home Wirtschaft Containerschiff „Ever Given“ in Suezkanal havariert – Deutsche Wirtschaft in Sorge

Containerschiff „Ever Given“ in Suezkanal havariert – Deutsche Wirtschaft in Sorge

Ein großes Containerschiff blockiert seit dem gestrigen Morgen den Suezkanal. Das Schiff liegt quer im Kanal und berührt mit Bug und Heck die beiden Kanalseiten. Mehrere Schlepper versuchen bislang erfolglos, die in Panama registrierte „Ever Given“ freizubekommen. Das 400 Meter lange Containerschiff der Reederei Evergreen war von China in die Niederlande unterwegs. Die ägyptische Suezkanal-Behörde teilte indes mit, dass die Operation noch Tage dauern könne. Durch die Blockade befürchtet die deutsche Wirtschaft Einbußen. Der Ölpreis zog auch als Folge des Unglücks bereits um rund sechs Prozent an.

Stau mit mehr als 150 Schiffen durch Havarie

„Die Störung kommt zu einem schlechten Zeitpunkt“, erklärte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) gegenüber der F.A.Z. Besonders das Geschäft mit Deutschlands wichtigem Handelspartner China leide unter der Blockade. „Die Kapazitätsauslastung in der Chemie ist hoch. Entsprechend stark ist der Bedarf an Lieferungen aus Asien“. Auch die Maschinen- und Anlagenbauer blicken mit Sorgen auf die Havarie im Kanal. Die asiatischen Märkte seien in der aktuellen Corona-Krise die Wachstumstreiber für den Maschinen- und Anlagenbau, sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA, Ralph Wiechers. Am Ort des Geschehens staut sich der Schiffsverkehr nun in beide Richtungen. Die Hafenbehörde in Suez sprach von inzwischen etwa 150 wartenden Schiffen.

INFO-BOX:
Suezkanal
Der am 17. November 1869 eröffnete Suezkanal verbindet auf einer Länge von rund 193 Kilometern das Mittelmeer mit dem Roten Meer. Er bildet die Grenze zwischen Afrika und Asien. Die Suez Canal Authority kassiert pro Durchfahrt durchschnittlich etwa 300.000 Dollar.
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Auch der Verband deutscher Reeder warnte vor den Auswirkungen eines längeren Ausfalls des Kanals. „Das ist wie die Vollsperrung einer deutschen Autobahn. Je länger das dauert, desto deutlicher werden die Auswirkungen zu sehen sein“, so ein Verbandssprecher. Und wenn die Blockade des Suezkanals beendet sei, komme eine Ballung auf die Häfen zu, da alle Frachter auf einmal zur Abfertigung kämen. Nach Angaben von Experten und aus Schifffahrtskreisen dürfte auf den japanischen Eigentümer des 2018 gebauten Frachters, Shoei Kisen, und die Versicherer Forderungen in Millionenhöhe zukommen. „Alles fällt auf das Schiff zurück“, sagte David Smith, Seefahrt-Experte beim Versicherungsbroker McGill and Partners.

In Branchenkreisen ist inzwischen allein von rund 150 Millionen Dollar an Versicherungssumme für Schäden an Rumpf und Maschinen des Schiffs die Rede. Zudem dürften die Besitzer des gestauten Schiffe Schadenersatz fordern. „Das ist möglicherweise das größte Desaster mit einem Containerschiff, bei dem es keinen Knall gab“, sagte ein namentlich nicht genannter Anwalt. Shoei Kisen selbst entschuldigte sich inzwischen für den Vorfall und sprach von einer „extrem schwierigen“ Bergungsoperation.

Passagen durch Suezkanal bringen Ägypten Milliarden

In Hamburg hat der Vorfall derzeit noch keine großen Auswirkungen auf den Hamburger Hafen. Doch könnte die Blockade auch für Europas drittgrößte Anlaufstelle für Seeschiffe zu einem Problem werden. „Der Suezkanal ist nun mal die Hauptverbindungsroute zwischen Fernost und Europa“, so die Vorstandsvorsitzende des Hamburger Hafenkonzerns HHLA, Angela Titzrath. Daher hoffe man sehr, dass es nicht zu einer langfristigen Störung im Kanal und in der Folge zu dramatischen Verzögerungen bei der Abfertigung im Hafen komme. Durch den Suezkanal fließen rund zwölf Prozent des globalen Frachtvolumens und etwa 30 Prozent des Containervolumens. Im vergangenen Jahr passierten fast 19.000 Schiffe die Wasserstraße. Die alternative Route um die Südspitze Afrikas dauert gut eine Woche länger. Für Ägypten ist der Kanal auch eine wichtige Einnahmequelle. Die Erlöse für die Schiffspassagen betrugen im vergangenen Jahr rund 5,6 Milliarden Dollar.

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