home Politik Krisenmanager in weltpolitischem Umbruch: Ehemaliger UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali gestorben

Krisenmanager in weltpolitischem Umbruch: Ehemaliger UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali gestorben

Der frühere UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali ist heute in Kairo im Alter von 93 Jahren gestorben. Dies gab Rafael Ramirez, der derzeitige Vorsitzende des UN-Sicherheitsrats, in New York bekannt. Boutros-Ghali hatte den Posten vier Jahre von 1992 bis 1996 inne und war der erste Afrikaner ist diesem Amt.

Architekt des Ausgleichs zwischen Ägypten und Israel

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Boutros
Boutros-Ghali
Boutros Boutros-Ghali wurde im Oktober 1977 Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten in der ägyptischen Regierung und ab Mai 1991 außerdem stellvertretender Außenminister seines Landes. Am 3. Dezember 1991 wurde er zum 6. Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt, welcher er bis zum 31. Dezember 1996 blieb.
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Boutros Boutros-Ghali wurde 1922 in Kairo geboren und entstammte einer reichen Familie. Er studierte zunächst in der ägyptischen Hauptstadt und später in Paris, wo er Diplome in Rechtswissenschaften, Wirtschaft und Politikwissenschaften erwarb. 1949 kehrte er als Dozent und später als Professor für Politikwissenschaften nach Kairo zurück. Seine politische Laufbahn begann er im Jahre 1977 als Generalsekretär in der ägyptischen Regierung und profilierte sich als Unterstützer der Ausgleichspolitik des damaligen Präsidenten Anwar el Sadat mit Israel, die 1979 in einen Friedensvertrag mündete.

Auch unter Sadats Nachfolgern wie Ministerpräsident Mustafa Khalil und dem späteren Präsidenten Hosni Mubarak blieb Boutros-Ghali Staatsminister und galt über viele Jahre als zentraler Faktor in der ägyptischen Außenpolitik, ehe er 1991 zum Vize-Ministerpräsidenten aufstieg. Im gleichen Jahr wurde er als Nachfolger des Peruaners Javier Pérez de Cuéllar, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr für eine weitere kandidieren wollte, für den Posten des UN-Generalsekretärs vorgeschlagen. Die Wahl erfolgte am 3. Dezember 1991 mit elf Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen. Boutros-Ghali trat sein Amt daraufhin am 01. Januar 1992 an.

USA verhindern zweite Amtszeit

Boutros-Ghalis Amtszeit war geprägt durch zahlreiche Blauhelm-Friedensmissionen der UN, hervorgerufen durch den weltpolitischen Umbruch und neue Konflikte nach dem Ende des Kalten Krieges. So kam es zu Einsätzen in Kambodscha, dem ehemaligen Jugoslawien, Somalia, Georgien/Abchasien, Ruanda/Uganda und Haiti. In der Weltöffentlichkeit erschien er so in erster Linie als Krisenmanager mit starkem politischem Anspruch und weniger als höchster UN-Beamter. Auch kümmerte er sich mit großem Engagement um globale Herausforderungen, was sich unter anderem in der vielbeachteten Umwelt-Konferenz von Rio im Jahre 1992 niederschlug. Weniger bekannt ist hingegen, dass sich Boutros-Ghali auch um den Abbau der UN-Bürokratie bemühte, aus Sicht der USA allerdings mit wenig Erfolg.

Dies sowie die Misserfolge der Blauhelm-Missionen in Somalia und dem ehemaligen Jugoslawien führte schließlich dazu, dass die Vereinigten Staaten eine zweite Amtszeit Boutros-Ghalis 1996 mit einem Veto im UN-Sicherheitsrat verhinderten. Seine Tätigkeit endete somit am 31. Dezember 1996 mit der Übergabe der Geschäfte an seinen Nachfolger Kofi Annan. Nach seiner Zeit als UN-Generalsekretär war Boutros-Ghali Generalsekretär der Internationalen Organisation der Frankophonie sowie Präsident der Haager Akademie für Völkerrecht und engagierte sich seit 2009 für das neu gegründete Russell-Tribunal zur Palästinafrage.

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