home Sport Nach „Uhren-Affäre“: DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärt sofortigen Rücktritt

Nach „Uhren-Affäre“: DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärt sofortigen Rücktritt

Bild: wikimedia.org / Chivista

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist heute mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Dies gab Grindel in einer persönlichen Erklärung in der Verbandszentrale in Frankfurt bekannt. Zuvor hatte der 57-Jährige das Präsidium im Rahmen einer Telefonkonferenz über seinen Schritt informiert. Bis zu den Neuwahlen im September übernehmen die beiden Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball kommissarisch den DFB-Vorsitz.

6.000 Euro teure Luxusuhr von ukrainischem Oligarchen

INFO-BOX:
DFB-Präsidenten
1900-1904: F. Hueppe
1904-1905: F.-W. Nohe
1905-1925: Gottfried Hinze
1925-1945: F. Linnemann
1950-1962: Peco Bauwens
1962-1975: H. Gösmann
1975-1992: H. Neuberger
1992-2001: Egidius Braun
2001-2006: G. Mayer-Vorfelder
2004-2012: Theo Zwanziger
2012-2015: W. Niersbach
2016-2019: R. Grindel
Bereits am vergangenen Freitag hatte der „Spiegel“ von Zahlungen an Grindel im Zeitraum zwischen Juli 2016 und Juli 2017 in Höhe von insgesamt 78.000 Euro berichtet, die er als Aufsichtsratsvorsitzender der DFB-Medien GmbH erhielt und nicht publik gemacht habe. Grindel räumte die Zahlungen auf Anfrage zwar ein, pochte jedoch darauf, den Posten erst drei Monate nach seiner Wahl als DFB-Präsident angetreten und daher auch nichts verschwiegen zu haben. Als die „Bild“ aber am gestrigen Montag auch noch über die Annahme einer Luxusuhr im Wert von 6.000 Euro aus den Händen eines ukrainischen Oligarchen berichtete, war sein unter anderem durch den Eiertanz in der heiklen Causa um die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem umstrittenen türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan ohnehin schon stark ramponiertes Image endgültig zerstört. Zuvor gab es bereits heftige Kritik an der übereilten Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw vor der verkorksten WM 2018, sowie an seinen kritischen Äußerungen zur Ausbootung des Weltmeister-Trios Müller, Hummels und Boateng – die er kurz darauf relativieren musste.

In seiner persönlichen Erklärung verwies Grindel in erster Linie auf seinen Fehler bei der Annahme der Uhr: „Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe.“ Gleichzeitig wies er aber einen Interessenskonflikt zurück: „Ich bin tief erschüttert, dass ich wegen eines solchen Vorgangs meine Funktion als DFB-Präsident aufgeben muss.“ Für ihn habe es sich um ein reines „Privatgeschenk“ gehandelt, das er aus Höflichkeit angenommen habe. Dass er nun wegen eines solchen Vorgangs öffentlich so dastehe, mache ihn „fassungslos und traurig.“ DFB-Vizepräsident Rauball reagierte in einer vom DFB verbreiteten Erklärung mit Verständnis für Grindels Schritt. Der Druck auf den Präsidenten sei in den vergangenen Wochen immer größer geworden. Daher sei es „im Sinne des deutschen Fußballs und seiner Handlungsfähigkeit, den Weg für einen personellen, aber auch strukturellen Neuanfang innerhalb des DFB freizumachen.“

Lahm und Metzelder mögliche Nachfolger an DFB-Spitze

Als möglicher Nachfolger von Grindel, der seine internationalen Ämter im FIFA-Council sowie im UEFA-Exekutivkomitee behält, wird Ex-Nationalspieler Philipp Lahm ins Spiel gebracht. Dieser kommentierte derartige Spekulationen allerdings mit den Worten, dass er „überhaupt keine Ambitionen“ habe, DFB-Präsident zu werden. Der ebenfalls kolportierte Christoph Metzelder ist auch als Sportdirektor beim FC Schalke 04 im Gespräch. Ein geeigneter Kandidat muss in jedem Fall die Interessen von Amateuren (DFB) und Profis (DFL) wieder auf einen Nenner bringen, um die Führungskrise nicht weiter ausarten zu lassen. Sollte kein externer Kandidat gefunden werden, wäre mit DFB-Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius auch eine interne Lösung möglich.