home Panorama, Politik Friedensnobelpreis 2020 geht an UN-Organisation World Food Programme

Friedensnobelpreis 2020 geht an UN-Organisation World Food Programme

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Programme). Dies gab das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekannt. Die UN-Organisation werde damit unter anderem für ihre Bemühungen im Kampf gegen den Hunger sowie ihren Beitrag zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten ausgezeichnet, sagte der Komitee-Vorsitzende Berit Reiss-Andersen bei der Bekanntgabe. Dies sei besonders in Zeiten der Corona-Pandemie wichtig. Hunger zu verhindern trage mit dazu bei, Stabilität und Frieden in der Welt zu schaffen.

WFP zeitweise „die größte Fluggesellschaft der Welt“

„Dies ist ein stolzer Moment“, sagte der Sprecher des World Food Programme (WFP), Tomson Phiri, nach der Zuerkennung des Preises in Genf. Phiri war in einer Pressekonferenz gerade dabei, über die Arbeit des WFP im Sudan zu berichten, als der Preisgewinn bekannt wurde. Dieser sei eine Anerkennung sowohl für die Mitarbeiter als auch für die vielen freiwilligen Helfer und Helferinnen in aller Welt. „Wir sind sprachlos“ twitterte die Organisation zudem in einer ersten Reaktion. „Wir haben auch in diesem Jahr geliefert und unsere Pflicht erfüllt“, so Phiri. Das WFP habe trotz der weltweit gültigen Reisebeschränkungen Hungrige versorgt. „Wir waren zu einem bestimmten Zeitpunkt die größte Fluggesellschaft der Welt“. Das WFP hatte Maschinen gechartert, nachdem kommerzielle Flüge, die sonst viel Material für das Welternährungsprogramm befördern, nicht mehr geflogen waren.

Insgesamt 211 Personen und 107 Organisationen nominiert

INFO-BOX:
UN World Food Programme (WFP)
Das WFP wurde 1961 von der UN-General-versammlung sowie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beschlossen. 1963 nahm es seine Arbeit auf. Das Hauptquartier liegt in Rom. Das WFP hat heute rund 15.000 Mitarbeiter.
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Mit dem WFP ehre man die größte humanitäre Organisation der Welt, so Reiss-Andersen. Im vergangenen Jahr habe es fast 100 Millionen Menschen in 88 Staaten unterstützt, die Opfer von Hunger und Lebensmittelknappheit geworden seien. Im gleichen Jahr hätten allerdings weltweit 135 Millionen Menschen an Hunger gelitten. Dies ist die höchste Zahl seit vielen Jahren.

Das Kandidatenfeld für den Friedensnobelpreis war indes in diesem Jahr sehr groß. Einen klaren Favoriten gab es im Vorfeld jedoch nicht. In den Wettbüros wurden die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Klimaaktivistin Great Thunberg hoch gehandelt. Experten hatten eher damit gerechnet, dass der Preis an eine Journalistenorganisation oder junge Aktivisten aus dem Sudan oder Somalia gehen könnte.

Insgesamt waren in diesem Jahr 211 Persönlichkeiten und 107 Organisationen nominiert. Die Nobel-Institutionen selbst halten die Namen der Kandidaten 50 Jahre lang geheim. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) gratulierte dem WFP via Twitter. Die Ehrung sei „hochverdient“. Der „unermüdliche Einsatz“ des WFP rette jeden Tag Millionen Menschen vor Hunger und Mangelernährung. Deutschland sei stolz, dass es weltweit als zweitgrößter Geber Partner des WFP sei.

Friedensnobelpreis wird als Einziger in Oslo verliehen

Der Friedensnobelpreisträger wird im Gegensatz zu den anderen Nobelpreisträgern nicht in Stockholm, sondern in Oslo verkündet. Dort wird der Preis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, auch überreicht. Aufgrund der Corona-Pandemie müssen die Veranstaltungen in Stockholm und Oslo 2020 in anderem und deutlich kleinerem Rahmen stattfinden. In diesem Jahr sind die Nobelpreise mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 950.000 Euro) dotiert. Dies ist eine Million Kronen mehr als im Vorjahr. Damals hatte Ägyptens Regierungschef Abiy Ahmed vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea den Friedensnobelpreis erhalten. Zuvor wurden bereits Persönlichkeiten wie Albert Schweitzer (1952), Willy Brandt (1971), Mutter Teresa (1979) oder Nelson Mandela (1993) ausgezeichnet. 2009 erhielt ihn der damalige US-Präsident Barack Obama. 2017 wurde die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) geehrt.

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