home Politik Krebs durch Glyphosat? EU streitet über weitere Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels

Krebs durch Glyphosat? EU streitet über weitere Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels

Die Wiederzulassung von Glyphosat ist aktuell eine der umstrittensten Fragen der europäischen Politik. Das weltweit am häufigsten verwendete Pflanzenvernichtungsmittel steht im Verdacht, Krebs auszulösen, weshalb Politiker zahlreicher EU-Länder sich gegen eine neuerliche Lizenz aussprechen. Eine Entscheidung des zuständigen Fachausschusses wurde jetzt zum zweiten Mal vertagt.

Schmidt: Einsatz von Glyphosat nur durch „Profis“

INFO-BOX:
Glyphosat
Glyphosat wird seit der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre weltweit zur Unkrautbekämpfung eingesetzt und ist seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden. Das Patent als Herbizid wurde 1974 dem Chemieunternehmen Monsanto erteilt. Glyphosat wird heute von mindestens 91 Chemieunternehmen in 20 Ländern hergestellt, die produzierte Menge wurde 2012 auf 720.000 Tonnen geschätzt. In Deutschland wird Glyphosat auf etwa 40 Prozent der Ackerflächen verwendet.
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Eigentlich hatten die Mitglieder des Ausschusses bereits in einer Sitzung am Mittwoch über eine verlängerte Zulassung des Unkrautvernichters entscheiden sollen. Das Zusammentreffen blieb allerdings genauso wie der zweite Termin am heutigen Donnerstag ergebnislos. Im Gremium herrsche Uneinigkeit, was eine Entscheidung verhindert habe, wusste Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk zu berichten. Schmidt ist gegen ein Verbot von Glyphosat, setzt sich aber für strengere Regeln bei der Verwendung ein. So sollen nur noch „Profis“, nicht aber Hobbygärtner das Gift verwenden können.

Widerspruch dazu kommt auch aus Kreisen der Bundesregierung. Der Vorschlag der EU-Kommission, die Lizenz auf neun Jahre zu verlängern, wird von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) unter Verweis auf den Verbraucherschutz abgelehnt. Aufgrund dieser Uneinigkeit muss sich Deutschland bei der Abstimmung enthalten, was eine klare Entscheidung im Fachausschuss erschwert. Dort müssten sich 55 Prozent der Mitgliedstaaten, die gleichzeitig 65 Prozent der Bürger vertreten, für die neue Lizenz aussprechen. Eine rechtzeitige Zulassungsverlängerung könnte nun die EU-Kommission im Alleingang beschließen, was man in diesem umstrittenen Fall jedoch nicht will. Nach Ablauf der aktuellen Einsatzerlaubnis in wenigen Wochen drohen dann allerdings Klagen der Hersteller.

Uneinigkeit bei der Bewertung von Glyphosat

Wie gefährlich das Pflanzengift tatsächlich ist, bleibt umstritten. Jüngst hatte die „Joint Meeting on Pesticide Residue“-Arbeitsgruppe (JMPR) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als sicher eingestuft. Diese Einschätzung teilt auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), während die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC), die ebenfalls zur WHO gehört, Ende 2015 zum Schluss kam, dass das Mittel höchstwahrscheinlich krebserregend ist. Die Ergebnisse basieren allerdings auf verschiedenen Ansätzen. Während die IARC sich nur mit der Frage beschäftigt, ob Glyphosat krebserregend sein kann, nehmen Efsa und JMPR eine Risikobewertung vor. Diese soll klären, wie gefährlich das Mittel bei sachgemäßer Verwendung ist.

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