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Uni-Präsidentin Amy Gutmann wird neue US-Botschafterin in Berlin

Die Hochschulpräsidentin Amy Gutmann wird neue US-Botschafterin in Berlin. Der Senat in Washington billigte die Nominierung der 72-Jährigen durch Präsident Joe Biden mit 54 Ja- gegen 42 Nein-Stimmen. Vier Senatoren enthielten sich. Gutmann ist seit 2004 Präsidentin der renommierten Pennsylvania University. Vor ihrem Wechsel nach Deutschland muss sie noch vereidigt werden, was jedoch als Formalie gilt. Die vielfach ausgezeichnete Politikwissenschaftlerin mit deutsch-jüdischen Wurzeln wird damit die erste Frau auf dem US-Botschafterposten in Berlin.

Familie floh 1934 vor den Nazis aus Deutschland

INFO-BOX:
US-Botschafter in
Deutschland seit 1976
1976-1981: W. J. Stoessel
1981-1985: Arthur F. Burns
1985-1989: Richard Burt
1989-1991: V. A. Walters
1991-1993: R. M. Kimmitt
1993-1994: R. Holbrooke
1994-1996: C. E. Redman
1997-2001: John Kornblum
2001-2005: Dan Coats
2005-2008: William Timken
2009-2013: P. D. Murphy
2013-2017: J. B. Emerson
2018-2020: Richard Grenell
ab 2022: Amy Gutmann
Gutmann hat immer wieder darüber gesprochen, wie sie die Geschichte ihres aus dem fränkischen Feuchtwangen stammenden Vaters geprägt hat. Vater Kurt war 1934 aus Nazi-Deutschland geflohen und später von Indien aus in die Vereinigten Staaten emigriert. Ein Student hatte damals seine vier Geschwister und die Eltern angesichts der zunehmenden Verfolgung von Juden zur Flucht aus Deutschland überredet. „Es ist wahr, dass seine ganze Familie wie vom Erdboden verschluckt worden wäre, wenn er nichts getan hätte“, berichtete Gutmann 2013 in der Zeitung „The Daily Pennsylvanian“.

Später zog die Family nach New York, wo Gutmann 1949 im Stadtteil Brooklyn das Licht der Welt erblickte. Nach ihrem Politikstudium an der Elite-Universität Harvard lehrte sie fast drei Jahrzehnte an der Spitzen-Uni Princeton. Anschließend wechselte sie nach Pennsylvania, wo auch Joe Bidens Enkelin Naomi studierte. Schon als Vizepräsident unter Barack Obama besuchte der heutige US-Präsident die Universität und trat gemeinsam mit Gutmann bei einer Podiumsdiskussion auf. Als Wissenschaftlerin wurde Gutmann zudem mit zahlreichen Preisen geehrt. 2011 zählte das Magazin „Newsweek“ sie zu den „150 Frauen, die die Welt bewegen“. Von der Zeitschrift „Fortune“ wurde sie 2018 als eine der 50 wichtigsten Führungspersönlichkeiten der Welt eingestuft. Diplomatische Erfahrung hat die Uni-Präsidentin aber nicht.

Botschafter-Posten seit Juni 2020 vakant

Bei ihrer Bestätigungsanhörung vor dem Auswärtigen Ausschuss des Senats sagte Gutmann im Dezember, ihr Vater habe ihr „eingeflößt“, was es bedeute, als „Amerikaner zu führen“: „Nie zu vergessen und immer gegen Antisemitismus, Rassismus und alle Formen des Fanatismus und der Diskriminierung einzustehen, sich für Freiheit und Demokratie, Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit, nationale Sicherheit und den Respekt der Würde aller einzusetzen“.

Der Posten des US-Botschafters in der amerikanischen Vertretung am Brandenburger Tor ist bereits seit Juni 2020 vakant. Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten waren die USA fast 16 Monate ohne Botschafter in Deutschland, ehe Richard Grenell im Mai 2018 das Amt übernahm. Der loyale Gefolgsmann Trumps machte sich jedoch mit seiner rabiaten Art im politischen Berlin kaum Freunde. Aus der Opposition wurden damals sogar Stimmen laut, ihn zur „unerwünschten Person“ zu erklären. Nach knapp zwei Jahren kehrte Grenell schließlich wieder in die USA zurück. Seither leiten Geschäftsträger die diplomatische Vertretung.

Gutmann kritisiert Pipeline Nord Stream 2

Die designierte Botschafterin, die mit dem Politik-Professor Michael Doyle verheiratet ist, hob nach ihrer Nominierung die enge Partnerschaft zu Deutschland hervor. Gleichzeitig kritisierte sie wie auch der US-Präsident die Gas-Pipeline Nord Stream 2 als „schlechten Deal“ für Deutschland und „furchtbar“ für die Ukraine. Außerdem kündigte sie vor dem Senat an, sie wolle die neue Bundesregierung auffordern, das NATO-Ziel von Verteidigungsausgaben in Höhe von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen. Wann Gutmann ihren Dienst in Deutschland antritt, ist bisher noch nicht klar. Nichtsdestotrotz freut man sich in Berlin auf „die Neue“.

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter nannte sie ein „ermutigendes und überfälliges Zeichen für die Wiederbelebung der transatlantischen Partnerschaft“. Dass Gutmann Wurzeln in Deutschland hat, werde der deutsch-amerikanischen Freundschaft gut tun. „Die Nominierung zeigt, dass Präsident Biden der transatlantischen Partnerschaft wieder eine höhere Bedeutung zumisst und sich für ihre Stärkung einsetzt, das freut mich sehr“.