home Politik, Wirtschaft Hohe Konkurrenz: Lieferdienst Deliveroo gibt Deutschland-Geschäft auf

Hohe Konkurrenz: Lieferdienst Deliveroo gibt Deutschland-Geschäft auf

Bild: deliveroo.news / Deliveroo / Flickr

Der Essenslieferant Deliveroo stellt zum Ende der Woche seinen Dienst in Deutschland ein. In einer Mitteilung an die Kunden schrieb das britische Unternehmen, dass diese Entscheidung „nicht einfach“ gewesen und „nicht leicht“ gefallen sei. Das Deutschland-Geschäft wird mit Ablauf des 16. August beendet. Deliveroo wolle sich nun auf andere Märkte konzentrieren und dort sein Geschäft weiter ausbauen.

Deliveroo will sich auf rentable Märkte konzentrieren

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Deliveroo wurde 2013 in London von Will Shu und Greg Orlowski gegründet. Neben dem Heimatmarkt ist das Unternehmen auch in den Niederlanden, Frankreich, Belgien, Irland, Spanien, Italien, Australien, Singapur, Dubai und Hongkong aktiv. Deliveroo vergibt Abholaufträge an Fahrer, die nicht bei dem Unternehmen angestellt, sondern formal Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte sind. 2019 beteiligte sich Amazon an einer Finanzierungsrunde für Deliveroo und stellte die eigenen Lieferdienste Amazon Restaurant und Daily Dish ein.
Als Grund für das Deutschland-Aus nannte das Unternehmen in einer Pressemitteilung, dass sich der Umsatz auf anderen Märkten verdoppelt habe. Diese wolle man nun verstärkt in den Fokus nehmen. Dabei gehe es sowohl um andere europäische Länder, wie auch die Asien-Pazifik-Region. Im deutschen Markt ist die Konkurrenz durch Lieferdienste wie Takeaway.com mit Sitz in den Niederlanden besonders stark. Takeaway fügte erst im Frühjahr dieses Jahres zu seiner Marke Lieferando das Deutschland-Geschäft von Delivery Hero hinzu. Nach der Übernahme gehören zu der Gruppe neben Lieferheld auch Pizza.de und Foodora. Nach dem Ausstieg aus dem deutschen Markt ist Deliveroo noch in insgesamt 13 Ländern aktiv. Allerdings schloss das Unternehmen nicht aus, auf den deutschen Markt zurückzukehren.

Wie Deliveroo in seinem Statement weiter schrieb, habe das Unternehmen dafür gesorgt, dass Fahrer, Restaurants und Mitarbeiter „angemessene“ Vergütungs- und Kulanzpakete erhielten. Details zu den Entschädigungen nannte man nicht. Eventuelle Guthaben auf Kundenkonten will das Unternehmen zurückerstatten. Deliveroo habe sich stets zum Ziel gesetzt, „Kunden, Fahrern und Restaurants einen herausragenden Service zu bieten“. Dort, wo dies nicht auf dem gewünschten Niveau realisierbar sei, „sind wir nicht tätig“. In Frankreich machte das Unternehmen kürzlich mit Protesten seiner Fahrer auf sich aufmerksam. So riefen sie die Kunden zu einem eintägigen Boykott von Deliveroo auf und organisierten Veranstaltungen, um gegen ihre Bezahlung zu protestieren.

SPD-Kritik an Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten

Auch in Deutschland war das Unternehmen in der Vergangenheit immer wieder für die Arbeitsbedingungen seiner freiberuflichen Fahrer kritisiert worden. Diese holen auf Bestellung Essen bei Partnerrestaurants ab und bringen es dem Kunden nach Hause. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte im im vergangenen Monat in einem Interview mit der „WirtschaftsWoche“ mit Blick auf Lieferdienste wie Deliveroo und Branchenriesen wie Amazon gefordert, ein „sozialpolitischer Wilder Westen“ müsse bei der Arbeit über digitale Plattformen verhindert werden.