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Kardinal Reinhard Marx gibt Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz ab

Bild: wikimedia.org / Degreezero / Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx zieht sich vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zurück. Vor der Frühjahrs-Vollversammlung der Konferenz vom 2. bis 5. März in Mainz schrieb Marx in einem Brief an die anderen Bischöfe der katholischen Kirche in Deutschland, er stehe für eine eventuelle zweite Amtszeit nicht zur Verfügung. Der Kardinal begründete diesen Schritt mit seinem Alter. Am Ende der nächsten Amtszeit wäre Marx 72 Jahre alt.

Marx treibende Kraft hinter dem Synodalen Weg

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Die erste deutsche Bischofskonferenz fand 1848 in Würzburg statt. 1867 versammelten sich die deutschen Bischöfe erstmals „am Grabe des heiligen Bonifatius“ in Fulda, woraus die Fuldaer Bischofskonferenz entstand. Diese benannte sich im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils 1966 in Deutsche Bischofs-konferenz um. Ihre prägendsten Vorsitzenden nach dem Zweiten Weltkrieg waren Joseph Frings (Erzbischof von Köln, 1945-1965), Julius Döpfner (Erzbischof von München und Freising, 1965-1976), Joseph Höffner (Erzbischof von Köln, 1976-1987) sowie Karl Lehmann (Bischof von Mainz, 1987-2008).
Der Entschluss stehe schon „seit einiger Zeit“ für ihn fest. Zum Ende einer möglichen zweiten Amtszeit wäre auch „das Ende meiner Aufgabe als Erzbischof von München und Freising nahe. Ich finde, es sollte die jüngere Generation an die Reihe kommen – und vielleicht ist es auch gut, wenn es häufiger einen Wechsel in dieser Aufgabe gibt“, so Marx. Er habe das Amt gerne ausgeübt, jedoch habe alles seine Zeit.

Der Münchner Kardinal gilt als die treibende Kraft hinter dem sogenannten Synodalen Weg, dem auf zwei Jahre angelegten Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland. Darin geht es unter anderem um die Sexualmoral der Kirche, die Stellung der Frau und den Zölibat. Marx hatte den Prozess als Reaktion auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche wesentlich mit initiiert. Konservative Bischöfe kritisieren den Synodalen Weg allerdings offen, namhaftester Kritiker ist der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

Marx kündigte indes an, er wolle auch weiterhin in der Bischofskonferenz mitarbeiten und sich aktiv für den Synodalen Weg engagieren. „Zugleich möchte ich jetzt auch wieder stärker im Erzbistum München und Freising präsent sein“, so der Kardinal. Der 66-Jährige steht seit mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze eines der reichsten katholischen Bistümer. Von 2002 bis 2008 war er Bischof von Trier. Schon 2008 wurde er als Favorit für den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz gehandelt, unterlag damals aber dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. 2014 klappte es dann für Marx. Die Amtszeit des Vorsitzenden dauert sechs Jahre, in diesem Jahr hätte er sich somit zur Wiederwahl stellen müssen. Stellvertreter von Marx ist der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.

Bischofskonferenz kann keine Vorschriften machen

Die Bischofskonferenz ist das Führungsgremium der katholischen Kirche in Deutschland. In ihr sitzen derzeit 69 deutsche Bischöfe aus allen 27 Diözesen. Allerdings kann sie den einzelnen Bischöfen keine Vorschriften machen, daher trat Marx eher als Initiator und Moderator auf. Der neue Bischof von Augsburg, Bertram Meier, zeigte sich indes vom Rückzug Marx überrascht. Er habe stets „seine Schaffenskraft, seine zupackende Art und auch seine Geselligkeit bewundert, die ihn so menschlich macht“, sagte Meier gegenüber „n-tv“. „Den Dienst an der Einheit innerhalb der Bischofskonferenz zu leisten, war sicherlich auch kräftezehrend“.