home Politik Von der Leyen: Sanierung des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ wird fortgesetzt

Von der Leyen: Sanierung des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ wird fortgesetzt

Bild: wikimedia.org / Felix Koenig (King) / Lizenz: CC BY-SA 2.5

Trotz exorbitant gestiegener Kosten will Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen an der Sanierung des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ festhalten. Dies bestätigte ihr Ministerium. Von der Leyen wies an, die Arbeiten fortzusetzen und auch dem Ministerium vorgelegte Rechnungen wieder zu bezahlen. Ziel sei es, das Schiff bis Herbst kommenden Jahres fertigzustellen, so ein Sprecher. Die Arbeiten sollen dabei „im Rahmen der vereinbarten Kostenvorgaben bleiben.“

Kosten der Sanierung explodieren von zehn auf 135 Millionen Euro

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Gorch Fock
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Die Gorch Fock (auch als Gorch Fock II bezeichnet) wurde 1958 in Hamburg bei Blohm & Voss gebaut. Sie ist ein neueres Schwesternschiff der bereits im Jahr 1933 gebauten ersten Gorch Fock. Seit ihrer Indienststellung ist sie als Bark getakeltes Segelschulschiff der Deutschen Marine unterwegs und hat bis 2011 mehr als 750.000 Seemeilen zurückgelegt. Dabei lief das Schiff rund 180 verschiedene Häfen an und besuchte über 60 Hoheitsgebiete auf allen Kontinenten. Der Heimathafen der Gorch Fock ist Kiel.
Diese waren zuletzt mit einer Obergrenze von 135 Millionen Euro veranschlagt worden. Zuvor war die Sanierung völlig aus dem Ruder gelaufen. Statt der zu Beginn vereinbarten zehn Millionen Euro waren nach drei Jahren Bauzeit bereits mehr als 70 Millionen in die Sanierung geflossen. Am vergangenen Freitag wurde nun der sanierte Rumpf des Schiffes erstmals wieder zu Wasser gelassen. Er habe danach erste Tests bestanden, so der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Am heutigen Dienstag habe man zudem die Abgeordneten des Bundestages über den aktuellen Sachstand informiert. Von der Leyen zeigte sich optimistisch, dass die Elsflether Werft die weitere Durchführung des Auftrags vollumfänglich stemmen kann.

Dem Rumpf-Test war ein langer Streit zwischen der Bremerhavener Bredo-Werft und der Marine vorausgegangen. Mehr als drei Jahre lag das Segelschulschiff im Trockendock der Werft, die als Subunternehmen für die inzwischen insolvente Elsflether Werft tätig war. Nun wollte die Bredo-Werft das Schiff nicht freigeben und verwies auf Außenstände von 5,1 Millionen Euro. Der Bund erklärte demgegenüber, für die erbrachten Leistungen bereits das entsprechende Geld an die Elsflether Werft gezahlt zu haben. Der Opposition war nach der Entscheidung aus dem Verteidigungsministerium allerdings nicht nach Feiern zumute. Der Grünen-Verteidigungsexperte Thomas Lindner sagte: „Die Sanierung wurde ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Sinn und Verstand durchgeboxt. Dass die Herausgabe des Schiffsrumpfes, der gerade so schwimmen kann, als Erfolg im Ministerium gefeiert wird, macht das ganze Ausmaß des Desasters um die ‚Gorch Fock‘ deutlich.“

Elsflether Werft: Insolvenz durch dubiose Nebengeschäfte

Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtet, will man die „Gorch Fock“ nun auf der Fassemer Werft in Berne weiter instand setzen. Auf dem Programm steht das Stellen der Masten, außerdem wird das Schiff wieder seinen traditionellen weißen Anstrich erhalten. Dies kann in Elsfleth nicht gemacht werden. Deren frühere Werftleitung hatte die Insolvenz durch dubiose Nebengeschäfte verursacht, in die das Geld der Marine geflossen war. Inzwischen untersucht die Staatsanwaltschaft das Geschäftsgebaren zweier Ex-Vorstände, auch mehrere Gerichte beschäftigen sich mit dem Debakel.