home Panorama Nach Weinstein-Urteil: Star-Tenor Plácido Domingo räumt sexuelles Fehlverhalten gegenüber Frauen ein

Nach Weinstein-Urteil: Star-Tenor Plácido Domingo räumt sexuelles Fehlverhalten gegenüber Frauen ein

Nach den Vorwürfen sexueller Übergriffe gegen Plácido Domingo hat der spanische Opernstar Fehlverhalten eingestanden und sich bei den betroffenen Frauen dafür entschuldigt. „Ich übernehme die volle Verantwortung für mein Handeln, und bin aus dieser Erfahrung gewachsen“, teilte der 79-Jährige in einer Nachricht mit, die er an die Nachrichtenagentur Europa Press schickte. „Ich möchte, dass sie wissen, dass mir der Schmerz, den ich ihnen zugefügt habe, wirklich leid tut“.

Zahlreiche US-Auftritte nach Vorwürfen abgesagt

INFO-BOX:
Plácido Domingo
Plácido Domingo wurde 1941 in Madrid geboren und gilt als einer der vielseitigsten Tenöre überhaupt. Bisher hat er über 130 verschiedene Rollen gesungen. Seinen ersten Auftritt hatte Domingo 1959 als Borsa in der Verdi-Oper Rigoletto in Mexiko-Stadt. In seiner Karriere hat Domingo, der auch als Dirigent, Schauspieler und Intendant aktiv ist, über 21 Millionen Tonträger verkauft. Das erfolgreichste Album ist dabei „The Three Tenors in Concert“, gemeinsam mit José Carreras und Luciano Pavarotti.
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Zwischen den Zeilen schob der Startenor den Frauen allerdings eine Mitschuld an den Geschehnissen zu. „Ich habe mir in den letzten Monaten Zeit genommen, um über die Anschuldigungen nachzudenken“, schrieb Domingo. Und weiter: „Ich verstehe jetzt, dass einige Frauen vielleicht gefürchtet haben, sich ehrlich zu äußern, weil sie befürchteten, dass ihre Karriere dadurch beeinträchtigt werden könnte. Das war zwar nie meine Absicht, aber man sollte niemandem dieses Gefühl vermitteln“. Im August vergangenen Jahres hatte die US-Nachrichtenagentur Associated Press die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Sänger publik gemacht. Im Zuge der MeToo-Bewegung haben Domingo inzwischen rund 20 Frauen vorgeworfen, ihnen Küsse aufgezwungen, sie begrapscht oder ohne ihre Einwilligung gestreichelt zu haben. Die Fälle reichten dabei bis in die 1980er-Jahre zurück.

Domingo hatte die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen stets zurückgewiesen und davon gesprochen, alle seine sexuellen Handlungen und Beziehungen seien „immer willkommen und einvernehmlich“ gewesen. Sein Verhalten soll auch deshalb so lange folgenlos geblieben sein, weil er als einer der größten Opernstars der Welt als unantastbar galt.

Die Vorwürfe sorgten indes vor allem in den USA für einen massiven Karriereknick. So sagten zahlreiche Opernhäuser und Orchester, darunter in Philadelphia, San Francisco und Dallas Auftritte mit dem Klassik-Star ab. Domingo selbst sah sich gezwungen, alle seine Auftritte an der New Yorker Met zu canceln. Zudem trat er im Oktober als Generaldirektor der Oper in Los Angeles zurück. Im Gegenzug hielten zahlreiche andere Konzerthäuser, vor allem in Europa, an dem Spanier fest. So stand Domingo an der Berliner Staatsoper Unter den Linden im Januar in Guiseppe Verdis „La traviata“ auf der Bühne. Auch die Salzburger Festspiele und die Wiener Staatsoper wollen Auftritte im Sommer dieses Jahres wie geplant durchführen.

Unabhängiger Ermittler bestätigt „unangemessene Aktivitäten“

Wie die US-Operngewerkschaft AGMA am Dienstag bekanntgab, ist inzwischen auch ein unabhängiger Ermittler zu dem Schluss gelangt, dass „Herr Domingo tatsächlich unangemessene Aktivitäten ausgeübt hat, die von Flirt bis zu sexuellen Annäherungsversuchen reichten“. Die Vorfälle sollen aus der Zeit stammen, als der Spanier leitende Positionen an der Washington National Opera und der Los Angeles Opera innehatte. Auch vor diesem Hintergrund könnte die heutige Erklärung Domingos stehen. Diese kommt zudem nur einen Tag nach der Verurteilung des früheren Filmproduzenten Harvey Weinstein in New York. Weinstein wurde der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung für schuldig befunden. Wie hoch sein Strafmaß ausfällt, steht bisher noch nicht fest.

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