home Auto, Wirtschaft Neuer Astra erst 2021: Opel kündigt sechs Monate Kurzarbeit in Rüsselsheim an

Neuer Astra erst 2021: Opel kündigt sechs Monate Kurzarbeit in Rüsselsheim an

Bild: opel.com / Opel Automobile GmbH

Der Autobauer Opel hat für die meisten der rund 2.600 Mitarbeiter seines Stammwerks in Rüsselsheim Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur angemeldet. Dies gab das Unternehmen heute bekannt. Für die kommenden sechs Monate soll die Spätschicht komplett gestrichen werden. Der Schritt sei mit dem Betriebsrat abgestimmt. Zunächst hatten das „Handelsblatt“ und die „Wirtschaftswoche“ über die vorgesehenen Einschnitte berichtet.

Bis 2023 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen

Die Arbeitnehmer erhalten für die nicht geleistete Arbeitszeit Kurzarbeitergeld als Lohnersatzleistung sowie einen Zuschlag von Opel. Das Entwicklungszentrum und weitere zentrale Einheiten des Unternehmens sind nach Angaben des zum französischen PSA-Konzern gehörenden Autobauers nicht von der Maßnahme betroffen. Der grundsätzlich auf zwölf Monate beschränkten Kurzarbeit muss nun noch die Bundesagentur für Arbeit zustimmen. Sie prüft derzeit, ob die Voraussetzungen für eine konjunkturelle Hilfe gegeben sind. „Dieser Schritt dient dazu, eine sozialverträgliche Brückenlösung zu schaffen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Derzeit wird im Werk Rüsselsheim nur noch der Insignia aus dem allgemein schwächelnden Mittelklasse-Segment montiert. Die Produktion des Familienvans Zafira war hingegen im Sommer ausgelaufen.

Astra-Produktion in Gliwice
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PSA-Gruppe
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Zur PSA-Gruppe gehörten vor der Opel/Vauxhall-Übernahme die Marken Peugeot, Citroën und DS Automobiles. 2014 wurden rund drei Millionen Fahrzeuge produziert, der Marktanteil der PSA-Gruppe betrug 2010 in Westeuropa 14,3 Prozent.
Erst 2021 kommt mit dem Astra ein zweites Modell ins Opel-Stammwerk. PSA hatte im Juni die Verlegung der Astra-Produktion aus dem polnischen Gliwice nach Rüsselsheim angekündigt. Daneben wird der noch unter der Ägide von General Motors entwickelte Kompaktwagen derzeit noch im britischen Ellesmere Port gebaut. Bis es soweit ist, will man die Beschäftigten möglichst im Unternehmen halten. Bis Juni 2023 sind die Opel-Beschäftigten an allen deutschen Standorten tariflich vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Opel startete daher umfangreiche Programme zu Abfindungen, Altersteilzeit und Vorruhestand, die bereits mehr als 6.000 Beschäftigten genutzt haben. Auch in Rüsselsheim sollen nochmal rund 600 Angestellte gehen.

Im Entwicklungszentrum, das der Autobauer größtenteils an den Dienstleister Segula verkauft hat, will man nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hingegen 200 Mitarbeiter einstellen. Zuletzt hatten auch weitere Autohersteller Stellenstreichungen angekündigt. So plant Ford in Deutschland den Abbau von 500 Arbeitsplätzen, Volkswagen will sich sogar von bis zu 7.000 Mitarbeitern trennen.

Neuer Astra entsteht auf PSA-Plattform

Wie die „Automobilwoche“ schreibt, könnten im kommenden Jahr bei Opel nur noch 42.000 Fahrzeuge vom Band rollen. Das entspräche etwa einem Drittel der Produktion im Jahr 2018, als 123.000 Autos vom Band liefen. Theoretisch wären bei Volllast sogar 180.000 Fahrzeuge möglich. Opel wollte sich zu geplanten Produktionszahlen nicht äußern. Der Nachfolger der aktuellen Astra-Generation, den es auch in einer E-Variante geben wird, soll auf einer PSA-Plattform entstehen, um Kosten zu verringern. Mit den Investitionen in den Bau des nächsten Opel Astra ab 2021 sei aber die Zukunft des Werks in Rüsselheim langfristig gesichert, versicherte Opel.