home Politik Glyphosat: EU-Parlament lehnt Verlängerung der Zulassung für Unkrautvernichter um zehn Jahre ab

Glyphosat: EU-Parlament lehnt Verlängerung der Zulassung für Unkrautvernichter um zehn Jahre ab

Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat um zehn Jahre wurde heute vom Europaparlament abgelehnt. Stattdessen forderte das Parlament die endgültige Abschaffung des Herbizids spätestens zum 15. Dezember 2022. Der Vorschlag des Umweltausschusses, die Zulassung bereits 2020 auslaufen zu lassen, fand keine Mehrheit. Landwirten soll so eine fünfjährige Frist zur Entwicklung von Alternativen gegeben werden.

Glyphosat gilt als krebserregend

INFO-BOX:
Glyphosat
Glyphosat wird seit der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre weltweit zur Unkrautbekämpfung eingesetzt und ist seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden. Das Patent als Herbizid wurde 1974 dem Chemieunternehmen Monsanto erteilt. Glyphosat wird heute von mindestens 91 Chemieunternehmen in 20 Ländern hergestellt, die produzierte Menge wurde 2012 auf 720.000 Tonnen geschätzt. In Deutschland wird Glyphosat auf etwa 40 Prozent der Ackerflächen verwendet.
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Das Straßburger Parlament forderte zudem strengere Auflagen für den Einsatz von Glyphosat. So soll der Einsatz in Parks und auf Spielplätzen generell EU-weit verboten werden, ebenso die Behandlung der Pflanzen kurz vor der Ernte, wie dies bereits in Deutschland gilt. Am kommenden Mittwoch beschäftigen sich die EU-Mitglieder in Brüssel erneut mit dem Streitthema. Die Entschließung sei für die EU-Mitgliedsstaaten zwar nicht bindend, zeige jedoch, dass auch bei sehr umstrittenen Fragen Kompromisse möglich seien, so der CDU-Umweltexperte Peter Liese. Der Rat muss für oder gegen eine Zulassung mit qualifizierter Mehrheit entscheiden, für die mindestens 16 Staaten notwendig sind, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung vertreten. Deutschland wird sich voraussichtlich wie bei früheren Abstimmungen enthalten, da sich Umwelt- und Landwirtschaftsministerium nicht über das Vorgehen einig sind.

Glyphosat, das 1974 vom US-Konzern Monsanto entwickelt wurde, ist ein sogenanntes Totalherbizid, das auf alle grünen Pflanzen wirkt. Es blockiert ein Enzym, das die Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren benötigen, das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt. Mit Glyphosat können so Äcker vor oder kurz nach der Aussaat sowie nochmals nach der Ernte unkrautfrei gemacht werden.

Die internationale Krebsforschungsagentur IARC stuft das Mittel als „wahrscheinlich“ krebserregend ein, Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU hielten die Chemikalie in Studien für weniger gefährlich. Wie das Marktforschungsunternehmen „Kleffmann Group“ berichtet, wird Glyphosat weltweit auf rund 400 Millionen Hektar überwiegend landwirtschaftlich genutzter Flächen eingesetzt. In Deutschland beträgt diese Fläche etwa 16,7 Millionen Hektar.

Pflanzenschutzmittel steht auch für Gentechnik

BASF-Chef Kurt Bock verteidigte vor der heutigen Abstimmung das Herbizid. Glyphosat sei ein gutes Produkt und sollte in der EU auch weiterhin zugelassen werden, so der Manager. Auf Seiten der Glyphosat-Gegner befindet sich beispielsweise Horst-Henning Steinmann von der Universität Göttingen. Die Chemikalie stehe als weltweit dominierendes Pflanzenschutzmittel für eine Form der Landwirtschaft, die viele Kritiker habe. Außerdem werde es häufig von Monsanto im Paket mit genveränderten Pflanzen angeboten und stehe somit indirekt auch für die Gentechnik.

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