home Sport Türkgücü München: Fußball-Viertligist bringt bei Aufstieg Umzug nach NRW ins Gespräch

Türkgücü München: Fußball-Viertligist bringt bei Aufstieg Umzug nach NRW ins Gespräch

Bild: wikimedia.org / Lokomotive74 / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der Fußball-Klub Türkgücü München mischt derzeit die Regionalliga Bayern auf. Nach 22 von 36 Spielen führt der Verein die Tabelle souverän mit acht Punkten Vorsprung an. Stehen die Münchner auch nach dem letzten Spieltag auf dem ersten Tabellenplatz, würden sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte in die 3. Liga aufsteigen. Präsident Hasan Kivran hatte für diesen Fall gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ einen Umzug nach Nordrhein-Westfalen in den Raum gestellt. Diesem Plan erteilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) jetzt aber eine Absage.

„Ich weiß, dass wir in München stören“

INFO-BOX:
Türkgücü München e.V.
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Der Türkgücü München e.V. entstand 2001 als Nachfolger des insolventen SV Türk Gücü München. Dieser wurde 1975 von einer Gruppe türkischer Migranten gegründet und spielte von 1988-1992 und von 1994-1996 in der seinerzeit drittklassigen Bayernliga. Nach der Insolvenz gründete sich der Türkische SV München als Nachfolgeverein, der von der Landesliga bis in die Kreisliga durchgereicht wurde und 2008 mit dem Bezirksligisten SV Ataspor München zum SV Türkgücü-Ataspor fusionierte. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga 2019 wurde der Vereinsname in Türkgücü München geändert.
Die Überlegungen gründen auf der Tatsache, dass im Stadion an der Grünwalder Straße derzeit drei Mannschaften spielen: Der TSV 1860 München, die Amateure des FC Bayern München (beide in der 3. Liga) und eben Viertligist Türkgücü. „Ich weiß, dass wir in München stören“, so Präsident Kivran. „Hier braucht keiner einen dritten Profiverein“. Eine neue Heimspiel-Stätte im Westen der Republik brachte der Präsident wegen der Vielzahl dort lebender türkischstämmiger Fans ins Gespräch. „Dort hätten wir wahrscheinlich mehr Zuschauer, weil es auch mehr Derbys gäbe“. Als Beispiel nannte der Klubchef den KFC Uerdingen, der seine erste Saison in der 3. Liga in Duisburg absolvierte und die aktuelle in Düsseldorf spielt. Das heimische Grotenburg-Stadion ist bis heute nicht drittligatauglich.

Demgegenüber stellte DFB-Direktorin Heike Ullrich heute klar, dass ein solcher Umzug nicht möglich sei. „Die Regularien beinhalten zwar, dass Ausnahmen vom Ausschuss 3. Liga genehmigt werden können. Hier muss aber eine räumliche Nähe zum Sitz des Klubs gewährleistet sein“, so Ullrich. Und im Fall von Türkgücü München könne man bei Nordrhein-Westfalen sicher nicht von räumlicher Nähe sprechen. Zudem habe der Präsident des bayerischen Fußball-Verbandes, DFB-Vize Rainer Koch, dem Verein bereits im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass es für eine derartige Idee vonseiten des Verbands keine Zustimmung gebe. Die Planspiele von Türkgücü hatten wegen der offenen Stadionfrage nun wieder an Fahrt aufgenommen. „Mehr als zwei Drittligisten in einem Stadion sind kaum realisierbar, es macht auch für die betreffenden Vereinen keinen Sinn“, sagte Ullrich. Gänzlich ausgeschlossen ist ein solches Szenario in den DFB-Statuten jedoch nicht.

Bislang keine konkreten Verhandlungen mit Stadien in NRW

Planungssicherheit hätten alle Beteiligten gerne vor der anstehenden Kommunalwahl am 15. März. „Wir müssen am 2. März die Lizenzierung abgeben, und es ist ein Teil davon, das Stadion anzugeben“, so Kivran. Eine Lösung sei nun eben, die Heimspiele in Nordrhein-Westfalen auszutragen. Konkrete Verhandlungen mit Stadien im Westen habe es bisher aber noch nicht gegeben. Auch will der Präsident, der sein Geld mit Vermögensverwaltung verdient, nicht von einem kompletten Wegzug sprechen. „Wir reden nicht von einem Ortswechsel. Der Gedanke ist: Für eine Engpassphase in der Stadt würden wir ausweichen“.

Am gestrigen Montag gab es am Rande des Spiels zwischen dem FC Bayern II und dem Halleschen FC (6:1) Gespräche zwischen der Stadt München und den beteiligten Vereinen. Vertreter der Stadt ließen inzwischen mitteilen, dass man die „Stör“-Vorwürfe von Kivran nicht nachvollziehen könne, da alle Vereine gleich behandelt würden. Eine Lösung sei zwar noch nicht in Sicht, man befinde sich jedoch mit allen Beteiligten in intensivem und konstruktivem Austausch.