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Fake News durch Künstliche Intelligenz bald für jedermann ein Kinderspiel?

Bild: pixabay.com / geralt

Falschmeldungen gab es schon immer. Doch noch niemals waren sie so zahlreich und haben sich so hartnäckig gehalten wie heute. Mitverantwortlich sind die umfassende Digitalisierung und Vernetzung inklusive all der Möglichkeiten, die uns soziale Netzwerke heute geben, um Nachrichten in exponentieller Geschwindigkeit zu verbreiten. Eine neue Technologie der US-Grafikchip-Schmiede Nvidia bringt mit ihrem neu entwickelten KI-System nun möglicherweise neue Brisanz in die Angelegenheit. Immerhin ermöglicht das System die Generierung perfekter Fake-Bilder.

Künstliche Intelligenz erzeugt realistische Fake-Gesichter

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Als Geburtsstunde der Künstlichen Intelligenz als akademisches Fachgebiet gilt die Dartmouth Conference am Dartmouth College in Hanover (New Hampshire, USA) im Jahr 1956. Hier fiel auch erstmals der Begriff „Artificial Intelligence“. Die Anfangszeit war geprägt durch die fast grenzenlose Erwartungshaltung in Computer, komplexe Aufgaben zu lösen, zu deren Lösung Intelligenz notwendig ist, wenn sie vom Menschen durch-geführt werden. Es dauerte aber beispielsweise noch bis ins Jahr 1997, ehe ein Schachcomputer den damaligen Schach-Weltmeister Garri Kasparov schlagen konnte.
Künstliche Intelligenz ist laut IT-Experten das nächste große Ding, das unsere Welt in den kommenden Jahrzehnten gewaltig auf den Kopf stellen wird. In vielerlei Hinsicht ist das eine erfreuliche Nachricht. Allerdings zeigt ein aktuelles Forschungsprojekt des Chip-Herstellers Nvidia auf, welche potenzielle Bedrohung von sich selbst trainierenden KI-Systemen ausgehen kann. Die Experten haben nämlich nichts anderes entwickelt, als einen Generator, der auf Basis von Fotoaufnahmen berühmter Persönlichkeiten neue Fake-Fotos erstellt. Diese sind so realistisch und individuell, dass Sie sich kaum als künstlich entlarven lassen.

Hinter dem System steckt ein mächtiges GAN-Verfahren, im Rahmen dessen die KI des Generators auf Basis eines Datensatzes aus echten Portrait-Bildern einen Entwurf eines „neuen Gesichts“ erstellt. Eine sogenannte Diskriminator-KI ist anschließend für die Bewertung des Entwurfs zuständig. Das System schätzt die Authentizität des Ergebnisses ein. Bei Bedarf durchlaufen die Bilder eine weitere Bearbeitungsschleife, bis das Resultat passt. Auf diese Weise entstehen „echte“ Fake-Menschen aus dem Generator.

Damit aber noch nicht genug, mit der gleichen Technologie sind leistungsfähige KI-Systeme ebenfalls dazu in der Lage, täuschend echte Naturlandschaften, urbane Szenen und andere Bilder zu erzeugen. Noch lassen sich in vielen Bildern einige Unstimmigkeiten erkennen, die deren künstliche Herkunft entlarven. Laut den beteiligten Wissenschaftlern sei der überzeugende Fotorealismus aber bereits in Reichweite. Damit könnten computergenerierte Bilder in naher Zukunft das gleiche Qualitätsniveau erreichen wie perfekte Fotomontagen der besten Grafikdesigner der Welt.

Täuschend echte Fake-News an der Tagesordnung?

Was hat das Ganze nun mit Fake-News zu tun? Ganz einfach: Texte manipulieren und verbreiten kann jeder, der des Schreibens mächtig ist. Ein Bild sagt jedoch mehr als tausend Worte. Das scheint auch unser Gehirn zu wissen. Wir glauben eher Dinge, die wir auch sehen und nicht nur hören oder lesen. An dieser Stelle kommen die täuschend realistischen Fake-Bilder der KI-Systeme ins Spiel. Mit den richtigen Einstellungen und ein wenig Rechenleistung könnten sich so in Zukunft beliebige Fake-Bilder erstellen lassen.

Ob fingierte Bilder aus Krisengebieten, von Demonstrationen oder von öffentlichen Anlässen – vieles ist möglich. Dafür braucht es „dank“ künstlicher Intelligenz bald wohl weder Talent noch jahrelange Erfahrung als Grafiker oder teure Spezialsoftware. Das heißt nichts anderes, als dass jedermann dazu in der Lage ist, Fake-News mit kaum zu entlarvenden Fake-Bildern und sogar Videos zu unterlegen. Fake-News wären so kaum noch erkennbar und würden damit ein neues Maß an Bedrohlichkeit gewinnen.

Die Bedrohung ist bereits jetzt akut

Auch wenn es bis dahin noch ein wenig dauern wird, birgt auch der derzeit verfügbare Gesichtsgenerator bereits Zündstoff. Während Internet-Trolle sich früher noch hinter anonymen Profilbildern versteckten und leicht zu erkennen waren, können Sie nun mit einem realistischen und zudem einzigartigen Gesicht auftreten. Und genau das macht deren Aussagen für die Rezipienten deutlich glaubhafter, ohne dass sich die Trolle selbst zu erkennen geben müssen.

Es ist also durchaus machbar, tausende gefälschte Profile zu erstellen und damit eine bestimmte Stimmungslage zu suggerieren und die öffentliche Meinung damit sehr effektiv zu manipulieren. Glaubhafte Fake-News mit einem Höchstmaß an Anonymität über ein Fake-Profil verbreiten – das ist also bereits jetzt möglich. Umso wichtiger ist es, dass wir uns um die Frage kümmern, wie wir diesem Umstand und der künftigen Entwicklung begegnen können.