home Auto, Wirtschaft „Unanständig“: MAN-Betriebsrat bricht Verhandlungen über Stellenabbau ab

„Unanständig“: MAN-Betriebsrat bricht Verhandlungen über Stellenabbau ab

Der MAN-Gesamtbetriebsrat und die IG Metall haben die Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite über einen massiven Stellenabbau bei dem Lastwagenhersteller am Mittwoch abgebrochen. „Das Unternehmen ist keinen Millimeter von seinen Kahlschlagplänen abgerückt. So verhandelt man nicht, das ist unanständig. Wir lassen uns nicht vorführen und kehren erst an den Tisch zurück, wenn das Unternehmen ernsthaft zu Verhandlungen bereit ist“, sagte Betriebsratschef Saki Stimoniaris am Mittwoch in München.

9.500 Arbeitsplätze bei MAN auf der Kippe

INFO-BOX:
MAN
Die Wurzeln des heutigen MAN-Konzerns führen zurück bis zur 1758 gegründeten Eisenhütte St. Antony in Oberhausen und der 1840 in Augsburg entstandenen Sander’schen Machinenfabrik, die 1898 zur Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG und 1908 zur M.A.N. wurde. 2011 übernahm Volks-wagen MAN und fusionierte das Unter-nehmen mit seiner Tochter Scania. Seit 2018 ist MAN Teil der Volkswagen-Holding Traton (u.a. mit den VW-Nutzfahrzeug-marken Scania und Neoplan).
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Der zur Volkswagen LKW-Holding Traton gehörende Lastenwagenbauer hatte im September angekündigt, 9.500 Stellen in Deutschland und Österreich streichen zu wollen sowie Teile der Produktion zu verlagern. Einzelne Standorte sollen sogar ganz dichtgemacht werden. Betroffen sind hier der Produktionsstandort Steyr (Österreich) sowie die Betriebe in Plauen (Sachsen) und Wittlich (Rheinland-Pfalz). Mit der Aufkündigung der eigentlich bis 2030 geltenden Standort- und Beschäftigungssicherungsvereinbarungen seien auch betriebsbedingte Kündigungen möglich, so der Betriebsrat. Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und Aufsichtsratsvorsitzender bei MAN Truck & Bus erklärte für die Gewerkschaft: „Die IG Metall wird es nicht tolerieren, dass der MAN-Unternehmensvorstand – offensichtlich ohne tragfähiges Zukunftskonzept für die Belegschaft – die Abwicklung eines der letzten Nutzfahrzeugherstellers in Deutschland kompromisslos vorantreibt“.

Der Konzernumbau kostet MAN nach eigenen Angaben einen mittleren bis oberen dreistelligen Millionenbetrag. Traton-Chef Matthias Gründler und MAN-Chef Andreas Tostmann wollen den defizitären Münchner LKW- und Bushersteller dauerhaft profitabel machen. Die beiden Manager stehen unter dem Druck des Mutterkonzerns, nachdem bereits ihre Vorgänger über den Streit mit den Arbeitsnehmern gestürzt waren. Stimoniaris forderte, die Unternehmensvertreter müssten „selbst erklären, warum diese stolze MAN abgewickelt werden soll – denn nichts anderes stellen die Pläne des Unternehmens dar“. Demgegenüber erklärte ein Unternehmenssprecher, dem Vorstand gegen es nicht um Kahlschlag. Vielmehr sei eine Restrukturierung notwendig, um in alternative Antriebe und Digitalisierung investieren zu können. Der heutige Schritt von Betriebsrat und IG Metall sei überraschend gekommen. Man nehme die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis, bleibe aber gesprächsbereit.

MAN entwickelt mobile Corona-Testzentren

Die LKW-Hersteller sind weltweit wegen der stark sinkenden Nachfrage durch die Corona-Krise unter Druck. In Europa rechnete MAN schon vor der Pandemie mit einem Rückgang zwischen 10 und 20 Prozent in diesem Jahr. Zuletzt hatte MAN den Kampf gegen das Coronavirus aber auch als Geschäftsfeld für sich entdeckt. Das Unternehmen entwickelte einen Kastenwagen, ausgerüstet mit Testtechnik. Solche mobilen Testzentren sollen Corona-Tests besser verfügbar machen. Zum Einsatz kommen sollen sie bei Medizindienstleistern, Laborgesellschaften oder Rettungswagenbetreibern.