home Gesundheit, Wirtschaft US-Glyphosat-Prozesse: Bayer bietet angeblich Vergleich in Höhe von 8 Milliarden Dollar an

US-Glyphosat-Prozesse: Bayer bietet angeblich Vergleich in Höhe von 8 Milliarden Dollar an

Bild: pixabay.com / maxmann

Im Rechtsstreit um durch das Pestizid Glyphosat ausgelöste Krebserkrankungen hat der Chemiekonzern Bayer den mehr als 18.400 Klägern in den USA offenbar einen Vergleich angeboten. Wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ berichtet, schlage Bayer eine Zahlung in Höhe von bis zu acht Milliarden Dollar (rund 7,15 Milliarden Euro) vor, um alle Klagen beizulegen. Bloomberg beruft sich dabei auf mit den Verhandlungen vertraute Personen. Ein Sprecher der Bayer AG wollte die Nachricht auf Anfrage nicht kommentieren.

Bayer-Aktie steigt zwischenzeitlich um elf Prozent

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Glyphosat wird seit der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre weltweit zur Unkrautbekämpfung eingesetzt und ist seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden. Das Patent als Herbizid wurde 1974 dem Chemieunternehmen Monsanto erteilt. Glyphosat wird heute von mindestens 91 Chemieunternehmen in 20 Ländern hergestellt, die produzierte Menge wurde 2012 auf 720.000 Tonnen geschätzt. In Deutschland wird Glyphosat auf etwa 40 Prozent der Ackerflächen verwendet.
Das Gerücht über einen möglichen Vergleich in den Rechtsstreitigkeiten trieb den Kurs der Bayer-Aktie steil nach oben. In der Spitze stieg er um elf Prozent auf gut 70 Euro. Dies war der höchste Stand seit Anfang März. Im Laufe des Tages gab die Aktie allerdings einen großen Teil der Gewinne wieder ab. Über einen möglichen Vergleich hatte man schon länger spekuliert – auch in der Öffentlichkeit. Erst Ende Juli hatte Bayer-Chef Werner Baumann einen solchen in Betracht gezogen, um die Klagewelle zu beenden. Dafür hatte er allerdings zwei Bedingungen genannt. Zum einen müsse sich der Vergleich in einem vernünftigen Rahmen bewegen, zum anderen der gesamte Rechtsstreit endgültig beigelegt sein. Insidern zufolge laufen derzeit Verhandlungen mit den Klägeranwälten. Diese fordern demnach allerdings mehr als zehn Milliarden Dollar.

Bayer sieht sich in den USA seit langem mit einer Klagewelle gegen den Unkrautvernichter Glyphosat konfrontiert. Die Kläger vertreten die Auffassung, dass das Mittel krebserregend ist. In den ersten drei abgeschlossenen Prozessen hatten sich die Gerichte dieser Auffassung angeschlossen und Bayer zu hohen Schadensersatzsummen verurteilt. Der Leverkusener Konzern hatte den Glyphosat-Hersteller Monsanto im vergangenen Jahr für 63 Milliarden Dollar gekauft. Dies war die teuerste Übernahme, die ein deutsches Unternehmen jemals vollzogen hat. Wegen der erfolgreichen Klagen rund um Glyphosat hatte die Bayer-Aktie danach drastisch an Wert verloren – der Wert des Unternehmens war zeitweise unter die Kaufsumme für Monsanto gerutscht.

Bayer hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass das Herbizid nach Angabe der Zulassungsbehörden bei sachgemäßer Verwendung als sicher einzustufen ist. Anders sieht dies die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese stufte Glyphosat als wahrscheinlich für den Menschen krebserregend ein. Die Kläger in den USA berufen sich auf eben diese Einschätzung.

Analysten hatten mit deutlich höherer Entschädigung gerechnet

Richter Vince Chhabria, bei dem Hunderte Klagen gebündelt sind, hatte die Streitparteien bereits vor einiger Zeit zu einer einvernehmlichen Lösung aufgefordert und mit dem US-Anwalt Ken Feinberg einen Mediator bestellt. Bei der Suche nach einer Lösung bekommt Bayer zudem Druck vom Hedgefonds Elliott, der rund zwei Prozent an dem Unternehmen hält. Insidern zufolge pocht der Hedgefonds auf eine schnelle Einigung in den USA. Ein Vergleich in Höhe von acht Milliarden Dollar wäre deutlich weniger, als von vielen Marktbeobachtern erwartet. So sagte beispielsweise Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research, alles unter 30 Milliarden Dollar Entschädigungszahlungen sei positiv für den Aktienkurs. Sollten es tatsächlich „nur“ acht Milliarden Dollar werden, hätte der Kurs wohl 30 Prozent Luft nach oben – und könnte damit auf einen Stand wie vor den Glyphosat-Klagen zurückkehren.