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Microsoft will angeblich Chat-Dienst Discord für mehr als zehn Milliarden US-Dollar übernehmen

Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft will Insidern zufolge den Chat-Dienst Discord für mehr als zehn Milliarden US-Dollar kaufen. Dies berichten die Nachrichtenagentur Bloomberg und die „New York Times“. Discord startete 2015 und richtete sich als Onlinedienst für Sprach-, Video- und Textkommunikation zunächst vorrangig an Gamer. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen mit Sitz in San Francisco inzwischen eine aktive Nutzerschaft von mehr als 100 Millionen pro Monat und ist auch als regulärer Messenger etabliert.

Discord durch Corona-Pandemie mächtig gewachsen

INFO-BOX:
Discord
Discord wurde 2015 von Jason Citron und Stan Vishnevskiy entwickelt. Die Finanzierung übernahmen Benchmark Capital und Tencent. Discord enthält nahezu alle Funktionen, die auch Skype oder TeamSpeak zur Verfügung stellen. Ebenso wird die private Kommunikation über Gruppen, Chats und Telefonate ermöglicht, seit 2017 auch durch Videoanrufe. Discord kann als Webanwendung oder mit proprietärer Client-Software auf allen gängigen Betriebssystemen genutzt werden.
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Viele Influencer und Webportale, aber auch Vereine oder Schulklassen haben inzwischen eigene Discord-Server. Auf diesen können sich Fans, Mitglieder oder Mitschüler und ihre Lehrer untereinander austauschen. Nach der Einrichtung eines Servers mit wenigen Klicks lassen sich verschiedene private oder öffentliche Kommunikationskanäle eröffnen. Zudem ist es möglich, Rollen für Mitglieder anzulegen, die diesen kleinere oder größere Zugriffsrechte innerhalb des Servers zuweisen. So ist es problemlos möglich, auch große Gruppen mit mehreren Tausend Mitgliedern zu managen. In der Corona-Pandemie haben auch zahlreiche Lehrkräfte Discord für sich entdeckt. So lassen sich darüber virtuelle Unterrichtsstunden abhalten, Unterrichtsmaterialien können per Livestream geteilt werden, während die Schüler zuschauen und kommentieren. Discord ist prinzipiell kostenlos, auch Werbung gibt es keine. Lediglich einige Zusatzfunktionen sind kostenpflichtig. Geld sammelt Discord vielmehr über Investoren, die zuletzt über 100 Millionen US-Dollar in die Plattform investierten.

Hinsichtlich einer Übernahme habe man mit verschiedenen Kaufinteressenten gesprochen, teilte das Unternehmen laut Bloomberg mit. Microsoft sei im Rennen. Ein unmittelbarer Deal stehe jedoch nicht bevor. Zudem sei es gut möglich, dass sich Discord stattdessen für einen Börsengang entscheide, um an frisches Geld zu kommen, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Beide Unternehmen lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab. Bereits im Dezember waren Spekulationen aufgekommen, Microsoft würde über einen Kauf von Discord nachdenken, um sein Xbox- und Game Pass-Ökosystem weiter zu stärken. Zuletzt hatten die Redmonder die Spieleschmiede Zenimax Media mit rund 2.300 Mitarbeitern für 7,5 Milliarden US-Dollar übernommen. Damit sicherten sie sich bekannte Franchises wie Doom, Fallout oder The Elder Scrolls der Tochter Bethesda. Abseits davon hatte Microsoft an der Social Media-App TikTok, die damals massiven Gegenwind durch die US-Regierung von Donald Trump erlebte, sowie der Online-Pinwand Pinterest gebaggert, jedoch ohne großen Erfolg.

Analyst: Microsoft will mit Kauf Game Pass-Abos ankurbeln

„Die mögliche Übernahme von Discord durch Microsoft ergibt sehr viel Sinn, da das Unternehmen sein Gaming-Geschäft weiter in Richtung Software und Services umgestaltet“, so Bloomberg-Analyst Matthew Kanterman. Es bestünde die große Chance für den Konzern, Discords Premium-Angebot „Nitro“ in das eigene Portfolio zu integrieren, um so mehr Game Pass-Abonnements zu kreieren. Microsoft hatte hier zuletzt von 18 Millionen gesprochen. Auch bei der Zenimax Media-Übernahme soll die Verbreiterung des Game Pass-Angebots ein treibender Faktor bei Microsofts Kaufentscheidung gewesen sein. Trotz eines Umsatzsprungs von 45 Millionen US-Dollar im Jahr 2019 auf mehr als 130 Millionen US-Dollar im vergangenen Jahr, ist Discord bis heute nicht profitabel. Ob dies Microsoft trotzdem einen Kaufpreis im zweistelligen Milliarden-Bereich wert ist, bleibt daher abzuwarten.

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