home Politik Trotz Drohungen aus den USA: Türkei startet Offensive gegen Kurden in Syrien

Trotz Drohungen aus den USA: Türkei startet Offensive gegen Kurden in Syrien

Bild: wikipedia.org / VOA

Die Türkei hat ihren umstrittenen Militäreinsatz im Nordosten Syriens gestartet. Die türkischen Streitkräfte hätten die Operation „Peace Spring“ gemeinsam mit pro-türkischen Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) begonnen, schrieb der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf Twitter. Ziel der Operation ist die kurdische YPG-Miliz, die auf syrischer Seite der Grenze ein weitläufiges Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und begreift die Angehörigen der Miliz als Terroristen.

Syrien verurteilt türkische „Expanionspläne“ und plant Gegenschlag

Ein Sprecher der Kurdenmiliz in Nordsyrien sagte, türkische Kampfflugzeuge hätten mit Angriffen auf die Region begonnen. Die syrische Nachrichtenagentur Sana berichtet, die Bombardierungen hätten im Grenzort Ras Al-Ain begonnen. Dieser liegt direkt gegenüber dem türkischen Ort Ceylanpinar in der südosttürkischen Provinz Sanliurfa. In Sanliurfa befindet sich auch die Kommandozentrale für die lange geplante Offensive gegen die Kurden in Syrien. Die von den Kurden dominierten Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF) riefen unterdessen die „internationale Gemeinschaft und alle Länder der internationalen Koalition gegen den IS“ dazu auf, ihrer „Verantwortung nachzukommen und eine humanitäre Katastrophe zu verhindern“. Gleichzeitig verkündete die kurdische Autonomieverwaltung der Region eine dreitägige Generalmobilmachung. Kurden weltweit fordere man auf, gegen die türkische Offensive zu demonstrieren.

INFO-BOX:
Yekineyen Parastina Gel
YPG
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Die Volksverteidigungs-einheiten (YPG) sind eine bewaffnete kurdische Miliz in Syrien und kontrollieren mehrere mehrheitlich kurdisch besiedelte Gebiete in Nordsyrien. Seit 2015 ist die YPG Teil der Syrian Democratic Forces (SDF).
Ziel der Operation sei es, „den Terrorkorridor, den man an unserer südlichen Grenze aufbauen will, zu zerstören und Frieden in die Region zu bringen“, ließ Präsident Erdogan unterdessen via Twitter verlauten. Die syrische Regierung hatte hingegen schon vor Beginn der Offensive erklärt, man werde im Falle eines Einmarsches zurückschlagen. Zudem verurteilte das syrische Außenministerium in einer Erklärung die „kriegerischen Erklärungen, feindlichen Absichten und das Zusammenziehen von Truppen“ an der Grenze. Dies zeige die „expansionistischen Ambitionen“ der türkischen Regierung. Der Nordosten Syriens wird seit Jahren von der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) und der YPG-Miliz als deren militärischem Arm kontrolliert. In dem als „Terrorkorridor“ bezeichneten Streifen plant die Türkei nach einem siegreichen Feldzug die Unterbringung syrischer Flüchtlinge aus türkischen Lagern.

YPG-Miliz jahrelang US-Verbündeter im Kampf gegen den IS

Der Einmarsch der Türkei folgt auf einen Kurswechsel der USA, der den Weg für die Offensive erst freigemacht hatte. Zuvor waren die kurdischen Milizen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein enger Verbündeter und wurden von den USA jahrelang mit Waffen und Spezialkräften unterstützt. Nach einem Telefonat mit Erdogan kündigte US-Präsident Donald Trump aber am Sonntag überraschend an, die US-Truppen aus dem Gebiet an der türkischen Grenze abzuziehen. Dies rief international scharfe Kritik hervor, auch aus Trumps eigener republikanischer Partei. Später vollzog der US-Präsident teilweise eine Kehrtwende und drohte der Türkei auf Twitter, dass jede „ungezwungene und unnötige“ Kampfhandlung für deren Wirtschaft und Währung „verheerend“ werde.