home Panorama Tschüss „Babo“ und „Smombie“: Wahl zum Jugendwort des Jahres fällt 2019 aus

Tschüss „Babo“ und „Smombie“: Wahl zum Jugendwort des Jahres fällt 2019 aus

Bild: pixabay.com / cuncon

Kein „I bims“, kein „Ehrenmann“ und auch kein „Smombie“ mehr. Die Wahl zum Jugendwort des Jahres fällt in diesem Jahr aus. Das bestätigte der Leiter des Pons-Verlages in Stuttgart, Erhard Schmidt, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Ob es sich nur um eine Pause oder gar das endgültige Aus für die stets medienwirksam inszenierte Wahl handelt, „wird noch entschieden“, sagte Schmidt.

Alternative Voting-Seite gehackt

Hintergrund der Entscheidung ist eine grundlegende Umwälzung der Verlagslandschaft. Jahrelang hatte der Langenscheidt-Verlag in München das Jugendwort des Jahres gekürt, um damit für sein Lexikon „100 Prozent Jugendsprache“ zu werben. In diesem Frühjahr aber hatte der zur Klett-Gruppe gehörende Pons-Verlag die Marke Langenscheidt und die dazugehörigen Produkte übernommen. „Der Deal kam für das Produkt zu einem ungünstigen Zeitpunkt“, so Pons-Chef Schmidt. Der Zustand des Lexikons sei nicht so gewesen, dass man das Produkt in diesem Jahr in einem vernünftigen Zustand hätte zu Ende führen können. Aus diesem Grund fällt nun auch die Werbung dafür aus. Richtig tragisch sei dies aber nicht, sagte Annette Trabold, Sprecherin des Leibnitz-Institutes für deutsche Sprache (IDS) in Mannheim. „Diese Jugendwörter waren ja nicht ganz einwandfrei statistisch belegt.“ So seien auch zahlreiche Modeerscheinungen und Eintagsfliegen darunter gewesen.

INFO-BOX:
Jugendwort
des Jahres
mehr dazu
2008: Gammelfleischparty
2009: hartzen
2010: Niveaulimbo
2011: Swag
2012: YOLO
2013: Babo
2014: Läuft bei dir
2015: Smombie
2016: fly sein
2017: I bims
2018: Ehrenmann/-frau
Das IDS erfasst seit Jahren Wortneuschöpfungen in einem Neologismenwörterbuch. „Die Auswahl des Jugendwortes hat unseren Ansprüchen nicht genügt“, so Trabold. Allerdings sei es immer schade, wenn ein Anlass abhanden komme, über Sprache nachzudenken und zu diskutieren. Ähnlich sieht das Sprachwissenschaftler Uwe Bahlo, der an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster zur Sprache der Jugend forscht. „Die Wahl zum Jugendwort hat zum Nachdenken über Sprache angeregt. Auch wenn es sicherlich unwissenschaftlich war, hat es doch so herrlich kontrovers zu Diskussionen um und über Sprache angeregt“, sagte Bahlo.

Medienberichten zufolge hatte sich zwischenzeitlich ein anderer Anbieter gefunden, der die Jugendwort-Wahl in einem reinen Online-Voting durchführen wollte. Nachdem die entsprechende Seite jedoch gehackt wurde, nahm man sie nicht nur vom Netz, sondern verabschiedete sich gleich wieder ganz von der Idee. Pons war nach eigenen Angaben an der neuen Wahl-Aktion nicht beteiligt. Man konnte sie aber auch nicht verbieten, da die Ermittlung eines Jugendwortes nicht geschützt ist.

„Gammelfleischparty“ 2008 erstes Jugendwort des Jahres

Sprachwissenschaftler Bahlo wäre „sehr dafür“, die Wahl wieder aufleben zu lassen – besonders im Sinne einer Diskussion. Und diese gab es in der Geschichte des Jugendworts des Jahres reichlich. Sei es über die „Gammelfleischparty“ als wenig schmeichelhafte Bezeichnung für eine Ü30-Party, das 2008 zum allerersten Jugendwort des Jahres gekürt wurde oder über das 2015 gekürte „Smombie“, das sich aus den Wörtern „Smartphone“ und „Zombie“ zusammensetzt und einen Menschen bezeichnet, der nichts von seiner Umwelt mitbekommt, weil er nur auf sein Telefon starrt. Bahlos persönlicher Favorit wäre übrigens der türkische Ausdruck „Cüs“, der so viel bedeutet wie „Oha“ oder „Boah“ und so ähnlich klingt wie das deutsche „Tschüss“. Doch bis auf weiteres heißt es jetzt erst einmal: Tschüss, Jugendwort!