home Gesundheit, Politik Organspende: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schlägt Debatte über Widerspruchslösung vor

Organspende: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schlägt Debatte über Widerspruchslösung vor

Bild: bzga.de / BZgA/Hardy Welsch

Der Zahl der Organspender sank im vergangenen Jahr auf einen neuen Tiefstwert. Zahlreiche Versuche der Politik, dem entgegenzusteuern, blieben bislang erfolglos. Nun schlägt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor, in Deutschland die sogenannte Widerspruchsregelung einzuführen. Damit würde jeder Deutsche automatisch zum Organspender, solange er oder Angehörige nicht ausdrücklich widersprechen.

Spahn: Organspende soll „zum Normalfall werden“

INFO-BOX:
Organspendeausweis
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Der erste Organspendeausweis wurde in Deutschland bereits 1971 ausgegeben. Die ausstellende Person erklärt darin, ob sie im Todesfall der Überlassung aller oder einiger Organe und Gewebe zu Spendenzwecken einverstanden ist oder nicht. Nach dem deutschen Transplantationsgesetz können Jugendliche ab 16 Jahren ihre Bereitschaft zur Organspende wirksam erklären, bereits ab 14 Jahren kann einer Organspende wirksam widersprochen werden.
Rund 10.000 Patienten in Deutschland benötigen derzeit ein Spenderorgan. Demgegenüber standen 2017 gerade einmal rund 800 Spender. Um den Weg für mehr Organentnahmen freizumachen, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits ein Gesetz vorgestellt, das Transplantationsexperten in Krankenhäusern mehr Zeit einräumen und den Prozess der Organentnahme besser vergüten soll. Da dies jedoch nichts nützt, wenn keine geeigneten Organspender zur Verfügung stehen, will Spahn zudem die Widerspruchslösung in Deutschland einführen. „Nur so kann die Organspende zum Normalfall werden“, sagte Spahn der „Bild“-Zeitung. So würde jeder Bundesbürger automatisch nach seinem Tod zum Organspender – außer er selbst oder Angehörige widersprechen. Bisher ist es umgekehrt: Nur wer (etwa per Organspendeausweis) ausdrücklich zugestimmt hat, kommt als Organspender überhaupt in Betracht.

Dies sei zwar ein Eingriff des Staates in die Freiheit des Einzelnen, da alle bisherigen Versuche, die Zahl der Organspenden zu steigern, erfolglos geblieben seien, müsse nun eine breite gesellschaftliche Debatte über die Widerspruchslösung geführt werden, so Spahn. Auch der Bundestag solle über das Thema diskutieren, ein eigener Gesetzentwurf dazu sei derzeit aber nicht geplant. Mit dem Thema dürfte der Gesundheitsminister beim Koalitionspartner auf offene Ohren stoßen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, Spahns Gesetzentwurf zur Stärkung der Kliniken sei eine optimale Gelegenheit, eine umfassende Debatte über die Widerspruchslösung zu führen. Gleichzeitig kritisierte er, dass Spahn diese nicht direkt mit in den Gesetzentwurf zur Organtransplantation aufgenommen habe.

BZgA: Zahl der Organspendeausweis-Inhaber steigt

Kritik kommt hingegen von Patientenvertretern. Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz sagte gegenüber dem „Deutschlandfunk“, dass mit einer Widerspruchsregelung nichts gewonnen sei, solange der Staat weiterhin privaten Akteuren die Organentnahme überlasse und nicht selbst die Kontrolle übernehme. Trotz des Organspendeskandals in Deutschland hatten sich nach Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zuletzt wieder mehr Menschen für einen Organspendeausweis entschieden. Die Einführung einer Widerspruchslösung könnte diese wachsende Vertrauen zerstören und damit mehr Schaden als Nutzen verursachen.