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Pharmakonzern Bayer will weltweit 12.000 Stellen streichen

Bild: bayer.de / Bayer AG

Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer will bis Ende 2021 weltweit rund 12.000 Stellen abbauen – dies entspricht einem Anteil von mehr als zehn Prozent der global 118.200 Bayer-Arbeitsplätze. Wie das Unternehmen heute bekanntgab, werde ein signifikanter Teil der Stellenstreichungen deutsche Arbeitnehmer betreffen. Der größte Teil des Stellenabbaus soll auf das Pflanzenschutzgeschäft und die übergreifenden Konzernfunktionen entfallen.

Konzernumbau soll jährlich 2,6 Milliarden Euro sparen

INFO-BOX:
Glyphosat
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Glyphosat wird seit der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre weltweit zur Unkrautbekämpfung eingesetzt und ist seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden. Das Patent als Herbizid wurde 1974 dem Chemieunternehmen Monsanto erteilt. Glyphosat wird heute von mindestens 91 Chemieunternehmen in 20 Ländern hergestellt, die produzierte Menge wurde 2012 auf 720.000 Tonnen geschätzt.
Gleichzeitig vereinbarte Bayer mit dem Betriebsrat in Deutschland ein Zukunftssicherungsprogramm, das betriebsbedingte Kündigungen im Personalverbund der Bayer AG in Deutschland bis Ende 2025 grundsätzlich ausschließt. Der Abbau der Stellen in Deutschland soll „sozialverträglich erreicht werden“, so der Konzern. Die Effizienz- und Strukturmaßnahmen sollen die Wettbewerbsfähigkeit des DAX-Konzerns steigern und einschließlich der erwarteten Synergien aus der Monsanto-Übernahme von 2022 an jährlich rund 2,6 Milliarden Euro einsparen. Weitere Bestandteile des Effizienzsteigerungsprogramms sind die Trennung vom Geschäft mit Tiergesundheit, der Verkauf der Marken Coppertone (Sonnenschutz) und Dr. Scholl’s (Fußpflege) sowie die Abgabe des 60-prozentigen Anteils an dem deutschen Chemiestandort-Dienstleister Currenta.

Der Bayer-Aufsichtsrat unterstütze die entsprechenden Pläne des Vorstands „einstimmig“. Bayer-Chef Werner Baumann erklärte: „Mit den Maßnahmen, die wir jetzt angehen, schaffen wir die Voraussetzung, um die Performance und Ertragskraft von Bayer nachhaltig zu steigern.“ Unterdessen hat das Unternehmen gleich an mehreren Fronten gleichzeitig zu kämpfen. In den USA sieht sich Bayer nach der Monsanto-Übernahme gleich mehreren Klagen wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat ausgesetzt. Die Kläger werfen Monsanto vor, mit Glyphosat ein krebserregendes Mittel verkauft und nicht ausreichend über dessen Schädlichkeit informiert zu haben.

Aktionäre stören sich an hohen Abschreibungen

Bayer als neuer Monsanto-Eigentümer wies die Vorwürfe entschieden zurück. Nach dem ersten verlorenen Glyphosat-Prozess brach die Aktie des Konzerns allerdings massiv ein. Nach der heutigen Ankündigung der Sparmaßnahmen drehte sie zwar zunächst wieder ins Plus, rutsche danach aber erneut ins Minus. Die Anleger stören sich vor allem an den hohen Abschreibungen, hieß es aus Börsenkreisen. Im laufenden Quartal kommen auf Bayer Abschreibungen aus den Sparten Consumer Health und Pharmaceuticals in einer Größenordnung von 3,3 Milliarden Euro zu. Zudem hatte das Unternehmen auch im wichtigen Pharmageschäft zuletzt nur wenig Erfolg versprechende Neuentwicklungen zu vermelden.