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Facebook: Mitarbeiter kritisieren Mark Zuckerberg wegen Umgang mit Trump-Post

Facebook-Mitarbeiter sind aufgrund des Umgangs von Gründer und CEO Mark Zuckerberg mit den umstrittenen gewaltverherrlichenden Äußerungen von US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit den Protesten gegen rassistische Polizeigewalt in den USA in eine Art virtuellen Streik getreten. Dies berichtet die „New York Times“. Zuckerberg verteidigte seine Haltung zu den Trump-Posts mit „freier Meinungsäußerung“. Diese soll bei dem sozialen Netzwerk nicht beschnitten werden.

Mitarbeiter streiken im Home-Office

„Mark liegt falsch – und ich werde so laut wie möglich versuchen, ihn umzustimmen“, schrieb beispielsweise Ryan Freitas, Verantwortlicher für das Produktdesign bei Facebooks Newsfeed, via Twitter. Auch Facebooks Chef-Designer Andrew Crow sieht dies ähnlich: „Ich stimme mit Marks Einstellung nicht überein und werde mich dafür einsetzen, dass sich etwas ändert“. Produktdesigner Jason Stirman erklärte gegenüber der „New York Times“: „Ich bin ein Facebook-Mitarbeiter, der überhaupt nicht mit der Entscheidung von Mark Zuckerberg einverstanden ist, nichts gegen Trumps jüngste Beiträge zu unternehmen, die ganz klar Gewalt anheizen“. Einige Mitarbeiter legten aus Protest die Arbeit im Home-Office nieder, andere drohten sogar mit Kündigung. Es blieb aber zunächst unklar, wie viele Beschäftigte sich an der Aktion beteiligten. Eine Facebook-Sprecherin teilte mit, man ermutige die Mitarbeiter, sich offen zu äußern, wenn sie nicht mit der Firmenführung einer Meinung seien.

INFO-BOX:
Facebook
Facebook in seiner heutigen Form besteht seit Frühjahr 2004. Neben Mark Zuckerberg waren Eduardo Saverin, Dustin Moskovitz und Chris Hughes an der Entwicklung beteiligt. Alle vier waren zu dieser Zeit Studenten an der Harvard University. Facebook hat heute rund 2,5 Milliarden monatliche Nutzer weltweit.
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Hintergrund der Proteste ist ein Beitrag von Trump über die Proteste in Minneapolis nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd. Der Präsident schrieb, man werde die Kontrolle über die öffentliche Ordnung wiederherstellen und fügte hinzu: „When the looting starts, the shooting starts“ (Wenn die Plünderungen beginnen, wird geschossen). Mit diesen Worten hatte bei den Rassenunruhen 1967 der damalige Polizeichef von Miami ein hartes Vorgehen gegen die schwarze Bevölkerung angekündigt. Neben Facebook veröffentlichte Trump den Post auch auf Twitter, das diesen mit einem Warnhinweis wegen Gewaltverherrlichung versah. Facebook ließ den Post hingegen unangetastet.

Zuckerberg schrieb am Freitag als Reaktion darauf: „Ich weiß, dass es viele Leute aufregt, dass wir die Posts des Präsidenten so gelassen haben, aber unsere Position ist, dass wir so viel (Meinungs-)Äußerung ermöglichen sollten wie möglich, sofern es kein unmittelbares Risiko bestimmter Schäden oder Gefahren verursacht, die in klaren politischen Maßnahmen dargelegt werden“. Trump erklärte später, er habe lediglich darauf hinweisen wollen, dass bei Plünderungen auch Schüsse fallen könnten. Der historische Kontext sei ihm nicht bekannt gewesen.

Trump droht sozialen Netzwerken mit Schließung

Dass bei Facebook kontrovers diskutiert wird, ob und wie sich das Unternehmen ins politische Geschehen einmischen sollte, ist wenig überraschend. Interessant ist vielmehr, wie viel davon nach außen dringt. Schon bei der Wahl Trumps zum US-Präsidenten vor rund vier Jahren war Facebooks Rolle intern umstritten. Der US-Journalist Steven Levy schrieb in seinem Buch „Facebook – Weltmacht am Abgrund“, dass die Mitarbeiter in der Facebook-Zentrale „zutiefst erschüttert“ gewesen seien. Zuckerberg erklärte indes, man werde auch auf Facebook Beiträge löschen, wenn in diesen zu Gewalt aufgerufen werde – auch wenn sie von einem Politiker stammten. „Wir standen heute in Kontakt mit dem Weißen Haus, um diese Regel zu erklären“, so der Facebook-Chef. Schon zuvor hatte der US-Präsident seinem Ärger über die sozialen Plattformen erneut Luft gemacht. Viele Republikaner hätten das Gefühl, dass die sozialen Medien konservative Stimmen „komplett verschweigen“. Um dem entgegenzuwirken würde die Regierung „sie streng regulieren oder ganz schließen“.

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Dennis Hain

Dennis Hain (B. Sc. Inf., B.Sc. CS) ist großer Technik und Games Fan. In seinem Job konnte er sich tiefe Kenntnisse der Software-Entwicklung im medizinischen Umfeld und künstlicher Intelligenz für Vollpreis-Computerspiele aneignen. Privat kann er keinem Spiel aus dem Weg gehen - auf News-Mag.de ist er daher für die Bereiche Technik und Spiele verantwortlich.