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Reisepass zurück: Regimekritiker Ai Weiwei darf China wieder verlassen

Der bei der chinesischen Regierung in Ungnade gefallene Künstler Ai Weiwei hat nach über vier Jahren seinen Reisepass zurückerhalten. Dieser war dem Regimekritiker im Zuge eines Verfahrens wegen angeblicher Wirtschaftsvergehen entzogen worden. Reisen ins Ausland waren dem international gefragten Ai so seit 2011 unmöglich.

Deutschlandbesuch wahrscheinlich

Der Rückgabe des Reisepasses war eine Entspannung der Verhältnisse zwischen dem Künstler und den Behörden vorausgegangen. Ai hatte in den vergangenen Monaten vier neue Ausstellungen in Pekings Künstlervierteln eröffnet und konnte damit ins Licht der Öffentlichkeit zurückkehren. Nach seiner Festnahme 2011 war dies für einige Jahre undenkbar.

Als wahrscheinlich gilt, dass Ai seine zurückgewonnene Freiheit auch für einen Besuch in Deutschland nutzt, da sein sechsjähriger Sohn in einer Berliner Schule ausgebildet wird. Außerdem dürfte sich der Chinese für eine Nachuntersuchung in die Obhut hiesiger Ärzte begeben. 2009 musste er sich nach einem Übergriff durch chinesische Beamte einer Kopfoperation unterziehen, die von Ärzten in München durchgeführt wurde.

Dauerkonflikt mit dem Staatsapparat

Aufgrund seiner kritischen Haltung war Ai Weiwei in der Vergangenheit immer wieder in Konflikt mit den chinesischen Machthabern geraten. 2010 verhinderte man, dass er der Verleihung des Nobelpreises beiwohnt, 2011 wurde sein Atelier abgerissen. Nur wenige Monate später folgte seine Inhaftierung, die in Hausarrest umgewandelt wurde, nachdem er 81 Tage in Einzelhaft verbracht hatte. Gleichzeitig wird vonseiten der Behörden verhindert, dass Ai in seinem Heimatland größere Anerkennung für seine Kunst zuteilwird. Während Arbeiten von ihm weltweit in Ausstellungen gezeigt wurden und beispielsweise in Berlin Hunderttausende Besucher anlockten, bleibt ihm diese Ehre in China momentan verwehrt.

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Ralf Schmidl

Als Politologe und Online-Redakteur kümmert sich Ralf auf News-Mag in erster Linie um die Bereiche Politik und Wirtschaft. Aber auch zu Lifestyle-Themen wie Smart Living, Car-Trends oder Verbraucherschutz steuert er regelmäßig Artikel auf News-Mag bei.

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