home Politik Brexit: Großbritannien tritt aus EU aus – Premierminister Cameron kündigt Rücktritt an

Brexit: Großbritannien tritt aus EU aus – Premierminister Cameron kündigt Rücktritt an

In Großbritannien wurde beim gestrigen Referendum eine historische Entscheidung gefällt. Das Kopf-an-Kopf-Rennen um den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU haben die Gegner der Union für sich entschieden. Nach mehr als 40 Jahren ist Großbritannien damit das erste Land, das das Staatenbündnis verlassen will. Premierminister David Cameron zog am Morgen die Konsequenzen aus der Entscheidung.

Mehrheit in England und Wales für den Austritt

Nach der Auszählung eines Großteils der Stimmen steht fest, dass die Tage der britischen EU-Mitgliedschaft gezählt sind. Rund 52 Prozent der Bürger haben für den Ausstieg des Landes aus der EU votiert. Dabei zeigte sich kein einheitliches Bild. Während in Schottland (62 Prozent) und Nordirland (56 Prozent) mehrheitlich für die EU-Mitgliedschaft gestimmt wurde, strafte man die Union in England und Wales ab. Dort sprachen sich jeweils rund 53 Prozent der Bürger für den Austritt aus.

Ergebnisse der einzelnen Länder © bbc.com / BBC
Ergebnisse der einzelnen Länder © bbc.com / BBC

Regierungschef Cameron, der das Referendum schon 2013 in Aussicht gestellt und zuletzt für einen Verbleib in der EU geworben hatte, kündigte am Freitagmorgen seinen Rücktritt bis Oktober an. Er werde die nächsten Wochen noch im Amt bleiben, um das Land auf einem stabilen Kurs zu halten. Das Land brauche aber eine neue Führung, so Cameron. Schon im Vorfeld der Abstimmung hatte es Zweifel daran gegeben, dass ein Politiker, der für die EU-Mitgliedschaft einsteht, die Austrittsverhandlungen führen könne.

Rechtspopulisten in ganz Europa feiern Brexit

INFO-BOX:
EU-Austritt
nach Artikel 50 EUV
Die ursprünglichen EU-Verträge sahen keinen Austritt aus der EU vor, erst seit den Verträgen von Lissabon (2009) besteht mit Einführung von Artikel 50 EUV eine solche Ausstiegsklausel. Die Union handelt in der Folge das Abkommen über den Austritt sowie die künftigen Beziehungen des betroffenen Staates mit der EU aus.
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Die Reaktionen auf den Ausgang des Referendums waren gemischt. Während im Lager der EU-Gegner in der gesamten Union Hochstimmung herrschte, drückten proeuropäische Politiker ihr Bedauern und gleichzeitig Kampfeswillen aus. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner twitterte beispielsweise, man müsse das Momentum nutzen, um Europa besser zu machen. Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich schon im Vorfeld ähnlich: „Wir sollten aus der Krise Lehren ziehen und weiter diskutieren, wie wir in Europa leben wollen.“

Der britische Rechtspopulist und prominente EU-Kritiker Nigel Farage sprach von einem Sieg der einfachen, anständigen Leute. Man habe das Ergebnis ohne einen Kampf erzielt, ohne eine einzige Kugel abzufeuern, so der Chef der Anti-EU-Partei UKIP. In Frankreich und den Niederlanden nutzten Politiker des rechten Lagers die Situation, um ähnliche Volksabstimmungen zu fordern. Der Chef der niederländischen „Partei für die Freiheit“, Geert Wilders, jubelte auf Twitter „Bye bye Brüssel“ und kündigte einen Nexit an, den Austritt der Niederlande aus der EU.

Wirtschaft reagiert geschockt

Die Nachricht über den Ausgang des Votums hat am Morgen Schockwellen durch die Wirtschaftswelt geschickt. Pfund und Euro verloren massiv an Wert, Aktien zahlreicher Großunternehmen brachen ein. Besonders hart traf es die britischen Großbanken, die rund 30 Prozent einbüßten. Aber auch Unternehmen wie die britischen Fluggesellschaften Ryanair und Easyjet bekamen die Auswirkungen zu spüren. Die Aktien beider Unternehmen stürzten um 18 Prozent ab. Neben den wirtschaftlichen Turbulenzen droht dem Vereinigten Königreich nun zudem eine weitere politische Krise. Da Nordirland und Schottland sich mehrheitlich für den Verbleib in der EU ausgesprochen haben, fordern bereits erste Politiker, die Unabhängigkeit der beiden Regionen zur Diskussion zu stellen.

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