home Politik, Spiele Peinlicher Fehler: Türkische Medien geben Computerspiel-Szenen als Angriff auf YPG-Kämpfer aus

Peinlicher Fehler: Türkische Medien geben Computerspiel-Szenen als Angriff auf YPG-Kämpfer aus

Um das erfolgreiche Vorgehen türkischer Truppen im Norden Syriens zu illustrieren, haben türkische Medien das Video eines angeblichen Scharfschützeneinsatzes veröffentlicht. Den Berichten zufolge soll das Material aus dem Kampf um die syrische Stadt Afrin stammen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Szenen aus dem Computerspiel „Medal of Honor“.

Youtube-Video zeigt Spielszenen aus „Medal of Honor“

INFO-BOX:
Volksverteidigungs-einheiten (YPG)
Die Yekîneyên Parastina Gel (Volksverteidungseinheiten) sind eine kurdische Miliz in Syrien, die als bewaffneter Arm der kurdisch-syrischen Partei PYD betrachtet werden. Die Miliz gilt als die syrische Fraktion der PKK. Seit 2015 sind die YPG die Hauptkraft der "Demokratischen Kräfte Syriens" im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS).
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Der Berichterstattung der türkischen Medien folgend verläuft die Operation der türkischen Armee im Norden Syriens äußerst erfolgreich. Ziel des Einsatzes ist es, die kurdischstämmigen YPG-Kämpfer aus dem Grenzgebiet zu vertreiben. Nach Ansicht der Türkei handelt es sich bei der YPG um eine Terrororganisation. In den letzten Jahren hatten die kurdischen Kämpfer allerdings auch Unterstützung der NATO erhalten, um sich gegen den Islamischen Staat zur Wehr setzen und diesen zurückdrängen zu können.

In einer Meldung über die Kämpfe griffen die Zeitungen „Milliyet“ und „Habertürk“ sowie der angeschlossene Fernsehsender „Habertürk TV“ auf Material von Youtube zurück. Dort hatte ein Nutzer Anfang der Woche das inzwischen gelöschte Video „Jagen wir ein bisschen in Afrin bei der Operation Olivenzweig“ hochgeladen. Dieses wurde von den verantwortlichen Journalisten offenbar für echt gehalten und in die Beiträge eingebaut. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Spielszenen aus dem 2010 erschienenen Shooter Medal of Honor, in dem der Afghanistan-Konflikt thematisiert wird. Gezeigt wird eine Mission, die den Spieler in die Rolle eines US-Soldaten versetzt, der mit einem Scharfschützengewehr bewaffnet Taliban-Angehörige bekämpfen muss.

Habertürk-Redaktion sieht sich getäuscht

Der Fehler blieb nicht lange unbemerkt. In sozialen Netzwerken sorgte die Berichterstattung für Protest und spöttische Kommentare. Neben einer türkischen Faktenprüfseite berichteten auch andere Medien darüber. Auf eine Anfrage des Online-Portals „T-Online“ reagierte Habertürk nicht, aus Redaktionskreisen hieß es aber, man sei selbst getäuscht worden.

Fälle, in denen Bildmaterial aus Computerspielen als echt präsentiert wird, gab es in den letzten Jahren immer wieder. Vor einigen Monaten zeigte das russische Verteidigungsministerium eine Szene aus dem Spiel „AC-130 Gunship Simulator“, die die Zusammenarbeit der USA mit dem IS belegen sollte. Auch Medal of Honor wurde nicht zum ersten Mal für Fake-News missbraucht. Die jetzt in der Diskussion stehende Zeitung Milliyet berichtete 2016 selbst über einen Fall aus dem iranischen Fernsehen, in dem Spielszenen des Shooters als erfolgreicher Angriff der Hisbollah auf den Islamischen Staat ausgegeben wurden.

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