home Gesundheit, Panorama Bremen: Mann stirbt rund zwei Wochen nach Hundekuss an schwerer Sepsis

Bremen: Mann stirbt rund zwei Wochen nach Hundekuss an schwerer Sepsis

Bild: pixabay.com / benibeny

In einem medizinischen Ausnahmefall ist ein 63-jähriger Mann in Bremen nach dem Schmusen mit seinem Hund an einer schweren Infektion gestorben. Bei dem Mann sei das Bakterium „Capnocytophaga canimorsus“ nachgewiesen worden, das im Hundespeichel vorkommt.

Weltweit nur ein weiterer Fall bekannt

INFO-BOX:
Capnocytophaga canimorsus
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Capnocytophaga canimorsus ist ein gramnegatives, stäbchenförmiges Bakterium der Gattung Capnocytophaga, das üblicherweise im Maul von Hunden und Katzen vorkommt. Für die Tiere ist das Bakterium unschädlich, bei Menschen kann es in sehr seltenen Fällen nach Hundebissen zu Infektionen führen. Seit der Entdeckung 1976 belaufen sich die gegenwärtigen Schätzungen auf einen Fall pro 1 Million Menschen. Bei frühzeitiger Erkennung kann die Infektion effektiv mit Antibiotika behandelt werden.
Wie die Ärzte im behandelnden Rotes-Kreuz-Krankenhaus RKK mitteilten, kam der Patient im August vergangenen Jahres mit Anzeichen einer schweren Blutvergiftung ins Krankenhaus. Trotz einer Behandlung mit Antibiotika starb der Mann 16 Tage später an multiplem Organversagen, schrieben der Ärzte im „European Journal of Case Reports in Internal Medicine“. Der Mann war zuvor zwar von seinem Hund abgeleckt, aber nicht gebissen worden. Eine Sepsis gilt als extrem gefährlich und sollte möglichst schnell behandelt werden. Wie die „Sepsis-Stiftung“ rät, sollte man beim Auftreten von mindestens zwei der folgenden Symptome schnellstmöglich ein Arzt aufsuchen: Fieber oder Schüttelfrost, Verwirrtheit, schnelle Atmung, extremes Krankheitsgefühl sowie verfärbte Arme und Beine.

Während ein Infektionsrisiko bei Tierbissen weithin bekannt ist, ist eine Infektion durch Ablecken äußerst selten. Hierbei können jedoch Erreger in kleine Hautdefekte eindringen. Bei schweren Verläufen spielen zudem Risikofaktoren wie ein geschwächtes Immunsystem, eine Milzentfernung oder Alkoholkrankheit eine Rolle. Der Bremer Patient gehörte jedoch zu keiner dieser Risikogruppen, berichtete Martin Langenbeck, Chefarzt der Notaufnahme am RKK. Weltweit sei bisher gerade einmal ein weiterer Fall mit einem solch schweren Krankheitsverlauf bekannt. Hat sich ein Patient hingegen mit „Capnocytophaga canimorsus“ infiziert und wird dies als Ursache zu spät erkannt, verläuft die Infektion in 25 Prozent der Fälle tödlich. Der Erreger kommt häufig in der Mundschleimhaut von Hunden und Katzen vor. In seltenen Fällen habe man ihn auch bei Kaninchen festgestellt, so Lisa Sprague vom Jenaer Friedrich-Loeffler-Institut. Humane Infektionen seien dabei neben Europa auch in den USA, Kanada, Australien und Südafrika aufgetreten.

Tierbisse immer vom Arzt behandeln lassen

Aus dem vorliegenden Fall könne man jedoch keine Verhaltensregeln ableiten, ob man mit seinen Haustieren schmusen oder sich gar ablecken lassen solle, so das Bremer Krankenhaus. Bemerke man an sich merkwürdige Symptome und besitze Haustiere, sollte man dies aber in jedem Fall ärztlich abklären lassen. Anders sieht dies bei Tierbissen aus. Bisswunden sollte man immer von einem Arzt reinigen und versorgen lassen. So könne die Gefahr schwerer septischer Verläufe von vornherein eingedämmt werden. Menschen mit hohem Infektionsrisiko sollten zudem Antibiotika erhalten. Die Frage einer generellen Vorbeugung mit Antibiotika nach Hunde- oder Katzenbissen sei hingegen noch nicht abschließend geklärt.