home Gesundheit Kribbeln in Fingern und Händen: Übermäßige Smartphone-Nutzung kann Karpaltunnelsyndrom fördern

Kribbeln in Fingern und Händen: Übermäßige Smartphone-Nutzung kann Karpaltunnelsyndrom fördern

Bild: pixabay.com / TeroVesalainen

Rund jeder Zehnte erkrankt im Laufe seines Lebens am Karpaltunnelsyndrom (KTS). Wie aktuelle Studien aus Asien jetzt belegen, führt die intensive Nutzung von Smartphones zu einer Förderung des Nerven-Engpass im Handgelenk mit schmerzhaften Taubheitsgefühlen. In Deutschland sind von der Krankheit etwa 1,5 Millionen Menschen betroffen – Frauen drei- bis viermal so häufig wie Männer.

Vielnutzer leiden zu 50 Prozent häufiger an Missempfindungen

INFO-BOX:
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Bei anhaltenden Beschwerden durch das Karpaltunnelsyndrom ist ein operativer Eingriff unumgänglich. Dabei wird von einem Hand- oder Neurochirurgen über einen kleinen Schnitt bei örtlicher Betäubung das Bindegewebsband über dem Karpaltunnel vollständig durchtrennt, sodass der eingeklemmte Nerv mehr Platz bekommt und der Druck sinkt. Diese Routine-Operation dauert nur wenige Minuten und hat eine minimale Komplikationsrate. Der Therapieerfolg hängt wesentlich von Dauer und Ausmaß der bisherigen Nervenschädigung ab. Eine Besserung oder gar ein vollständiges Verschwinden der Symptome kann sich daher direkt nach der OP oder auch erst nach Tagen oder einigen Wochen einstellen.
Seit langem ist in der Medizin bekannt, dass Karpaltunnel-Beschwerden durch intensive Handarbeit entstehen können. „Drehende Bewegungen im Handgelenk verstärken das KTS, das ist bekannt“, bestätigt Professor Dr. med. Helmut Buchner von der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN). Bei Fleischern sei das KTS durch die drehenden Bewegungen im Handgelenk mit dem Messer gar als Berufskrankheit anerkannt. Gleiches gelte für intensives Stricken oder bei Reinigungskräften, die unablässig Wäsche auswringen. Insofern sei es plausibel, dass der dramatische Mehrgebrauch von Smartphones und Computertastaturen ein KTS auslösen kann, auch wenn dies bisher nur Studien aus Asien belegten. Laut diesen klagten Vielnutzer um rund 50 Prozent häufiger über Schmerzen und Taubheitsgefühle in den Fingern als Wenignutzer. Er könne jedoch „keinen Grund erkennen, warum es bei uns anders sein sollte“, so der Neurologe.

Beim KTS gerät der „Nervus medianus“ unter Druck, der an einer Engstelle durch das Handgelenk führt. Dieser versorgt die ersten drei Finger von Daumen bis Mittelfinger. Wird nun der Druck auf den Nerv zu stark, führt dies zu Missempfindungen in den betroffenen Fingern. Besonders nachts kommt es so häufig zu schmerzhaft eingeschlafenen Händen, im fortgeschrittenen Stadium sogar zu dauerhaft gefühllosen Fingern und Muskelschwund. Frauen sind vom KTS deutlich häufiger als Männer betroffen, da schon aufgrund ihres Monatszyklus Schwellungen leichter entstehen. Diese führt in der Folge zu Entzündungen, die wiederum Vernarbungen hervorrufen können, was die Durchblutung weiter verschlechtert und die Schwellung befördert.

Ob ein KTS vorliegt, können Neurologen durch zwei einfache Tests (Phalen-Test oder Hoffmann-Tinel-Zeichen) sowie die Elektroneugraphie bestimmen. Hier wird mit leichtem Stromimpulsen gemessen, wie viel Zeit der Nervus medianus für die Weiterleitung eines Reizes benötigt. Liegt diese über 4,2 bis 4,5 Millisekunden, hat der Nerv eine Funktionsstörung erlitten und eine Therapie erforderlich sein, erläutert Buchner.

300.000 KTS-Operationen pro Jahr

Im Anfangsstadium helfe es dabei noch, auf unnötige Belastungen wie eine intensive Smartphone-Nutzung, „vor allem auf drehende Handgelenkbewegungen wie beim Wischen auf dem Display“ zu verzichten oder eine Handschiene anzulegen, die nachts ein Abknicken der Gelenke verhindern soll. Gut schlägt häufig auch das einmalige Spritzen von entzündungshemmendem Kortison in die Engstelle an, dieses Verfahren wird hierzulande aber eher selten angewandt. Wesentlich häufiger ist ein operativer Eingriff (siehe auch Info-Box), der bei rund 300.000 Patienten jährlich durchgeführt wird.