home Wirtschaft Überhöhte Gebühren: EU-Kommission verhängt Millionenstrafe gegen Mastercard

Überhöhte Gebühren: EU-Kommission verhängt Millionenstrafe gegen Mastercard

Bild: mastercard.com / Mastercard

Der Kreditkartenanbieter Mastercard muss wegen überhöhter Kundengebühren eine Geldstrafe in Höhe von 570 Millionen Euro zahlen. Dies gab die EU-Kommission heute bekannt. Mastercard habe Händler daran gehindert, bessere Konditionen von Banken aus anderen EU-Ländern zu nutzen und so gegen bestehende Kartellvorschriften verstoßen, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in Brüssel. Dadurch habe man die Kosten für Kartenzahlungen künstlich in die Höhe getrieben – zum Nachteil von Verbrauchern und Einzelhändlern in der EU.

Wettbewerbsverzerrung durch Interbankenentgelte

INFO-BOX:
Mastercard
mehr dazu
Die ursprünglichen Banken hinter Mastercard waren die United California Bank, Wells Fargo, Crocker National Bank und die Bank of California. Diese schlossen sich 1966 zur „Interbank Card Association“ (ICA) zusammen und gaben zusammen mit der Marine Midland Bank im selben Jahr die „Master Charge: The Interbank Card“ heraus. Nachdem auch die First National City Bank eingestiegen war, wurde die Karte 1979 in Mastercard umbenannt, die in Europa bis 2003 als „Eurocard“ ausgegeben wurde.
Hintergrund sind die sogenannten Interbankenentgelte, die etwa beim Kauf eines Kunden im Supermarkt zwischen dessen Bank und dem Geldhaus des Geschäfts fällig werden. Verwendet der Kunde zur Zahlung eine Debit- oder Kreditkarte, zahlt die Bank des Geschäfts der Bank des Karteninhabers das Interbankenentgelt. Die Bank des Händlers wälzt diese Gebühren auf den Händler ab, der die Kosten wiederum auf den Endpreis seiner Waren aufschlägt. Somit werden diese Kosten auf alle Kunden – auch die, die nicht mit Karte zahlen – umgelegt. Die Höhe des Interbankenentgelts hatte sich nach den Geschäftsbedingungen von Mastercard dabei stets nach den Gebühren des Landes zu richten, in dem der Händler ansässig war. Eventuell günstigere Banken im EU-Ausland durften nicht konsultiert werden.

Bereits im April 2013 hatte die Brüsseler Behörde daher ein förmliches Kartellverfahren gegen Mastercard eingeleitet. Das Unternehmen unterstützte die Untersuchungen, weshalb die Strafe um zehn Prozent reduziert wurde. Aufgrund dieser Vereinbarung gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Mastercard die Höhe der Strafe akzeptiert. Diese entspricht immerhin dem durchschnittlichen Quartalsergebnis des zurückliegenden Jahres. Die Verstöße beziehen sich im Übrigen nur auf die Jahre vor 2015, da in diesem Jahr die Interbankenentgelte europaweit vereinheitlicht wurden. Entsprechend gelassen reagierte das Unternehmen auf die Brüsseler Strafe: „Diese Entscheidung bezieht sich nur auf vergangene Praktiken und (…) erfordert keine Änderung der derzeitigen Geschäftspraktiken von Mastercard“, so das Unternehmen in einem Statement. Zudem habe man „die Regelungen inzwischen geändert“.

Mehr als 18 Millionen Mastercard-Inhaber in Deutschland

Gemessen an den ausgegebenen Karten sowie am Transaktionsvolumen ist Mastercard das zweitgrößte Kartenzahlungssystem im Europäischen Wirtschaftsraum. Weitere bekannte Marken des Konzerns sind Maestro und Cirrus. Nach Angaben des Handelsverbandes HDE besaßen 2016 rund 18,4 Millionen Deutsche eine Mastercard. Generell nutzen europäische Verbraucher und Unternehmen Zahlungskarten für mehr als die Hälfte ihrer bargeldlosen Zahlungen.