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„PC Wahl“: Chaos Computer Club warnt vor Manipulationen bei der Bundestagswahl

Der geplante Einsatz einer Software zur Übermittlung der Wahlergebnisse bei der Bundestagswahl sorgt derzeit für Aufsehen. Sicherheitsforscher des Chaos Computer Clubs (CCC) haben bei der Untersuchung des Programms gravierende Mängel festgestellt. Hacker könnten versuchen, diese zur Manipulation der Wahlergebnisse zu missbrauchen.

Mangelnde Verschlüsselung in „PC Wahl“ erlaubt Manipulation

INFO-BOX:
Chaos Computer Club
Der Chaos Computer Club (CCC) ist ein 1981 gegründeter Verein, der Hackern eine Plattform geben und über Aktivitäten berichten will. Seit seiner Gründung hat sich der CCC zu einer maßgebenden NGO in allen Fragen der Computersicherheit entwickelt. Der CCC hat seinen Sitz in Hamburg und nach eigenen Angaben rund 5.500 zahlende Mitglieder.
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Das Programm „PC Wahl“ soll am 24. September von einigen Kommunen eingesetzt werden, um die händisch ausgezählten Wahlergebnisse zügig an den Landeswahlleiter zu übermitteln. Weil der Software dadurch eine wichtige Rolle zukommt, wurde sie vom CCC genauer unter die Lupe genommen. Dabei zeigte sich, dass der Hersteller nur wenig Wert auf eine sichere Übertragung der Daten gelegt hatte. Nach Erkenntnissen der Experten habe es weder eine wirksame Verschlüsselung noch Authentifizierung gegeben, was es Dritten mit Zugriff auf das Programm ermöglicht hätte, die weitergegebenen Daten unbemerkt zu manipulieren. Laut CCC-Sprecher Linus Neumann ist das Programm so schlecht gewesen, dass man es nie hätte einsetzen dürfen.

Auf die Fehler hatte der CCC den Hersteller erstmals im Juni hingewiesen. Seither wurden mehrere Updates für PC Wahl veröffentlicht, die nach Ansicht der Experten aber nicht ausreichen, um die Schwachstellen im Programm zu beseitigen. Probleme auf den Servern des Herstellers wurden hingegen behoben. Dieser verteidigte sich gegen die Behauptung des CCC, dank der Schwachstellen wäre es möglich, die Bundestagswahl zu manipulieren. Im schlimmsten Fall könne ein Angreifer Verwirrung stiften, da die korrekten Ergebnisse weiterhin in Papierform vorliegen und somit jederzeit überprüfbar sind. Der CCC forderte dennoch, Sicherheit, Korrektheit und Nachvollziehbarkeit der Wahlergebnisse nicht der Beschleunigung der Prozesse zu opfern.

Wahlhelfer sollen Ergebnis nach Übertragung prüfen

Den Wahlorganisatoren sind die Probleme nicht verborgen geblieben. Der hessische Landeswahlleiter warnte die Kreiswahlleiter in einem Schreiben davor, dass ein Versuch der Einflussnahme oder Störung der Wahldatenübermittlung nicht ausgeschlossen werden könne. Deshalb sollen Wahlhelfer die übermittelten Ergebnisse nach dem Verschicken auf der Webseite des Statistischen Landesamtes prüfen und etwaige Unstimmigkeiten melden. Dass es aufgrund der Softwarelücken tatsächlich zur Wahlfälschung kommt, gilt trotz allem als relativ unwahrscheinlich, da Unregelmäßigkeiten durch Neuauszählungen aufgedeckt werden können.

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