home Gesundheit Fixation Duration: Blick eines Babys lässt Rückschlüsse auf spätere Verhaltensauffälligkeiten zu

Fixation Duration: Blick eines Babys lässt Rückschlüsse auf spätere Verhaltensauffälligkeiten zu

Bild: © didesign - Fotolia.com

Nach einem Bericht der „Welt“ haben Psychologen jetzt herausgefunden, dass man am Blick eines Babys das Risiko ablesen kann, ob es später einmal impulsiv, aggressiv oder hyperaktiv werden könnte. Kostas Papageorgiou und seine Mitarbeiter von der London Metropolitan University untersuchten dabei nicht nur, wie lange sich ein Säugling mit wahrgenommenen Objekten beschäftigt, sondern legten ihre Beobachtungen in einem Wert, der sogenannten „fixation duration“ nieder. Insgesamt wurden 180 ein bis vier Tage alte Säuglinge untersucht, denen man Gesichter auf einem Bildschirm zeigte. Einige Jahre später befragten die Wissenschaftler die Eltern von 80 mittlerweile etwa 7 Jahre alten Kindern nach Verhaltensauffälligkeiten. Aus ihren Untersuchungen zogen die Wissenschaftler den Schluss, dass Babys, die ihre Fixierung länger halten konnten, später weniger impulsiv, aggressiv oder hyperaktiv waren.

Babys können Dinge nur in unmittelbarer Nähe fixieren

Neugeborene können zunächst nur Umrisse und Lichtquellen wahrnehmen. Farben zu unterscheiden, oder den Blick gezielt zu steuern, stellt schon eine große Herausforderung dar. Dinge zu fixieren gelingt zunächst nur aus unmittelbarer Nähe, ansonsten bleibt die Welt der Säuglinge verschwommen. Damit sind die wichtigsten Anforderungen, Gesichter von vertrauten Personen zu erkennen und ihre Emotionen wahrzunehmen erfüllt. Wie sich das kindliche Sehen entwickelt, wie Babys lernen, den Blick zu lenken, wie sie Gesichter fixieren oder wie lange sie dies tun, gehört zu den Forschungsgebieten der Wissenschaft.

Biologische Faktoren oder Umwelteinflüsse?

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Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), die auch als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom oder Hyperkinetische Störung (HKS) bezeichnet wird, ist eine bereits im Kindesalter beginnende psychische Störung.
Nach den Ergebnissen der Forscher können Umwelteinflüsse nur wenig zur Prägung beigetragen haben, da die Säuglinge direkt nach der Geburt untersucht worden waren. Es sei daher anzunehmen, dass für die spätere Entwicklung eher biologische Unterschiede oder Einwirkungen auf das Kind im Mutterleib ursächlich seien. Wie Papageorgiou erläuterte, ließen die Ergebnisse vermuten, dass einige Grundsteine für das spätere Verhalten bereits vor der Geburt gelegt werden. Die Forschungen könnten dazu beitragen, Kinder mit erhöhtem Risiko – zum Beispiel für Aufmerksamkeitsdefizite (ADHS) – zu identifizieren und dem frühzeitig entgegenzuwirken.

Die Entwicklungspsychologin Birgit Elsner von der Universität Potsdam erklärte hierzu, dass genetische Vorbelastungen nicht immer zum Tragen kommen. Auch Babys, die Probleme haben, einen Schlaf- oder Essens-Rhythmus zu entwickeln, wiesen später öfter Verhaltensauffälligkeiten und Lernschwierigkeiten auf. Dennoch zeigten zahlreiche Untersuchungen, dass es unterschiedliche Faktoren gibt, die die kindliche Entwicklung beeinflussen. Ob genetische Vorbelastungen zum Tragen kommen, hinge unter anderem auch von der Beziehung zwischen Baby und Eltern ab.

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