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Finanztest: Banken schröpfen Kunden beim Dispo-Kredit über Gebühr

Obwohl die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) es Banken ermöglicht, sich kostenlos Geld zu leihen, geben diese den Vorteil nicht an ihre Kunden weiter. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest hat ergeben, dass die Zinsen für Dispokredite im letzten Jahr kaum gesunken sind. Eine der geprüften Banken greift den Kunden sogar tiefer in die Tasche als zuvor.

Leitzins sinkt, Dispogebühren kaum

INFO-BOX:
Dispo-Zinsen
Die Zeitschrift Finanztest hat für ihre aktuelle Untersuchung die Dispo-Zinsen von 1.377 Banken erhoben. Welche Zinsen ihre Bank verlangt, können Sie mit einem Klick auf "mehr dazu" abrufen.
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Nach der Untersuchung der Dispozinssätze von 1.377 Banken, Sparkassen und Volksbanken werfen die Verbraucherschützer den deutschen Kredithäusern vor, ihre Kunden unnötig stark zu belasten. Obwohl sie selbst keine Zinsen auf Kredite bei der EZB zahlen, ist die durchschnittliche Überziehungsgebühr bei Girokonten im Laufe der letzten zwölf Monate lediglich um 0,1 Prozent gesunken und liegt jetzt bei 9,78 Prozent. Vor allem kleineren Banken sollen von ihren Kunden unverhältnismäßig hohe Gebühren verlangen. Besonders hoch sind die Dispozinsen bei der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost und der Rosbacher Raiffeisenbank, die mit 13,75 Prozent beziehungsweise 13 Prozent deutlich über dem Durchschnitt liegen.

Dass es auch anders geht, belegen mehrere Direktbanken, die sich am anderen Ende des Spektrums positionieren. So verlangt die Deutsche Skatbank in ihrem Kontomodell Trumpf nur 4,17 Prozent Zinsen, während bei der Comdirect Bank 6,5 Prozent fällig werden. Das sei zwar nach Ansicht der Stiftung Warentest für Banken, die Filialen unterhalten, kaum zu realisieren, die meisten liegen aber deutlich über dem von den Testern als akzeptabel angesehenen 8-Prozent-Satz.

Fehlende Transparenz: Tricksereien sind an der Tagesordnung

Kritisiert wurde außerdem fehlende Transparenz. Während nahezu alle Banken mittlerweile Informationen zur Höhe der Dispozinsen veröffentlichen und deren Zustandekommen erklären, geht es dabei nicht immer fair für die Kunden zu. So würden die Gebühren von einigen Banken an den Leitzins gekoppelt, aber nicht mehr weiter sinken, wenn dieser ins Minus rutscht. Ein negativer Zins wird behandelt, als läge er bei 0. Andere koppeln die Zinsentwicklung an die Bonität ihrer Kunden. In einem Fall wurde die Zinsanpassungsklausel geändert, um trotz sinkender Zinsen, gut an Dispokrediten verdienen zu können. Anstatt wie im Jahr davor 8 Prozent auf den 3-Monats-Euribor aufzuschlagen, verlangte die betroffene Bank einen Aufschlag von 10 Prozent. Solche Tricksereien sollen bei vielen Kreditinstituten an der Tagesordnung sein, wie aus dem Bericht der Verbraucherschützer hervorgeht.

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