home Sport Deutscher Handball-Bund trennt sich von Bundestrainer Christian Prokop – Gislason übernimmt

Deutscher Handball-Bund trennt sich von Bundestrainer Christian Prokop – Gislason übernimmt

Bild: wikimedia.org / Viranovski Filip/Flickr / Lizenz: CC BY-SA 2.0

Nur elf Tage nach dem Ende der Europameisterschaft in Österreich, Norwegen und Schweden hat sich der Deutsche Handball-Bund von Bundestrainer Christian Prokop getrennt. Dies gab der DHB via Twitter bekannt, zuvor hatte die „BILD“ darüber berichtet. Nachfolger des 41-Jährigen, der das Amt des Bundestrainers 2017 übernommen hatte, wird der Isländer und frühere Coach des Handball-Bundesligisten THW Kiel, Alfred Gislason.

Michelmann: Mannschaft benötigt neuen Impuls

INFO-BOX:
Handball-Bundestrainer
Herren seit 1949
1949-1955: Fritz Fromm
1955-1972: Werner Vick
1972-1974: Horst Käsler
1974-1982: Vlado Stenzel
1982-1987: Simon Schobel
1987-1989: Petre Ivanescu
1989-1992: H. Bredemeier
1992-1993: Armin Emrich
1993-1996: Arno Ehret
1997-2011: Heiner Brand
2011-2014: M. Heuberger
2014-2017: D. Sigurdsson
2017-2020: C. Prokop
2020-: Alfred Gislason
„Wir haben diese schwere Entscheidung nach reichlicher Abwägung und einer ganzheitlichen Analyse aus Verantwortung für den deutschen Handball getroffen“, teilte Präsident Andreas Michelmann mit. Prokop hatte mit seiner Mannschaft bei der Europameisterschaft das Halbfinale verpasst und das Turnier auf dem 5. Platz beendet. Daher sei man beim DHB „auch in der Analyse der Europameisterschaft davon überzeugt, dass wir unsere kurzfristigen Ziele nur mit einem neuen Impuls erreichen können“, so Michelmann weiter. Der 60 Jahre alte Gislason stehe für einen solchen neuen Impuls und bringe frische Energie in die Nationalmannschaft. Der Isländer erhält einen Vertrag bis zur EM 2022 in Ungarn und der Slowakei. Sein erster Arbeitstag als Bundestrainer wird der 9. März sein, am 13. März steht ein Testspiel gegen die Niederlande auf dem Programm.

Mit isländischen Trainern hat der Deutsche Handball-Bund in der jüngeren Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht. Unter Dagur Sigurdsson holten Deutschlands Handballer 2016 sensationell EM-Gold und Olympia-Bronze. Ein Jahr später wechselte Sigurdsson nach Japan. Schon damals war Gislason als Nachfolger gehandelt worden, ehe sich der DHB für Prokop entschied und diesen für die Rekordablöse von 500.000 Euro vom Bundesliga-Klub DHfK Leipzig loseiste. Größter Befürworter des Deals war DHB-Vize Bob Hanning, der nach der enttäuschenden EM zunächst von Prokop abrückte, später dann aber wieder zurückruderte. Auch DHB-Sportvorstand Axel Kromer hatte sich vor den damaligen Bundestrainer gestellt. „Wir werden natürlich mit Christian in Richtung Olympia gehen und die Sommerspiele anpeilen“, sagte er noch vor Abschluss der EM-Hauptrunde. Nun also die Kehrtwende.

Gislason dreimaliger Gewinner der Champions League

Mit Gislason hat sich der DHB einen erfahrenen Mann an Bord geholt, der weiß, wie sich Erfolge anfühlen. So feierte der Isländer zwischen 2001 und 2019 mit Magdeburg, Gummersbach und Kiel unter anderem sieben deutsche Meisterschaften und sechs Pokalsiege. Außerdem gewann er mit dem SC Magdeburg sowie zweimal mit dem THW Kiel die Champions League. Oberste Priorität für den Verband hat nun die Qualifikation für die Olympischen Spiele im kommenden Sommer in Tokio. Vom 17. bis 19. April muss die deutsche Mannschaft dafür ein in Berlin ein Qualifikationsturnier gegen Schweden, Slowenien und Algerien bestreiten. Nur die beiden ersten Teams dieses Turniers qualifizieren sich für die Spiele in Japan.