home Auto, Wirtschaft Diesel-Skandal: Audi-Chef Rupert Stadler wegen Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft

Diesel-Skandal: Audi-Chef Rupert Stadler wegen Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft

Bild: audi-mediacenter.com / AUDI AG

In der Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen haben Ermittler mit Audi-Chef Rupert Stadler heute erstmals einen amtierenden Vorstandsvorsitzenden verhaftet. Wie die Staatsanwaltschaft München II bestätigte, wurde Stadler am Morgen wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft. Wegen den laufenden Ermittlungen könne man darüber hinaus keine weiteren Angaben zu den Hintergründen machen, so die Staatsanwaltschaft weiter.

Audi-Spitze wusste schon Ende 2015 von Abgasmanipulationen

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Die Audi Automobilwerke GmbH wurde 1910 in Zwickau gegründet und 1932 Teil der neu gegründeten Auto Union AG. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Auto Union 1949 neu gegründet und zunächst von Daimler, später von Volkswagen übernommen.
Bereits in der vergangenen Woche war ein Ermittlungsverfahren gegen Stadler sowie ein weiteres Mitglied des Audi-Vorstands eingeleitet worden. Auch Stadlers Privaträume hatte man durchsucht. Die Ermittler legen den Managern „Betrug sowie unmittelbare Falschbeurkundung“ zur Last. Schon nach der Aufdeckung der Manipulationen in den USA Ende 2015 soll die Konzernspitze auch von falschen Abgaswerten in Europa gewusst, anders als in den USA aber hierzulande keinen Vertriebsstopp angeordnet haben. So seien die betroffenen Fahrzeuge weiter hergestellt und in Europa in den Verkehr gebracht worden.

Bereits im März 2017 sowie im Februar dieses Jahres hatte es Razzien in der Ingolstädter Audi-Zentrale sowie im Werk Neckarsulm gegeben. Stadler hatte bisher stets bestritten, in die Abgasaffäre verwickelt zu sein. Seit 2015 hatten sechs Audi-Vorstände ihren Hut nehmen müssen. Auch gegen Stadler waren immer wieder Rücktrittsforderungen laut geworden.

Abgasbetrug kostete VW bisher 25 Milliarden Euro

Eine bevorstehende Ablösung des 55-jährigen, der seit über zehn Jahren an der Audi-Spitze steht und als Vertrauter der Eigentümerfamilien Porsche und Piech gilt, bezeichneten Experten am vergangenen Wochenende dennoch als unwahrscheinlich. Die Verhaftung des Audi-Vorstandsvorsitzenden soll heute auch Thema bei einer turnusmäßigen Volkswagen-Aufsichtsratssitzung sein. Wie das Portal „t-online“ berichtet, hängt die Zukunft Stadlers im Wesentlichen davon ab, was die Staatsanwaltschaft gegen ihn vorbringen kann. Eine Ablösung sei auch deshalb nicht einfach, da ein potenzieller Nachfolger beschädigt würde, sollten weitere Abgasmanipulationen ans Licht kommen.

Der millionenfache Abgasbetrug hat den Mutterkonzern Volkswagen bisher mehr als 25 Milliarden Euro gekostet. Die VW-Aktie nach Bekanntwerden der Verhaftung Stadlers um zwei Prozent ein. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat für 216.000 Audi-Diesel einen Rückruf angeordnet, zuletzt waren davon rund 60.000 Stück der Oberklasse-Modelle A6 und A7 betroffen.