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Skandale und hohe Preise: US-Modekette American Apparel zum zweiten Mal insolvent

American Apparel droht das endgültige Aus. Die US-Modekette konnte trotz eines Neustarts im Februar dieses Jahres nicht auf die Erfolgsspur zurückfinden und musste nun zum zweiten Mal Insolvenz anmelden. Teile des Unternehmens sollen an Konkurrenten verkauft werden.

66 Millionen Dollar von Rivale Gildan

INFO-BOX:
American Apparel
American Apparel wurde 1997 von Dov Charney gegründet. Die Besonderheit des Labels ist, dass es nach eigenen Angaben Sweatshop-freie Kleidung anbietet, die in der Innenstadt von Los Angeles hergestellt wird.
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Laut Medienberichten hat der kanadische Rivale Gildan Interesse an Markenrechten, Produktion und Vertrieb von American Apparel angemeldet. Auf diesem Weg wollen die US-Amerikaner 66 Millionen Dollar in die klammen Kassen spülen. Auch wenn das Geschäft nach jetzigem Stand danach unverändert weitergehen soll, könnte der Verkauf der Auftakt für die Zerschlagung des Jugendlabels sein.

Für die europäischen Mitarbeiter fallen die Nachrichten ebenfalls unerfreulich aus. Obwohl es kein offizielles Statement der zuständigen Geschäftsführung gibt, scheint sich American Apparel zumindest teilweise vom hiesigen Markt zurückziehen zu wollen. Auf der Webseite des Unternehmens ist zu lesen, dass man in Europa keine Online-Präsenz mehr unterhalte, aber weiterhin als lokaler Händler auftreten will. Ob damit der Erhalt aller sechs Geschäfte in Deutschland sichergestellt ist, bleibt abzuwarten.

Sexuelle Belästigung von Mitarbeiterinnen?

Mit American Apparel scheitert eine Idee, die in den USA spätestens seit des aktuellen Wahlkampfs wieder hoch im Kurs steht: Produkte „Made in USA“. Der Modekonzern verzichtet anders als Konkurrenten wie Zara, Primark und H&M darauf, in Billiglohnländern zu produzieren und setzt stattdessen vollständig auf den Standort USA. Im Preiskampf kann man deshalb nicht mithalten. Kunden, die bei American Apparel einkaufen, müssen für vergleichbare Produkte teilweise doppelt so viel ausgeben.

Für den Niedergang der einstmals angesagten Marke dürfte das allein aber nicht verantwortlich sein. Zahlreiche Skandale um den Gründer und ehemaligen Chef Dov Charney, der unter anderem aufgrund des Vorwurfs der sexuellen Belästigung von Mitarbeiterinnen vor Gericht stand, sollen Kunden und Investoren ebenfalls verschreckt haben. Charney wurde deshalb schon 2014 vom Aufsichtsrat aus dem Unternehmen gedrängt.

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