home Panorama Foodwatch: Glacèau Smartwater von Coca Cola gewinnt den „Goldenen Windbeutel 2018“

Foodwatch: Glacèau Smartwater von Coca Cola gewinnt den „Goldenen Windbeutel 2018“

Bild: foodwatch.org / Foodwatch

Unternehmen freuen sich in der Regel über jeden Preis, den sie für ihre ausgetüftelten Produkte einheimsen. Anders dürfte das aktuell beim Getränke-Riesen Coca-Cola aussehen: Die Verbraucherorganisation Foodwatch zeichnete den Konzern heute für die „dreisteste Werbelüge des Jahres“ mit dem „Goldenen Windbeutel 2018“ aus. In einem „starken“ Teilnehmerfeld setzte sich das dampfdestillierte „Glacèau Smartwater“ von Coca-Cola unter anderem gegen das „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz durch.

„Von den Wolken inspiriert“ und zu höllischen Preisen verkauft

Über 70.000 Verbraucher haben bis zum 2. Dezember ihre Stimme auf der Plattform „schummelmelder.de“ abgegeben und dort ein eindeutiges Voting hinterlassen. Mit 30,5 Prozent der Stimmen konnte sich das „Smartwater“ klar gegen das Kids Ketchup von Heinz, die Corny Milch Riegel von Schwartau, das Bratöl Olive von Dennree und den Erbsen-Eintopf von Edeka durchsetzen.

Ergebnis der Wahl zum „Goldenen Windbeutel 2018“
© foodwatch.org / Foodwatch

Der Sieg für das Smartwater kommt nicht von ungefähr. Das zeigt ein Blick auf das Verarbeitungsverfahren des Getränks, das auf den ersten Blick hochwissenschaftlich klingt. Demnach handelt es sich laut Coca-Cola um dampfdestilliertes Wasser, das anschließend durch Kondensation wieder verflüssigt wird. Verlorene Mineralien werden im Rahmen dieses Prozesses wieder hinzugefügt. Geht es nach Coca-Cola, ist das Verfahren „von den Wolken inspiriert“ und steht für einen „klaren, frischen Geschmack.“ Einen Geschmack allerdings, für den Verbraucher etwa siebenmal so viel zahlen müssen wie für normales Wasser.

Coca-Cola greift Foodwatch scharf an

„Das Smartwater ist einfach nur ein schnödes Wasser, teuer verkauft“, so Sophie Unger von Foodwatch. Und tatsächlich ist das Verfahren ernährungsphysiologisch völlig unnütz und ohne jeglichen Effekt. Demnach handelt es sich nach Ansicht von Foodwatch um eine besonders dreiste Verbraucherabzocke auf Basis eines „hanebüchenen Herstellungsverfahrens“. Die Verbraucher sahen das ähnlich. Die Verbraucherorganisation geht aber noch weiter und fordert den Handel gar auf, den zweifelhaften Preisträger aus dem Sortiment zu nehmen.

„Preisverleihung“ bei Coca-Cola in Berlin
© foodwatch.org / Foodwatch – Foto: Foodwatch/Picture Alliance/Peter-Paul Weiler

Wie nicht anders zu erwarten, nahm auch der achte Preisträger des „Goldenen Windbeutels“ den Publikumspreis der ganz besonderen Sorte nicht an. Coca-Cola Deutschland verteidigte das Produkt, das für 1,65 Euro pro Liter im Handel erhältlich ist. In einer Presseerklärung teilte der Konzern mit:

„Die Deklaration und Kennzeichnung des Wassers sind transparent und entsprechen den lebensmittelrechtlichen Regelungen. Sämtliche Aussagen zum Getränk und seinen Inhaltsstoffen sind selbstverständlich zugelassen. […] Es wird aus natürlichem Mineralwasser hergestellt. Dieses wird durch innovative Dampfdestillation aufbereitet und anschließend mit Mineralsalzen versetzt.“

Eine Aussage, die nichts daran ändert, dass es sich um normales Mineralwasser handelt. Das Unternehmen geht dennoch in die Offensive und vermutet hinter der Nominierung von Smartwater nicht die Verbraucher, sondern den Foodwatch-Kampagnenchef Oliver Huizinga. Weiter wirft der Getränkeriese der Verbraucherorganisation vor, das Produkt ausschließlich aus PR-Gründen nominiert zu haben, um Aufmerksamkeit für die Preisverleihung zu generieren.