home Politik Wegen Grönland: Abgesagter Trump-Staatsbesuch ruft wütende Reaktionen in Dänemark hervor

Wegen Grönland: Abgesagter Trump-Staatsbesuch ruft wütende Reaktionen in Dänemark hervor

Bild: pixabay.com / Thomas_Ritter

US-Präsident Donald Trump hat einen Staatsbesuch in Dänemark vorerst abgesagt. Als Grund gab er die Weigerung des Landes an, über einen Verkauf Grönlands zu verhandeln. Auf Twitter schrieb Trump am gestrigen Abend: „Dänemark ist ein sehr besonderes Land mit unglaublichen Menschen, aber auf Basis der Äußerungen von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, wonach sie kein Interesse an einem Verkauf Grönlands habe, werde ich mein geplantes Treffen verschieben“. Frederiksen äußerte sich „überrascht“ und „enttäuscht“.

Absage eine „Beleidigung der Königin“

INFO-BOX:
Grönland
mehr dazu
Grönland ist eine zum größten Teil eisbedeckte Insel zwischen dem Nordatlantik und dem Nordpolarmeer. Seit der kolonialen Inbesitznahme im 18. Jahrhundert gehört die zwei Millionen Quadratkilometer große Insel zu Dänemark, genießt aber seit 1979 einen weitgehenden Autonomiestatus, der 2009 nochmals erweitert wurde. Auf Grönland leben rund 57.000 Menschen, die meisten sind Angehörige der ethnischen Gruppe der Inuit. In der Landessprache heißt die Insel Kalaallit Nunaat.
Sie habe sich gefreut, ließ Frederiksen mitteilen, mit dem US-Präsidenten beispielsweise über die Herausforderungen in der Arktis zu diskutieren. Trotz der Absage des Besuchs bleibe die Einladung zu einer stärkeren strategischen Zusammenarbeit mit den Amerikanern in der Arktis bestehen. Zuvor hatten sich andere dänische Politiker weit weniger diplomatisch zum Vorgehen Trumps geäußert. „Der Mann ist unberechenbar“, sagte etwa der Chef der sozialliberalen Partei, Morten Ostergaard. Dies zeige, dass man „mehr denn je die EU-Länder als unsere engsten Partner ansehen“ müsse. Sören Espersen von der Dänischen Volkspartei (DPP) teilte mit, die Absage sei eine Beleidigung Königin Margarethes. Diese hatte Trump und seine Ehefrau Melania im Juli formell für Anfang September eingeladen. Die Sprecherin des dänischen Königshauses Lene Balleby erklärte, die Absage sei eine Überraschung gewesen, aber „wir haben nichts Weiteres dazu zu sagen“.

Frederiksen hingegen hatte Trumps Vorhaben, über einen Verkauf von Grönland zu verhandeln, schon früh zurückgewiesen. „Ich hoffe wirklich, dass das nicht ernst gemeint ist“, sagte die Regierungschefin am Sonntag. „Grönland ist nicht dänisch, Grönland gehört zu Grönland“. Frühere dänische Regierungschefs konnten über Trumps Interesse an Grönland nur den Kopf schütteln. Lars Lokke Rasmussen sah darin einen „Aprilscherz“, Helle Thorning-Schmidt schrieb auf Twitter: „Soll das ein Witz sein? Zutiefst beleidigend für die Menschen in Grönland und Dänemark“. Der Chef der rechtspopulistischen Volkspartei, Kristian Thulesen Dahl, sprach von einer „Farce“, Rasmus Jarlov von der oppositionellen Konservativen Partei forderte Trump auf, „mehr Respekt an den Tag zu legen“. Grönland zieht aufgrund seiner strategischen Lage sowie seiner Bodenschätze seit Langem die Aufmerksamkeit der USA, aber auch Chinas und Russland auf sich. Die USA unterhalten auf Grönland seit den 1950er-Jahren mit der Thule Air Base einen Militärflugplatz

Kauf Grönlands nach dem Völkerrecht ausgeschlossen

Ein Sprecher des Weißen Hauses bestätigte inzwischen, dass der gesamte für den 2. und 3. September geplante Besuch abgesagt sei. Trump hatte seinem Twitter-Statement vom gestrigen Abend noch hinzugefügt, die Ministerpräsidentin habe den USA und Dänemark „einen sehr großen Aufwand“ erspart, indem sie so direkt gewesen sei. Dafür danke er ihr. Dass Grönland Teil der USA werden könnte, ist für den Anwalt und früheren juristischen Berater des US-Außenministeriums, Scott R. Anderson, eine „rechtliche und politische Unmöglichkeit“. Nach dem Völkerrecht haben die Grönländer ein Recht auf Selbstbestimmung. An ihnen vorbei kann die dänische Regierung nichts entscheiden – und will dies auch gar nicht. Die autonome Regierung Grönlands wies Trumps Absichten unterdessen ebenfalls in wenigen Worten zurück: „Greenland is not for sale“.