Caro-Kaffee wurde in Deutschland im Jahre 1954 von der Franck + Kathreiner GmbH eingeführt. Seit 1971 hält Nestlé die Markenrechte. Der Name Caro leitet sich aus Bestandteilen des Wortes Kaffeesurrogatextrakt ab. Caro-Kaffee besteht aus Gerste, Gerstenmalz, Zichorie und Roggen.
Das Aus für das Caro-Werk mit rund 100 Mitarbeitern begründet Nestlé mit der sinkenden Nachfrage nach dem löslichen Ersatzkaffee. Dieser wurde seit mehr als 60 Jahren an dem Standort produziert. Nun sei das Werk nicht mehr ausgelastet, so der Schweizer Konzern. Die Produktion soll nach Portugal verlegt werden. In den Werken im nordrhein-westfälischen Lüdinghausen (Maggi-Produkte) sowie im bayerischen Biessenhofen (Babynahrung) sind 2019 ebenfalls Stellenstreichungen vorgesehen. Die Analyse von Lebensmitteln soll statt in Weiding zukünftig an anderen deutschen und ausländischen Standorten stattfinden.

Der Arbeitsplatzabbau soll laut Nestlé sozialverträglich geschehen. Dabei sei ein „außergewöhnlich gut ausgestatteter Sozialplan“ ausgehandelt worden, so Ralf Hengels, Personalvorstand bei Nestlé Deutschland. Nach eigenen Angaben bietet das Unternehmen hierzu Angebote zu Altersteilzeit sowie besondere Abfindungen für ältere Mitarbeiter an. Auf betriebsbedingte Kündigungen will das Unternehmen verzichten. Betroffene Mitarbeiter könnten ab Anfang Februar in einer Transfergesellschaft wechseln.

150 Jahre Kaffee-Produktion in Ludwigsburg

Das Caro-Werk in Ludwigsburg geht auf eine Kaffee-Manufaktur aus dem Jahr 1828 zurück, wo der Kolonialwarenhändler Johann Heinrich Frank als erster im großen Stil den Landkaffee herstellte. Dabei mischte er Geste, Malz und Roggen mit der Zichorie-Pflanze. Die Produktion befand sich zunächst in Vaihingen an der Enz und wurde 1868 wegen der besseren Verkehrsinfrastruktur nach Ludwigsburg verlagert. Ebenfalls aus Ludwigsburg kommt der aufbrühbare Linde’s Kornkaffee, der in einigen Teilen Deutschlands heute noch umgangssprachlich als „Muckefuck“ bekannt ist. Noch 2012 wurden im Ludwigsburger Werk jährlich noch rund 8.000 Tonnen Caro-Kaffee, Kathreiner-Malzkaffee und Linde’s Kornkaffee hergestellt. Nestlé ist der größte Kaffehersteller der Welt und baut sein Portfolio kontinuierlich aus. Erst im Mai hatte man in diesem Zuge das Handelsgeschäft von Starbucks übernommen.